Projekt „FrühLInk“
Versorgungslücke schließen

Münster -

Demenz im mittleren Lebensalter – ein Thema, das bei Betroffenen häufig mit Scham behaftet ist und das Alltagsleben durcheinanderwirbelt. Das Projekt „FrühLInk“, das für frühe Lebensphase und Inklusion steht, möchte die Öffentlichkeit auf dieses Thema aufmerksam machen und Hilfen aufzeigen.

Mittwoch, 18.10.2017, 20:00 Uhr
Das Projekt „FrühLInk“ war landesweit erfolgreich. Am Mittwoch wurde es näher erläutert (v.l.): Projektleiterin Dr. H. Elisabeth Philipp-Metzen, Ulrich Adler, Regina Schmidt-Zadel, Andreas Burkert und Dr. Tilman Fey.
Das Projekt „FrühLInk“ war landesweit erfolgreich. Am Mittwoch wurde es näher erläutert (v.l.): Projektleiterin Dr. H. Elisabeth Philipp-Metzen, Ulrich Adler, Regina Schmidt-Zadel, Andreas Burkert und Dr. Tilman Fey. Foto: mm

Job, Familie, Freizeit – das volle Programm des Lebens kann plötzlich aus den Fugen geraten. Was bislang zum normalen Alltag gehörte, wird einfach vergessen, zeitweise hapert es mit der Orientierung. Angehörige stecken hilflos mittendrin in der ungewohnten Situation. Sie merken, wie sich der Partner verändert, sich mehr und mehr zurückzieht oder offensiver und gar aggressiver auftritt. Diagnose Demenz? Doch nicht ab 45 Jahren!

Dass dies durchaus der Fall sein kann, hat jetzt ein Projekt unter Federführung von Dr. H. Elisabeth Philipp-Metzen von der Alzheimer-Gesellschaft Münster ans Tageslicht befördert. Experten gehen davon aus, dass in der Altersgruppe der 45- bis 69-Jährigen allein in Nordrhein-Westfalen rund 18 000 Menschen von Demenz im frühen Alter betroffen sind. „Ein Nischenthema, das wissenschaftlich wenig Auseinandersetzung erfährt“, sagte Dr. Tilman Fey, Chefarzt Gerontopsychiatrie der LWL-Klinik Münster, die das Konzept begleitet. Sehr früh könne das Krankheitsbild erkannt werden. Die Demenz sei allerdings anders als im hohen Alter zu sehen, doch vom ersten Symptom bis zum Arztbesuch dauere es länger, bis zur Feststellung vergehen rund 3,9 Jahre, informierte Fey.

Am Mittwoch wurde zum Abschluss des Projektes, das vor vier Jahren in Münster an den Start ging, eine positive Bilanz gezogen. Nach zwei Jahren hat der Landesverband der Alzheimer-Gesellschaften NRW das Projekt mit dem Namen „FrühLInk“ weitergeführt. „Frühl“ steht nach Auskunft der Projektleiterin für frühe Lebensphase, „Ink“ für Inklusion. Bei Gesprächen mit jünger Erkrankten ist Dr. Elisabeth Philipp-Metzen aufgefallen, dass es in Münster keine Versorgungsangebote gibt. Es wurden Förderer gesucht und mit der Techniker Krankenkasse (TK) schnell gefunden, die 180 000 Euro beisteuerte. Inklusive Workshops mit 418 Teilnehmern wurden in NRW durchgeführt und Erhebungen vorher und nachher durchgeführt. Es wurden dabei Kompetenzen vermittelt und auch die rechtlich-finanzielle Situation erörtert, wenn ein Anfang 50-er wegen Demenz aus der Bahn geworfen wird, aus Scham kündigt und seinen Arbeitnehmerschutz verliert. Angehörige, Betroffene, Ehrenamtliche und Multiplikatoren machten bei den Workshops gemeinsame Sache – mit hervorragender Resonanz.

Das stigmatisierte Thema hat auch die Politik hellhörig gemacht. Andreas Burkert, stellvertretender Leiter der Abteilung Pflege, Alter, demografische Entwicklung im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW, unterstrich die Wichtigkeit eines Kompetenznetzwerkes, das Transparenz schaffen soll. Für Ulrich Adler von der TK-Landesvertretung sind Selbsthilfegruppen unumgänglich. „Die Kunst wird es sein, diese lokal auf die Beine zu stellen.“ Regina Schmidt-Zadel, Vorsitzende NRW-Landesverband Alzheimer-Gesellschaften, lobte die tolle Projektarbeit mit Blick auf die Sicherstellung weiterführender Betreuung.

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