Angst vor Gewalt
Lehrer fühlen sich öfter bedroht – von Schülern und Eltern

Münster -

Lehrerinnen und Lehrer haben immer häufiger Angst, Opfer von Gewalt zu werden. Und zwar nicht nur durch Schüler, sondern auch durch Eltern. Darauf haben Vertreter der Bezirksregierung am Freitag hingewiesen.

Freitag, 15.09.2017, 20:51 Uhr aktualisiert: 15.09.2017, 21:16 Uhr
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Lehrerinnen und Lehrer haben immer häufiger Angst, Opfer von Gewalt zu werden. Foto: colourbox.de (Symbolbild)

Es ist ein gezielter Tritt in den Unterleib, durch den die Lehrerin für 14 Tage ins Krankenhaus muss. Dabei will sie eigentlich nur eine Schlägerei zweier Schüler beenden. Doch einer der Schüler wendet sich in Rage gegen sie. In anderen Fällen beißen Schüler sich im Arm ihrer Lehrer fest oder überschütten sie mit Beleidigungen.

Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) aus dem Jahre 2016 wurden 20 Prozent der Lehrkräfte bundesweit schon Opfer körperlicher Gewalt, die Hälfte aller Lehrer hat psychische Gewalt erfahren.

Ursache: Überhütung der Kinder durch Eltern

Zunehmen würden unter anderem Drohungen, Stalking und sogar körperliche Gewalt – durch Eltern. Die Ursache dafür liege in der Überhütung der Kinder durch ihre Eltern, mutmaßt Wolfgang Weber, Schulabteilungsleiter der Bezirksregierung Münster. Er weist darauf hin, dass Notwehr auch gegenüber Schülern und Eltern erlaubt ist und dass je nach Intensität der Angriffe Strafanzeigen folgen müssen.

Dabei gelte Gewalt gegenüber Lehrern noch immer als Tabuthema. Betroffene hätten Angst, dass ihre pädagogischen Fähigkeiten infrage gestellt werden, Schulen fürchten um ihren Ruf. „Die Dunkelziffer ist enorm groß“, sagt Weber. „Es gibt neben der VBE-Studie keine verlässlichen Vergleichszahlen, ob die Gewalt gegenüber Lehrern zunimmt.“

Handlungsleitfaden für Lehrkräfte

Die Bezirksregierung Münster hat eine Broschüre entwickelt, die anhand konkreter Beispiele von Gewalt einen Handlungsleitfaden für Lehrkräfte bieten soll. Die Broschüre werde an alle Schulen im Regierungsbezirk verschickt, stelle aber lediglich einen Impuls dar, damit Schulen einen Bewertungskatalog verschiedener Formen von Gewalt und Handlungsanleitungen der Situationen entwickeln sollen, sagte Weber.

Durch unser Training können sie sich mental darauf vorbereiten und Routinen entwickeln.

Dietmar Schirrmacher

Wie stark jemand unter Gewalterfahrungen leide, hänge von der Einzelperson und ihren bisherigen Erlebnissen ab, erläutert die Fachärztin für Arbeitsmedizin Dr. Kordula Piontkowski. Daher sei es wichtig, dass das Lehrerkollegium zusammenhalte und den Betroffenen Unterstützung zusichere.

Trainings- und Präventionsübungen

Daneben bietet die Polizei verschiedene Trainings- und Präventionsübungen für Schulen an. „Die Lehrkräfte müssen sich klarmachen, dass solche Situationen jederzeit vorkommen können“, erklärt Dietmar Schirrmacher vom Polizeipräsidium Recklinghausen.

„Durch unser Training können sie sich mental darauf vorbereiten und Routinen entwickeln“. Das große Inter­esse an den Trainings zeige, dass das Thema langsam unter Lehrern aus der Tabuzone herausrückt.

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