Münsters Abgeordnete berichten
Veränderte Verhältnisse im neuen Bundestag

Münster -

Am Dienstag fand die konstituierende Sitzung des Deutschen Bundestages statt. Münsters Abgeordnete berichten, was sie im Laufe des Tages erlebt haben.

Dienstag, 24.10.2017, 21:00 Uhr
Ein Foto  schossen die münsterischen Abgeordneten Sybille Benning (CDU) und Maria Klein-Schmeink (Grüne) am Rande der Sitzung.
Ein Foto  schossen die münsterischen Abgeordneten Sybille Benning (CDU) und Maria Klein-Schmeink (Grüne) am Rande der Sitzung.

So viel Zeit muss sein: Am Rande der konstituierenden Sitzung des neuen Bundestages posierten die beiden münsterischen Abgeordneten Sybille Benning (CDU) und Maria Klein-Schmeink (Grüne) am Dienstag für ein gemeinsames Foto im Plenarsaal. Der dritte Münsteraner im Bundestag, Hubertus Zdebel (Linke), musste derweil Stimmen auszählen: Er hatte Urnendienst.

Sybille Benning – CDU

Für Benning, die seit 2013 dem Bundestag angehört, begann der Tag der ersten Sitzung des neuen Parlaments mit dem Besuch eines ökumenischen Gottesdienstes in der Französischen Friedrichstadtkirche, an dem auch Bundespräsident und Kanzlerin teilnahmen. „Ein würdiger Auftakt“, so Benning. Nach einer CDU-Fraktionssitzung nahm sie im Plenarsaal Platz. „Die CDU ist in die Mitte gerückt, man spürt physisch, wie sich die Verhältnisse geändert haben.“ Dennoch sei es „ein schönes Gefühl“ gewesen, bei der Auftaktsitzung dabei zu sein. Dass der neue Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble in seiner Antrittsrede ausdrücklich auf den „Westfälischen Frieden“ verwies, „das hat mich als Abgeordnete aus Münster mit Stolz erfüllt“.

„Befremdlich“ sei es hingegen gewesen, wo die AfD klatscht – und wo nicht, sagt Benning. Auch Klein-Schmeink, die für die Grünen seit 2009 im Bundestag sitzt, fand am Dienstag etwas „befremdlich“: „Als Redner für ihre Forderung nach Respekt viel Beifall bekamen, sah ich bei der AfD nur ernste Mienen.“

Erwartungen der Münsteraner an eine mögliche Jamaika-Koalition

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  • Dicke Bretter werden, da sind sich alle einig, ab heute zu bohren sein, wenn die Sondierungsgespräche für eine mögliche Jamaika-Koalition beginnen. Unser Redakteur Björn Meyer hat sich in Münster umgehört, was sich Politiker, aber vor allem die Bürger von einer schwarz-gelb-grünen Regierung erwarten würden.

    Foto: dpa
  • »Ich würde mir mehr bezahlbaren Wohnraum und Maßnahmen für die sozialen Bereiche wünschen, mit der FDP aber wohl schwierig.« – Rita Kemper (71)

    Foto: Björn Meyer
  • »Mehr Anerkennung für den Gesundheitssektor. Das Verhältnis zwischen Aufwand der Ausbildung und den Perspektiven stimmt nicht.« – Vera Schlüter (Logopädin)

    Foto: Björn Meyer
  • »Mit zwei Kindern ist Bildung für uns ein großes Thema. Es macht keinen Sinn, dass jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kocht.« – Martin (41) und Ulrike Senß (40)

    Foto: Björn Meyer
  • »Ich erwarte mir, dass die Parteien der AfD keine Chance geben. Von der zuletzt formulierten Obergrenze war ich enttäuscht.« – Sam Tu (23)

    Foto: Björn Meyer
  • »Ich würde mir deutlich mehr Dialog mit Russland wünschen, denn die Russen sind uns viel näher als es die Amerikaner sind.« – Manfred Viehweg (68)

    Foto: Björn Meyer
  • »Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen, damit die Menschen bewusster fahren. Bei unseren Nachbarn geht das ja auch.« – Anne Deway (22)

    Foto: Björn Meyer
  • »Ich erwarte mehr soziale Gerechtigkeit. Dazu gehört aber auch, dass nicht alles gerettet werden muss, was nicht zukunftsträchtig ist.« – Sabine Schubert (49)

    Foto: Björn Meyer
  • »Die Digitalisierung der Verwaltung wäre aus meiner Sicht wichtig. So wie es derzeit läuft, geht das einfach alles viel zu langsam.« – Alexander Heil (25)

    Foto: Björn Meyer
  • »Die Vielfalt durch eine mögliche Jamaika-Koalition wäre gut. Ich erwarte durch die unterschiedlichen Ansätze der Parteien Vorteile.« – Franz Strickmann (78)

    Foto: Björn Meyer
  • »Ich wünsche mir ein Mehr für den Mittelstand und ein Mehr für den Einzelnen. Das Geld muss dafür besser verteilt werden.« – Alexander Gieseler (40)

    Foto: Björn Meyer

Maria Klein-Schmeink – Grüne

Mit der Tram fuhr Klein-Schmeink am Morgen zum Bundestag, ging dann noch ein paar Meter zu Fuß, bevor um 10 Uhr die Fraktionssitzung der Grünen begann. Als sie sich später im Plenarsaal umschaute, stellte sie fest, dass deutlich weniger Frauen vertreten sind als bisher: „Nur 30 Prozent, das ist betrüblich.“ Anders in der Grünen-Fraktion: Dort seien 39 Frauen unter den 67 Abgeordneten.

Während die CDU im Plenarsaal in die Mitte gerückt ist, sitzen die Grünen etwas weiter links, da vor allem die SPD etliche Sitze verloren hat. 18 Abgeordnete sind neu in der Grünen-Fraktion, „für die war das heute noch viel aufregender als für uns“, sagt Klein-Schmeink. Zu den laufenden Jamaika-Koalitionsverhandlungen äußert sie sich übrigens zurückhaltend: Es sei derzeit „völlig offen“, ob es CDU/CDU, FDP und Grünen gelingen werde, eine gemeinsame Regierung zu bilden.

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Hubertus Zdebel – Die Linke

Urnendienst hatte am Dienstag der münsterische Linken-Abgeordnete Hubertus Zdebel (seit 2013 im Bundestag).

„Ich war Schriftführer an Urne 1, die direkt vor dem Präsidium stand“, berichtet Zdebel. Dort war er für den ordnungsgemäßen Ablauf der Abstimmungen mitverantwortlich – und zählte zudem Stimmen aus. Als der neue Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble eine Wahl abschließen wollte, wies ihn Zdebel darauf hin, dass einige noch nicht ihre Stimme abgegeben haben. „Natürlich habe ich ihm auch herzlich zu seiner Wahl gratuliert.“

Mit Blick auf die AfD habe er aber auch ein „mulmiges Gefühl“ gehabt, sagt Zdebel. „Das Klima hat sich geändert, das hat man bereits am Dienstag gemerkt.“ Aus Protest trug er einen kleinen Button mit der Aufschrift „Nein zu rechter Hetze, Rassismus ist keine Alternative“.

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