Der neue Film von Hella Wenders
Zusehen beim Wachsen

Münster -

Kinder aus der früheren Grundschule Berg Fidel, heute Primusschule sind die Helden des ersten Kinofilms der Regisseurin Hella Wenders, die in Münster aufgewachsen ist. Der neue Film erzählt, wie es mit ihnen weitergegangen ist.

Freitag, 15.09.2017, 09:00 Uhr aktualisiert: 15.09.2017, 11:06 Uhr
Eine der Hauptfiguren: Samira über ihren Büchern  
Eine der Hauptfiguren: Samira über ihren Büchern   Foto: Augenschein Filmproduktion

Kindern beim Wachsen zusehen ist eine faszinierende Angelegenheit. Die Filmregisseurin Hella Wenders macht es möglich, dass dies nicht nur in der üblichen jahrelangen Echtzeit möglich ist, sondern im Fall einiger junger Münsteraner in ein paar Stunden.

Vor zehn Jahren startete die aus Münster stammende Filmemacherin ihr Projekt, eine Dokumentation über Kinder der Grundschule Berg Fidel. Am heutigen Freitag ist im Schlosstheater Deutschland-Premiere für Teil zwei der Dokumentation, das Leben und Lernen von Heranwachsenden. Die Vorstellung ist ausverkauft. Ab dem 21. September läuft der Film im regulären Kinoprogramm.

Zehn Jahre lang begleitet

Fast zehn Jahre hat Wenders die Kinder in der Schule und zu Hause mit der Kamera begleitet – und schon dies allein ist faszierend. Das große Thema des Films ist die Verschiedenheit der Menschen, hier der Kinder – und wie die Schule als Institution, die alle durchlaufen müssen, damit umgeht.

So ist der Film auch ein Beitrag zum hochaktuellen und politisch umstrittenen Thema Inklusion. Teil eins „Berg Fidel – eine Schule für alle“ beschreibt den Weg einzelner Kinder in den ersten Schuljahren – in einer Schule, die gezielt Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam und altersgemischt unterrichtet. Am Ende des Films müssen sich die Kinder trennen. Die Zeit in der „Schule für alle“ ist vorbei. Das Modellprojekt Primusschule, das heute bis zur zehnten Klasse führt, kam für die Kinder des Films zu spät.

„Schule Schule – die Zeit nach Berg Fidel“

Die Fortsetzung „Schule Schule – die Zeit nach Berg Fidel“ zeigt, wie es weitergegangen ist mit David, der schon als Grundschulkind schon Musikstücke komponierte und philosophischen Fragen nachhing, seinem kleinen Bruder Jakob, der das Down-Syndrom hat, von Anita, Tochter einer geflüchteten Roma-Familie aus Serbien. Lukas, der nach der Grundschulzeit auf eine Realschule wechselte, wollte sich ebenfalls weiter von Hella Wenders begleiten lassen, seine Schule erlaubte aber nicht die Dreharbeiten vor Ort. Deshalb nimmt Teil zwei nun das Mädchen Samira in den Blick, die nun die Friedensschule besucht.

Szenen aus Schule und Alltag

Die Auseinandersetzung mit Leistungsdruck und Zensuren beschäftigt auch David, der in der privaten Montessorischule davon noch weitgehend entlastet ist. Auch Jakob geht dort zur Schule, ist mit zwölf zum ersten Mal verliebt, der Film zeigt sensibel und anrührend die nie ganz leichten Jahre der Pubertät. Anita, die nach der Grundschule, auf eine Förderschule wechselte, und im neuen Film mit ihrer Familie immer noch nicht sicher vor einer Abschiebung ist, versucht am Anne-Frank-Kolleg ihren Hauptschulabschluss nachzuholen. Sie kann sich kaum auf sich selbst zurückziehen, Zuhause warten immer kleinere Geschwister, die betreut werden müssen. Hella Wenders lässt im Wesentlichen die Jugendlichen erzählen, zeigt Szenen aus ihren Schulen und ihrem Alltag, ganz selten sind Kommentare nötig. Das ist alles andere als langweilig, zumal die Dokumentation für Münsteraner ein Stück echtes Heimatkino ist.

Der neue Film, den das ZDF mitfinanziert hat, enthält auch Rückblenden in Teil eins – und nach gut 90 Minuten Zuschauen wäre es spannend zu sehen, wie es wohl mit den Kindern weitergeht. Ob David wirklich Astronom wird, Samira Neurowissenschaftlerin, Jakob Gärtner oder Kellner und ob Anita, die am Ende als ungelernte Kraft in einem Schnellrestaurant arbeitet, nicht doch noch einen Beruf erlernen will.

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Die Premiere am Freitag ist ausverkauft. Der Film läuft ab dem 21. September täglich im Schlosstheater.

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