„Bäder Münster“ übernehmen im Januar
Der Königsweg: mehr Badegäste

Münster -

Die städtischen Bäder werden ab Januar 2018 nicht mehr vom Sportamt, sondern von einem Eigenbetrieb unter Stadtwerke-Aufsicht betrieben. Das ist im Prinzip klar – aber der Teufel steckt im Detail.

Sonntag, 08.10.2017, 08:00 Uhr
Den Schwimmern ist es vermutlich egal, wer die städtischen Bäder betreibt. Hauptsache, Angebot, Service und Öffnungszeiten stimmen.
Den Schwimmern ist es vermutlich egal, wer die städtischen Bäder betreibt. Hauptsache, Angebot, Service und Öffnungszeiten stimmen. Foto: Matthias Ahlke

Das Ziel: Die städtischen Schwimmbäder sollen preiswerter und attraktiver werden. Der Weg: die Gründung des Bäderbetriebs „Bäder Münster“ unter Aufsicht der Stadtwerke. Die Vorbereitung: kompliziert. Der Sportausschuss stimmte der Vorlage des Sportamts zwar zu – mit neun Ja-Stimmen und sieben Enthaltungen; kein berauschendes Votum –, diskutierte jedoch intensiv über Zeitplan und Strukturen. Wichtigste Frage: Was wird aus dem Plan einer Traglufthalle für das Freibad Coburg? Der Stadtsportbund hatte vor Jahresfrist einen Bürgerantrag eingereicht, die Zeit drängt. Wenn aber das Sportamt zum 1. Januar den Betrieb an „Bäder Münster“ abgibt – wer kümmert sich um Kostenschätzung und Haushaltsplan? Vorsichtshalber sollen Planungskosten in Höhe von 50 000 Euro bereitgestellt werden, beschlossen die Sportpolitiker.

Martin Schuster, Marketingchef der Stadtwerke, betont, dass „Bäder Münster“ das „Projekt Traglufthalle“ weiterverfolgen werde. Zwar wären neben den Anschaffungskosten auch der höhere Personal-Einsatz, die Wintertauglichkeit der Nebengebäude und die Energiekosten zu bedenken. Andererseits gäbe es bei einem Ganzjahresbetrieb mehr zahlende Badegäste: „Das kann kalkuliert werden.“

Überhaupt sei die Vorgabe, den städtischen Zuschuss von jährlich 6,45 Millionen Euro um eine halbe Million Euro zu senken, nur auf diesem Königsweg zu erreichen: die Bäder stärker ins Freizeit-Bewusstsein der Münsteraner zu rücken und so die Besucherzahlen zu erhöhen. Die Stadtwerke seien aufgrund ihrer Marketing-Erfahrung dafür prädestiniert. In Kürze soll das Benutzerverhalten analysiert werden, um flexiblere Öffnungszeiten einzuführen.

Schuster verteidigt das Modell der Doppelspitze für „Bäder Münster“: Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Henning Müller-Tengelmann („er kriegt kein Geld dafür“) soll als kaufmännischer Leiter das letzte Wort haben, ein noch zu benennender technischer Betriebsleiter das operative Geschäft übernehmen. Dass es sich dabei um einen erfahrenen Mitarbeiter der Stadtverwaltung handeln könnte, war schon im Sportausschuss zu hören.

Letztlich sei die Stadt auch für den neuen Eigenbetrieb „Bäder Münster“ zuständig: Die rund 60 Mitarbeiter bleiben in städtischen Diensten, der Sportausschuss übernimmt die Aufsichtsratsfunktion, der Oberbürgermeister ist oberster Dienstherr. Jochen Temme, Vorsitzender des Stadtsportbunds, äußerte sich zufrieden darüber, dass die Eigenständigkeit des Sportamts auch ohne Zuständigkeit für die Bäder nicht infrage gestellt wird: „Hochachtung vor dieser Vorlage!“

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