Aleš Šteger in der Stadtbücherei
Chronist des Alltags der Weltgeschichte

Münster -

Den slowenischen Autor Aleš Šteger trieb es in den vergangenen Jahren an zahlreiche Orte, wo sich in jüngster Zeit Geschehnisse ereignet haben, die für Schlagzeilen in der Weltpresse sorgten.

Freitag, 15.09.2017, 17:57 Uhr
Aleš Šteger berichtete in Wort und Bild von seinen Erlebnissen an Brennpunkten unserer Zeit.
Aleš Šteger berichtete in Wort und Bild von seinen Erlebnissen an Brennpunkten unserer Zeit. Foto: Ulrich Coppel

Den slowenischen Autor Aleš Šteger trieb es in den vergangenen Jahren an zahlreiche Orte, wo sich in jüngster Zeit Geschehnisse ereignet haben, die für Schlagzeilen in der Weltpresse sorgten. Haargenau skizzierte er vor Ort, stets über die gleiche Zeit von zwölf Stunden, seine Beobachtungen in Wort und Bild. Im Rahmen der Reihe „Paris Palmyra“ las Šteger am Donnerstagabend in der Stadtbücherei Kostproben aus seinem so entstandenen „Logbuch der Gegenwart“ und zeigte dazu beeindruckende „Schnappschüsse“ dieser Szenen.

Geschickt und unterhaltsam entlockte zwischendurch Hermann Wallmann (Vorsitzender des Literaturvereins) dem preisgekrönten Chronisten in Interviews zahlreiche Hintergründe und persönliche Erfahrungen. „Zu dem Zeitpunkt, als die Atomkatastrophe in Fukushima geschehen ist, war ich eigentlich nicht a priori gegen Kernkraft. Ich weiß genau, dass konventionelle Stromerzeugung mit hohen Schadstoffemissionen verbunden ist. Aber als ich dann in Fukushima war, habe ich meine Meinung geändert.“

Šteger beobachtete im heißen Spätsommer 2015 afghanische Flüchtlinge und Roma auf einem Platz in der Belgrader Innenstadt. Er erzählt, wie eine „Bordsteinschwalbe“ vor Ort lautstark Verhandlungen führt oder wie Geflüchtete an dem Brunnen auf dem Platz Wäsche waschen. Genauestens beschreibt er seine Scham für das Elend dieser Menschen und für die Verlogenheit der Politiker seiner Heimat, die ihr Mitgefühl öffentlich bekunden, aber nicht mehr als Durchreisestationen für die Geflüchteten auf ihrem Weg nach Österreich und Deutschland schafften.

Im November 2014 beobachtete Šteger Studenten in Mexiko-City, die wegen ihrer 43 damals verschleppten und ermordeten Kommilitonen auf einer großen Straße demonstrierten. Sie riskierten mit ihrem friedlichen Protest ihr Leben, meinte Šteger. „In Mexiko wird alle zwei Stunden eine Frau ermordet. Die Opfer werden aber nicht ausgeraubt oder vergewaltigt, sondern sterben auf ihrem Weg nach Norden aus purem Sadismus, wahrscheinlich mit stillem Einverständnis der Migrationsbehörde. Dabei ist Mexiko kein Bananenland, sondern hoch entwickelt.“

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