Di., 10.10.2017

Uni-Senat soll Leitbild verabschieden Tier-Experimente im Fokus

Ein großer Teil  der Versuchstiere an der Universität sind Mäuse. Die Hochschule will die Verantwortung der Wissenschaftler für die Tiere noch stärker betonen.

Ein großer Teil  der Versuchstiere an der Universität sind Mäuse. Die Hochschule will die Verantwortung der Wissenschaftler für die Tiere noch stärker betonen. Foto: dpa

Münster - 

Der Uni-Senat soll am Mittwoch ein Leitbild zum Umgang mit Tierversuchen verabschieden. Die Universität betont darin die besondere ethische Verantwortung.

Von Karin Völker

Die Entdeckung eines illegalen Tierlabors im Keller der Universitäts-Hautklinik im Juni dieses Jahres hat die münsterische Hochschule aufgeschreckt. In seiner Sitzung am Mittwoch soll der Senat der Uni ein Leitbild zum Umgang mit Tieren in der wissenschaftlichen Forschung und Lehre der WWU verabschieden. In einer hochschulinternen Veranstaltung am 18. Juli war bereits darüber diskutiert worden, das Rektorat der Uni hat die Leitlinien bereits gutgeheißen.

Ermittlungen gegen Hautklinik laufen

Nachdem der nicht genehmigte Versuch mit 77 Mäusen in der Hautklinik auf einen anonymen Hinweis hin entdeckt worden war, hatte die Stadt Münster Strafanzeige erstattet. „Die Ermittlungen dazu sind noch nicht abgeschlossen“, erklärte am Dienstag dazu Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt. Sechs der Mäuse waren bei der Entdeckung des illegalen Labors in so schlechtem Zustand, dass sie eingeschläfert werden mussten.

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Die Universität richtet als Reaktion auf den Fall eine Untersuchungskommission ein. Auch hier wurde noch kein Ergebnis bekannt. Schon vor der Entdeckung des ungenehmigten Tierversuchs hatte die Universität im Jahr 2016 jenseits der bestehenden gesetzlichen Vorschriften eigene Leitlinien für das Thema Tierexperimente in der Wissenschaft ausgearbeitet, nun soll das zwischenzeitlich weiterentwickelte Papier im Senat verabschiedet werden.

Der Inhalt der Leitlinien 

Die Leitlinien unterstreichen die besondere ethisch-moralische Verantwortung der forschenden Wissenschaftler. So müsse immer intensiv die Verhältnismäßigkeit von zu erwartenden Leiden der Versuchstiere zu dem möglichen Erkenntnisgewinn erwogen werden.

Festgeschrieben werden soll, dass die Verantwortung für das Wohl der Versuchstiere nicht delegiert werden kann – sondern von den Wissenschaftlern persönlich zu tragen ist. Ferner soll festgeschrieben werden, dass die Zahl der für Experimente eingesetzten Tiere auf ein Minimum begrenzt werden, um das individuelle Leid von Tieren zu reduzieren. Versuche, die schwere Leiden, starke Schmerzen oder Ängste bei den Tieren hervorrufen könnten, sollen unzulässig sein. Versuchstiere sollen außerdem nach ihren Bedürfnissen gehalten werden, und die Verantwortung für die Tiere nicht mit dem Versuch enden. Die Forschung müsse sich dahin orientieren, ohne Versuche mit empfindungsfähigen Tieren auszukommen.

Tierversuche gehören dazu

Tierversuche spielen vor allem in der medizinischen Fakultät der Uni eine Rolle. Der Leiter der tierexperimentellen Einrichtung des Universitätsklinikums, Prof. Dr. Stefan Schlatt, hatte im Sommer in einem Interview mit unserer Zeitung von rund 300 laufenden Projekten mit Zehntausenden Tieren, sehr häufig Mäusen gesprochen.



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