Interviews: 35 Jahre Clown Fidelidad
Mit einer Träne in der Seele

Münster -

Als Clown Fidelidad ist der Humorist Wolfgang Konerding seit 35 Jahren ein Original in Münster. Niemand hat auf so vielen Bühnen und in Kliniken der Region so viele Kinder ein kleines Stück fröhlicher gemacht.

Samstag, 02.09.2017, 11:00 Uhr
Wolfgang Konderding malt auch Clowns. Die besten Werke gibt es als kleines Buch.
Wolfgang Konerding malt auch Clowns. Die besten Werke gibt es als kleines Buch. Foto: hpe

Kein anderer ist mit einer mobilen Manege unterwegs, weil er eigentlich auch mit 60 gerne noch einmal mit einem Zirkus auf große Tournee gehen würde. Mitte September feiert Konerding im Begegnungszentrum Meerwiese sein 35-jähriges Berufsjubiläum. Im Gespräch mit Redakteur Helmut P. Etzkorn verriet er auch, warum selbst ein Spaßmacher manchmal traurig sein darf.

Wann begann für Sie die Leidenschaft, als Clown Menschen zum Lachen bringen zu wollen?

Konerding: Eigentlich mit fünf Jahren. Tante Irmgard schminkte mich als Clown zu Karneval. Anfangs fand ich es blöd, am Ende war ich begeistert. Nach dem Abitur am Pascal-Gymnasium haben mich dann die Pfadfinder entdeckt. Ich habe an einem „Zirkuswochenende“ den Clown gespielt; und das war die Geburtsstunde meiner späteren Karriere.

Also das Studium hingeschmissen und lieber Lachnummern gemacht?

Konerding: Ja und nein. Parallel zum Sozialpädagogik-Studium habe ich meine künstlerischen Fähigkeiten weiterentwickelt und beispielsweise fantasievolle Masken gebastelt und mit der Malerei begonnen. Bei den Pfadfindern lernte ich Christoph Gilsbach kennen, gemeinsam bastelten wir in der Toskana Masken und mit dabei war Mathres Dues. Nach dem Toskana-Aufenthalt gründete er mit Dues das „Hinz und Kunz-Theater“, wir zogen mit Akrobatik und Musik quer durch Europa. Vor dem Lamberti-Brunnen begeisterten wir mit klassischen Clownerien zu Drehorgelmusik und Trommelwirbel. Eine tolle Zeit. Damals nannten wir uns dann „Die Pulswärmer“, vorher nannte ich mich als Solo-Clown „Heinz Kunz Musikus“.

Vom Straßentheater kann aber der beste Clown nur schwer überleben. Wie ging es weiter?

Konerding: Unser Kindertheaterstück „Reise nach Pampelmusien“ war schon ganz erfolgreich. Ich habe mich dann an der Theaterschule in Paris weitergebildet. Sprecherziehung, Bewegungsarbeit. Ich entdeckte das „sprachlose Theater“ als meine Form, Clown zu sein. Nach diesen einprägsamen Jahren in Frankreich ging es aber wirklich ans Geldverdienen. Acht Jahre hatte ich an der Katholischen Hochschule einen Lehrauftrag für Ästhetik und Kommunikation mit dem Schwerpunkt Maske und Clownerie. Seit 1983 bin ich als Clown Fidelidad unterwegs.

Woher kommt der Künstlername Fidelidad?

Münster: In einem spanischen Roman gefiel mir mal das Wort „Fidelidad“ und das bedeutet so viel wie Treue. Und treu bin ich mir auch bis heute geblieben. In der Manege fühle ich mich wohl, auch wenn ich vor jedem Auftritt noch Lampenfieber habe. Mein Vorbild Oleg Popow hat mal gesagt „Für Erwachsene musst du als Clown gut sein, für Kinder musst du besser sein.“ Daran habe ich mich gehalten, denn Kinder sind unbestechlich und lachen ehrlich, wenn der Funke überspringt. Ich selbst sehe mich als Markenzeichen für eine kontinuierliche und nachhaltige Kulturarbeit. Für Kinder und Menschen von 0 bis 99 Jahren.

Was geben Sie Erwachsenen mit auf den Weg?

Konerding: Das jeder Mensch vom Innersten her ein Clown ist. Nur wenige haben allerdings den Mut, das auch zu zeigen. Und wer dem Alltag Humor abgewinnt, meistert auch die tagtäglichen Probleme leichter. Bei der Begegnung mit kranken Kindern im Franziskus-Hospital muss ich oft schlucken, wenn ich danach wieder vor der Tür stehe. Lachen, obwohl einem zum Weinen ist, mit einer Träne in der Seele. Das ist die Kunst des Clowns. Mitgefühl durch Lachen und Weinen. Das gehört zusammen im Clown und im Menschen. Dann darf ein Spaßmacher auch traurig sein, weil es echt ist. Und der Clown weiß: Lachen und Freude ist die tiefste Wahrheit und die siegt. Und die kleinen Patienten haben ein feines Gespür für ihre Situationen. Wenn sie nach meinem Besuch zumindest für eine kleine Zeit etwas fröhlicher sind, habe ich alles richtig gemacht.

Wie sind die Zukunftspläne?

Fidelidad: Jetzt kommt erst einmal das Jubiläumswochenende am 16. und 17. September im Begegnungszentrum Meerwiese. Mit meinem „Fidelen Matuya Theater“ spiele ich „Der Clown... und wie die Geige auf die Welt kam“. Am Samstag in der Abendschau treten auch Jean Claude und Christiane Séférian und viele meiner künstlerischen Freunde auf, die mich seit Jahrzehnten auf die eine oder andere Weise begleiten und bereichern. Sonntag gibt es eine große Show für Kinder. Wenn ich gesund bleibe und meine Familie das möchte, will ich auch mit 80 Jahren noch als Clown Fidelidad Freude bereiten.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5119406?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker