Zweiter Tag des Weltfriedenstreffens
„Schnäppchenjagd unchristlich“

Münster -

Während Oberbürgermeister Markus Lewe Religionsvertreter im Friedenssaal empfängt, wird an anderer Stelle heftig diskutiert – über Frieden und Gerechtigkeit.

Montag, 11.09.2017, 18:45 Uhr aktualisiert: 11.09.2017, 21:09 Uhr
Oberbürgermeister Markus Lewe erklärte den Teilnehmern des Weltfriedenstreffens in Münster einige Besonderheiten des Friedenssaals. Viele Religionsvertreter trugen sich in das Goldene Buch der Stadt ein.
Oberbürgermeister Markus Lewe erklärte den Teilnehmern des Weltfriedenstreffens in Münster einige Besonderheiten des Friedenssaals. Viele Religionsvertreter trugen sich in das Goldene Buch der Stadt ein. Foto: Oliver Werner

Inmitten der vielen international besetzten Diskussionsforen war es „nur“ ein Fototermin im Friedenssaal – aber einer mit Symbolgehalt: Oberbürgermeister Markus Lewe empfing am Montag rund 30 Geistliche aus verschiedenen Religionen und Konfessionen, die sich derzeit aus Anlass des Weltfriedenstreffens der Gemeinschaft Sant‘ Egidio in Münster aufhalten.

Lewe erklärte ihnen die Geschichte des Friedenssaals im Zusammenhang mit den Friedensverhandlungen von 1648 und lud die Gäste anschließend ein, sich in das Goldene Buch der Stadt Münster einzutragen.

Stellvertretend für die anderen Repräsentanten der Religionen dankte der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper für die Einladung. Für Kasper persönlich war die Reise nach Münster auch eine Reise in die Vergangenheit, denn als Theologe lehrte er sechs Jahre lang in Münster. „Aber das ist 50 Jahre her“, fügte er hinzu.

Viele Fragen an Total-Chef Pouyanné

Während im Friedenssaal eher das Repräsentative im Vordergrund stand, wurde an anderer Stelle heftig diskutiert, so beispielsweise im Großen Saal des Freiherr-vom-Stein-Hauses am Domplatz. Hier lautete das Thema „Wirtschaft und soziale Gerechtigkeit“ – und einer, dem viele Fragen gestellt wurden, war Patrick Pouyanné, der Chef des französischen Energiekonzerns Total.

Er wurde gefragt, wie er dazu stehe, dass in Indonesien und Malaysia große Flächen gerodet werden, um Biokraftstoffe auf der Basis von Palmöl herzustellen. Die Antwort: „Der Gesetzgeber wollte es so“, verwies er auf die Vorgabe der EU, dass den Kraftstoffen auf Erdölbasis auch Biokraftstoffe beigefügt werden müssen.

Es gibt keine "perfekte Energie"

Für Bernhard Felmberg vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit sind die Biokraftstoffe ein gutes Beispiel dafür, was passiert, wenn das Ziel einer Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes nicht global angegangen werde. Biokraftstoffe würden helfen, in Europa eine Reduzierung herbeizuführen – aber um den Preis, dass sich die Werte in Südostasien verschlechtern würden.

Auch Pouyanné warnte vor der Vorstellung, ein gebe eine „perfekte Energie“. Wind- und Solarenergie beispielsweise hätten sicherlich viele Vorteile. Sollten sie aber im globalen Maßstab die Energieprobleme lösen, so seien gewaltige Flächen erforderlich, was wiederum andere Probleme schaffen würde, etwa für die Landwirtschaft.

Schnäppchenjagd ist unethisch

Der Münsteraner Thomas Sternberg, Vorsitzender des Zentralkomitees der Katholiken in Deutschland, forderte in diesem Zusammenhang, dass man „auf die Globalisierung mit einer globalen Wirtschaftsethik“ reagieren müsse. Auch der Konsument trage dabei eine große Verantwortung: „Die Schnäppchenjagd kann nicht das Leben von Christen prägen.“

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