Münsters AfD hadert mit der Bundesvorsitzenden
Enttäuscht von Frauke Petry

Münster -

An Martin Schiller führt in Münsters AfD kein Weg vorbei: Über den Petry-Rückzug hat er eine klare Meinung.

Montag, 25.09.2017, 20:15 Uhr aktualisiert: 25.09.2017, 20:20 Uhr
An Martin Schiller (r.) kommt in Münsters AfD niemand vorbei.
An Martin Schiller (r.) kommt in Münsters AfD niemand vorbei. Foto: Oliver Werner

Er hat nach eigenem Bekunden viel Hoffnung in die AfD-Vorsitzende Frauke Petry gesetzt: „Sie hätte als Fraktionschefin die Parolen-Schreier im Zaum halten können“, sagt Münsters AfD-Sprecher Martin Schiller ernüchtert. Denn am Montag ist diese Vorstellung Geschichte. Schiller spricht von einer „Katastrophe“: „Das ist ja fast ein Austritt“, stellt der Parteiführer fest, an dem in Münster kein Weg vorbeigeht, wenn es um die selbst ernannte „Alternative für Deutschland“ geht.

Denn Schiller ist nicht nur der AfD-Chef vor Ort, sondern zugleich Ratsherr und gerade Bundestagskandidat der Rechtsaußen-Partei gewesen. Wohl keiner der nach AfD-Angaben 95 Parteimitglieder engagiert sich so stark öffentlich für die Rechtspopulisten in Münster wie Schiller. Nur um Haaresbreite verpasste er den Einzug in den Bundestag auf Platz 16 der Landesliste. „Genau vor mir ging die Tür zu.“

Programmatisch nutzt der AfD-Ratsherr fast jede Gelegenheit in den Sitzungen, vor Überfremdung und Flüchtlingen zu warnen, um mit den Ängsten zu spielen. Nicht so plump, sondern in Sätzen wie diesen: „Deutschland ist zu wertvoll, als dass wir es verloren geben durch die Zuwanderung.“

Nein, er sei „kein rechter Hetzer, kein Nazi“, sagt Schiller über sich selbst. National und wertkonservativ bezeichnet er sich – „mit großen Befürchtungen um unsere nationale Identität“. „Ich habe kein Problem mit dem Begriff Rechter, weil die CDU so weit nach links gerückt ist.“ Und er möchte nicht, wie er sagt, dass Björn Höcke, bekanntlich ein umstrittener wie radikaler Rechtsausleger in der AfD, so ein starkes Gewicht habe.

Ein immerhin 21-seitiges Kommunalwahlprogramm hat die Partei 2014 auch im Internet veröffentlicht. Darin finden sich einige ganz konkrete Aussagen – auch zu lokalen Problemen. Doch im Rat fällt die Partei ansonsten eher auf, wenn es darum geht, den Bau von Betreuungsplätzen für Kinder zu torpedieren. Zurück zum Petry-Kracher: „Das hat nichts mit der politischen Ausrichtung zu tun“, behauptet Schiller. Das sei eine rein persönliche Entscheidung.

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