Freiwilligenjahr im Johannes-Hospiz
„Der Tod betrifft uns doch alle“

Münster -

Seit zehn Jahren können junge Menschen im Johannes-Hospiz ihr freiwilliges soziales Jahr leisten. Wer dort seinen Dienst verrichtet hat oder gerade im Einsatz ist, der gewinnt einen reichen Erfahrungsschatz.

Samstag, 07.10.2017, 21:00 Uhr
Sterbenskranke Menschen im Johannes-Hospiz sind diesen jungen Leuten ans Herz gewachsen (v.l.): Luca Wünnemann, Alica Sommer, Jule Schmitz und Florian Hölscher.
Sterbenskranke Menschen im Johannes-Hospiz sind diesen jungen Leuten ans Herz gewachsen (v.l.): Luca Wünnemann, Alica Sommer, Jule Schmitz und Florian Hölscher. Foto: mm

Sie sind jung und sprühen nur so vor Energie und Tatendrang. Sie haben Pläne für ihren beruflichen Lebensweg. Haben Spaß am Oktoberfest, gehen in die Disco, frönen dem Karnevals-Remmidemmi oder sportlichen Aktivitäten. Sie stehen mitten im Leben und setzen sich dennoch mit Tod und Sterben auseinander. Dieses Junge-Leute-Quartett hat eine enge Beziehung zum Johannes-Hospiz. Ein Haus, das Menschen beherbergt, die an ihrer letzten Lebensstation angekommen sind. Obwohl der Tod dort Alltag ist, erdrückt er nicht, lässt nicht erstarren. Vielmehr macht er achtsam für schöne Momente. Und davon gibt es sehr viele. Besonders in der Küche des Hauses mit prächtigem Garten.

Florian Hölscher, Jule Schmitz und Alica Sommer haben ein freiwilliges soziales Jahr im Hospiz absolviert, das sie erfahrener fürs Leben gemacht hat. Luca Wünnemann ist erst seit einigen Wochen dabei. Von seinen Freunden hört er schon mal: „Das könnte ich nicht.“ Der 18-Jährige kann es aber: „Wenn man hier drin ist, traut man sich und fühlt sich im Team wohl. Der Tod betrifft uns doch alle“, sagt Luca, der nach seinem Freiwilligenjahr eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann anstrebt.

Florian Hölscher ist 25 Jahre alt, studiert im achten Semester katholische Theologie. Er wohnt im Priesterseminar und hat vor fünf Jahren sein freiwilliges soziales Jahr gemacht. Seitdem macht er Präsenzdienste und ist auch nachts unterstützend im Einsatz. Nach einem Gespräch mit Gerti Hüster, eine Ehrenamtliche der ersten Stunde, stand für ihn fest, im Hospiz am Hohenzollernring tätig zu werden.

Der Alltag spielt sich vorwiegend in der gemütlichen Küche ab. Es ist ein Ort, an dem viel gelacht und geplaudert wird, an dem Krankheit und Tod keinen Platz haben. „In der Küche bekam ich von einer Bewohnerin die Anleitung, wie man eine Haferflockensuppe kocht“, erzählt Florian Hölscher. Er kann sich hier ganz wunderbar mit seiner Persönlichkeit einbringen und versteht sich als Begleiter, als Bindeglied zwischen Bewohnern, Haupt- und Ehrenamtlichen.

Herzenswärme zeichnet die jungen Menschen aus, für die der Tod keinen Schrecken hat. Wie für Jule Schmitz (19). Es bereitete ihr Freude, an Heiligabend im Hospiz eine Weihnachtstorte zu backen. An Karfreitag Struwen servieren – auch das bekam die 19-Jährige, die in der Session 2015/16 mit Leon Stadtjugendprinzenpaar war, gebacken. Sie hat im Familienkreis erlebt, wie ihr Großvater gestorben ist, nahm Abschied und wünschte ihm eine „schöne Reise“. Als ihr freiwilliges Jahr beendet war, sei es ganz schlimm gewesen, nicht mehr im Hospiz zu sein, in dem jährlich etwa 100 Menschen sterben. „Der Tod ist eine Herausforderung, eine Situation, an der man wachsen kann. Es ist eine zwischenmenschliche Bereicherung. Man lernt viel über sich selber, über seine Schwächen, Stärken und Grenzen“, schildert Jule Schmitz, die Medizin studieren möchte, ihre Erfahrungen und ist überzeugt, dass nach dem Tod etwas ist, auf das sie sich stützen mag.

Schluss, Aus, Ende nach dem Tod? „Das Jahr hat bei mir ein Umdenken gebracht. Es kommt was danach. Und das ist gut“, sagt Alica Sommer, die eine Ausbildung zur Groß- und Einzelhandelskauffrau macht und bis zum Spätsommer im Hospiz tätig war. Die 19-Jährige setzte sich ans Bett von Sterbenskranken, wenn sie darum gebeten wurde. „Mit einem Lächeln erinnere ich mich an sie und bin dankbar, dass ich sie begleiten durfte.“

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