Im Picasso-Museum tummeln sich Gäste aus dem Naturkundemuseum
Picassos Tierleben

Münster -

Schon von weitem sieht man die Kuh: ein wunderbares schwarzbuntes Exemplar, das man in einem Kunstmuseum normalerweise nicht erwartet. Das präparierte Tier im Picasso-Museum ist – natürlich! – eine Leihgabe, die das Naturkundemuseum des Landschaftsverbandes zur Verfügung gestellt hat. Kuh und Ziege, Kauz und Affe tummeln sich im oberen Stockwerk, um die kleine Schau „Picassos Natur“ zu beleben, mit der das Haus in bekannter Manier seine große Wechselausstellung ergänzt – sie ist den Impressionisten in der Normandie gewidmet.

Mittwoch, 18.10.2017, 20:36 Uhr
Die Ziege Esmeralda gehörte zu den Tieren, die Picasso in seiner Umgebung liebte. Ihr wird im Kunstmuseum Pablo Picasso mit Werken aus der Sammlung, aber auch mit einem schönen Exponat aus dem Naturkundemuseum gehuldigt.
Die Ziege Esmeralda gehörte zu den Tieren, die Picasso in seiner Umgebung liebte. Ihr wird im Kunstmuseum Pablo Picasso mit Werken aus der Sammlung, aber auch mit einem schönen Exponat aus dem Naturkundemuseum gehuldigt. Foto: Jürgen Peperhowe

„Daran wollten wir nicht direkt anknüpfen“, erklärt Kurator Alexander Gaude, „sondern die Malerei vor der Natur zum Anlass nehmen, den Naturbegriff Picassos zu thematisieren.“ Denn auch, wenn der große Spanier die Tiere in seinen Lithografien oder Linolschnitten abstrahiert zeigt, bleibt die Darstellung figürlich. Was sich etwa an den verschiedenen Varianten in seiner Stier-Serie zeigt, bei denen die Abbildung des Tiers auch mal wie auf einer Metzgertafel anmutet oder auf einem anderen Blatt wie Höhlenmalerei. So radikal wie ein Theo van Doesburg, der eine Kuh demonstrativ zur völligen Abstraktion treibt, ist Pablo Picasso nicht. Wie zur Illustration dieser These steht die stolze Museums-Kuh vor Picassos Stier-Bildern.

Zu den niedlichsten Leihgaben der Schau zählen zweifellos Waldohreulen und Steinkauz. Sie kehren als Bildmotive aus der Sammlung in jenen Werken wieder, die Picasso als Bewohner des Chateau Grimaldi in Antibes schuf: Eine dort lebende Eule hatte er als Haustier bekommen. Zugleich sind Eule und Käuzchen natürlich auch mythologische Botschafter in Picassos Werk, sei es als Symbol der Göttin Pallas Athene, sei es als Künder des Todes.

Picassos Leben mit Tieren ist geradezu Legende geworden in Gestalt der Ziege Esmeralda, der er mehr Freiheiten zugestanden haben soll als der eigenen Familie. Dass auch Tauben – als Präparate und als Bilder – in der Schau auftauchen, kann ohnehin niemanden verwundern, der je Picassos Friedenstaube gesehen hat Und ein Affe hängt im Museum herum, weil Picasso dessen Artgenossen in Zirkusbildern verewigte.

Natürlich geht die Schau in ihrem inhaltlichen Anspruch über das Erlebnis tierischer Putzigkeit hinaus, beschäftigt sich etwa durch Huldigungen Dürers und Hogarths mit dem Bild des Menschen in der Kunst. Gerade das macht sie so reizvoll: Die Exponate der beiden Museen ergänzen einander und lassen den Besucher scheinbar Vertrautes neu betrachten. Sogar eine Kuh.

Zum Thema

Die Ausstellung „Picassos Natur“ ist mit der Schau „Die Impressionisten in der Normandie“ bis zum 21. Januar täglich von 10 bis 18 Uhr (freitags bis 20 Uhr) im Kunstmuseum Pablo Picasso zu sehen.

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