Kita-Plätze
Vergabe ist teilweise Glückssache

Münster -

Es gibt wieder Kritik an der Transparenz der Kita-Platz-Vergabe. Eltern bemängeln, dass der Nachweis ihrer Berufstätigkeit – als wichtiges Vergabe-Kriterium – von den meisten Trägern gar nicht verlangt wird.

Dienstag, 05.09.2017, 21:00 Uhr aktualisiert: 05.09.2017, 21:04 Uhr
Bis ein Kitaplatz gefunden ist, müssen viele Eltern in Münster Hürden nehmen.
Bis ein Kitaplatz gefunden ist, müssen viele Eltern in Münster Hürden nehmen. Foto: dpa/

Ist die Vergabe der Kitaplätze in Münster intransparent? Diese Frage beschäftigt bekanntlich derzeit das Oberverwaltungsgericht Münster. Und während die Richter die Angelegenheit noch prüfen, kommen auch junge Eltern in Münster bisweilen zu der Ansicht, die Vergabe sei eher ein Glücksspiel als ein Prozess nach festen Regeln.

Jugendamtsleiterin Anna Pohl hatte kürzlich im Interview mit unserer Zeitung hervorgehoben, dass Eltern Arbeitsverträge vorlegen müssten, um den Betreuungsbedarf für ihr Kleinkind zu dokumentieren. „Stimmt nicht ganz“, korrigiert eine Lehrerin, die in der Aaseestadt wohnt und für ihren Sohn vergeblich einen Kita-Platz suchte, schließlich ihren Job wieder antreten musste und das Kind bei einer Tagesmutter weit entfernt in Angelmodde unterbrachte.

Intransparenz der Platzvergabe

„Ob Eltern wirklich berufstätig sind – und in welchem Umfang –, wird bei der ersten Abfrage im Kita-Navigator nicht geprüft“, sagt die Mutter, die inzwischen in einen anderen Stadtteil umgezogen ist. Erst wenn man keinen Platz erhalten hat und die Stadt gezielt in die Suche einsteigt, lasse sich die Verwaltung die Nach­weise vorlegen.

„Stimmt wieder nicht ganz“, kontert Jugendamtsleiterin Anna Pohl. Städtische Kitas, das sind aber nur 29 von rund 180 Einrichtungen, verlangen den Nachweis schon bei der ersten ­Bewerbung. Wer sein Kind aber in einer Kita eines anderen Trägers, etwa der Kirchen oder freier Elterninitiativen anmelde, müsse zunächst nichts vorlegen, die Angabe reicht.

300 U-3-Plätze fehlen

„Es gehört zur Trägerautonomie, zu entscheiden, ob ein Nachweis verlangt wird“, sagt dazu ­Anna Pohl, die sich bewusst ist, dass so auch Kinder die begehrten Plätze für unter Dreijährige erhalten können, deren Mütter vielleicht noch oder gar nicht arbeiten. ­Momentan fehlen rund 300 dieser U-3-Plätze.

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Pohl sagt, sie sei sehr offen für alles, was den Kita-Navigator und die Vergabepraxis weiter verbessern könnte. So nimmt die Stadt aktuell an einem Projekt des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Universität Münster und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim teil, das zum Ziel hat, die Vergabe effizienter und transparenter zu regeln. Derzeit ist eine Eltern-Umfrage im Internet angelaufen:  

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