Nachwuchsprobleme bei Züchtern
Zwei, die auf Tauben fliegen

Münster -

Gut 50 aktive Taubenzüchter zählt die Reisevereinigung Münster. Auch an diesem Wochenende üben die Mitglieder ihren Sport aus. Aber die Vereinigung plagen Nachwuchsprobleme.

Samstag, 02.09.2017, 17:00 Uhr
Frank Sander (r.) und Heinz Menke mit zwei Renn-Assen aus dem Schlag des Vorsitzenden der Reisevereinigung Westfalia Münster. Menke ist bereits seit 1954 begeisterter Tauben-Freund.
Frank Sander (r.) und Heinz Menke mit zwei Renn-Assen aus dem Schlag des Vorsitzenden der Reisevereinigung Westfalia Münster. Menke ist bereits seit 1954 begeisterter Tauben-Freund. Foto: Oliver Werner

Die Jungtauben haben gerade Saison. Am Wochenende starteten sie in Bad Brückenau, jetzt gehen sie in Bad Kissingen in die Luft. Am 9. September endet die Flugsaison, dann gehen die Tauben bis Anfang April 2018 in die Winterpause. Züchter wie Frank Sander, Vorsitzender der Reisevereinigung Westfalia Münster, gönnen sich dann aber keine Pause. Die Tauben wollen versorgt sein und brauchen pro Tag ihren einstündigen Trainingsflug. Noch mehr Gedanken machen sich die Taubenzüchter in Münster aber über den fehlenden Nachwuchs im Verein und darüber, was mit den Tauben passiert, wenn ein Züchter aufgibt, was heute nicht selten ist.

Wenngleich in der Reisevereinigung Münster noch gut 50 aktive Taubenzüchter ihrem Hobby nachgehen, sei es zunehmend schwerer geworden, junge Menschen für den Taubensport zu begeistern. Jugendliche zeigten nur wenig Interesse, bedauert Heinz Menke vom Vorstand. Der Schriftführer ist überzeugt, dass man diesem Hobby auch nur mit einem bestimmten Gefühl nachgehen kann: „Man muss es in sich spüren.“

Taubensport braucht Zeit und Platz

Als Menke 1954 mit dem Taubensport begonnen hat, waren 19 Jugendliche aktiv im Verein. Auch Frank Sander hat das Hobby vom Vater geerbt. Seit knapp 50 Jahren widmet er sich dem Taubensport. „Seit ich laufen kann“, fügt er hinzu.

Viele Pokale zieren die Schränke im Büro des Umzugsunternehmens am Buldernweg. Seit sieben Jahren ist Frank Sander Vorsitzender der Reisevereinigung. Das Gros der Züchter im Verein hat aber bereits die 70 Jahre überschritten. Frank Sander zählt mit seinen 50 Jahren zu den Jüngsten.

Er weiß um die Problematik, wenn ein Schlag aufgelöst wird. Oft würden Tauben verkauft oder verschenkt, nur das Eingliedern in einen neuen Heimatschlag sei schwer.

Menke und Sander freuen sich darum auch über die rund 30 passiven Taubensportler, die mal im Urlaub oder an Wochenenden einspringen.

„Der Taubensport ist nicht vom Geldbeutel abhängig“, machen die beiden Vorstandsmitglieder deutlich. Es brauche nur Zeit und Platz. Meistens hat ein Züchter zwischen 100 und 150 Tiere in seinem Taubenschlag. Fünf bis sechs Jahre nehmen die Tauben an dem Reisegeschehen teil. Dabei spiele die richtige Fütterung eine wichtige Rolle, die Zuwendung und das Potenzial der Taube selbst. Menke: „Aus einem Esel machen sie kein Rennpferd.“

Tier auf der Schulter durchs Haus getragen

Für den langjährigen Züchter ist der persönliche Kontakt zu den Tieren und die Schlagliebe entscheidend. Für Frank Sander ist der Taubensport Entspannung pur, wenn die Alttauben von ihrem bis zu 600 Kilometer langen Flug und die Jungtiere nach einer Strecke von bis zu 330 Kilometern zurückkehrten.

Kaum jemand weiß, sagt der Vorsitzende, dass die Taubenzüchter bundesweit in den letzten Jahren zwischen 13 und 15 Millionen Euro für die Aktion Mensch gespendet haben. „Das wird nie erwähnt.“

Sander berichtet, dass sich seit etwa 20 Jahren der Taubensport in Taiwan etabliert habe. In China sei der Taubensport das Hobby der Millionäre geworden. Die Chinesen würden viele Tauben für Tausende Euro in Holland und im Mutterland der Brieftauben, in Belgien, kaufen. In diesem Land existierten Berufszüchter vom Verkauf der Renner der Lüfte. Heinz Menke berichtet in diesem Zusammenhang von einem Jungtier aus seinem Schlag, für das ihm im Jahr 1968 schon 18.000 D-Mark geboten worden seien. Die Taube sei damals beim Endflug mit 20 Minuten Vorsprung im heimischen Schlag gelandet. Menke blieb stur und verkaufte nicht. Er schwärmt von dem Tier, das er mit Erdnüssen gelockt auf der Schulter durchs Haus tragen konnte.

„Jede Taube hat ihre eigenen Marotten“, beschreibt er die Tiere und ist stolz auf die Erfolge seiner Asse, mit denen er schon fünf Mal Stadtmeister wurde.

Auch Frank Sander ist stolz auf seine Tauben. Er hat momentan das „beste Männchen von Münster“ im Schlag und das Muttertier gezüchtet, von dem heute „das beste Weibchen 2017“ abstammt. Heinz Menke ist froh, dass inzwischen nach dem stürmischen Flug der Alttauben von Österreich nach Deutschland alle Tiere wieder zurück sind. Vor allem Greifvögel sind dem 78-Jährigen ein Dorn im Auge. „Es gibt immer Verluste.“

Taubensport in Münster und Umgebung

Die Reisevereinigung Westfalia Münster besteht aus 50 aktiven und 30 passiven Mitgliedern. Darüber hinaus existiert eine Fluggemeinschaft mit Taubenzüchtern aus Greven und Telgte mit insgesamt 150 Mitgliedern.

Übergeordnet ist der Regionalverband, dem insgesamt 600 Taubenzüchter aus Emsdetten, Lengerich, Sendenhorst, Tecklenburger Land und Borghorst angehören, die ihre Tiere gemeinsam an den Startorten auflassen.

Seit dem Jahr 2013 fliegen die Tauben die Süd-Ost-Strecke, vorher wurden sie in der Schweiz und in Frankreich aufgelassen. Früher wurden die Tauben bis Wien und Budapest transportiert.

Der Taubensport hat sich nach Angaben von Frank Sander, Vorsitzender der Reisevereinigung Westfalia Münster, um 1860 in Belgien entwickelt. -gh-

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