Keine Königslösung für die Kronprinzenstraße
Radfahrer auf dem Gehweg

Münster -

Immer wieder kommt es auf dem Bürgersteig der Kronprinzenstraße zu brenzligen Situationen. Dass liegt daran, dass die Radfahrer aufgrund des schlechten Kopfsteinpflasters auf den Bürgersteig ausweichen. Die Stadt kennt das Problem, wird aber wohl nicht reagieren.

Donnerstag, 26.10.2017, 09:00 Uhr aktualisiert: 26.10.2017, 09:04 Uhr
Eine von vielen: Auch diese Radfahrerin hat sich für den Gehweg statt der Fahrbahn entschieden.
Eine von vielen: Auch diese Radfahrerin hat sich für den Gehweg statt der Fahrbahn entschieden. Foto: Björn Meyer

Ein dunkelblauer BMW fährt an diesem Nachmittag langsam durch die Kronprinzenstraße, auf dem unebenen Kopfsteinpflaster ist er nicht zu überhören. Sekunden später fährt ein Radfahrer in die gleiche Richtung. Dieses Mal ist nichts zu hören. Kein klappernder Gepäckträger, keine lose Klingel. Woran das liegt? Der Radfahrer hat die Fahrbahn längst zu Beginn der Kronprinzenstraße im Geistviertel verlassen und ist auf den Gehweg ausgewichen. Er gehört damit zu einer Mehrheit, die das Pflaster meidet.

Kopfsteinpflaster in Münster

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  • Das Kopfsteinpflaster in Münsters Altstadt ist an vielen Stellen nicht mehr im allerbesten Zustand. So wie hier am Alten Steinweg...

    Foto: Oliver Werner
  • ...am Spiekerhof und....

    Foto: Oliver Werner
  • ...auf dem Prinzipalmarkt.

    Foto: Oliver Werner
  • Gerade für Radfahrer kann Kopfsteinpflaster ein unangenehmer Untergrund sein, das...

    Foto: Werner
  • ...Fahrvergnügen der Radler leidet darunter.

    Foto: Oliver Werner

Anwohner haben teilweise Verständnis 

Das bestätigt auch Nina Hamacher, die seit 2003 in Münster wohnt. Sie habe schon an unterschiedlichen Stellen in der Stadt gelebt: „So wie hier war es aber noch nirgendwo“, sagt die junge Frau mit einem sanften Lächeln. Andere, auch das bestätigt Hamacher, sähen das deutlich weniger entspannt.

Man bekomme schon mit, dass sich der eine oder andere bei den Radfahrern beschwere, sagt sie. Doch Hamacher zeigt, obwohl es hier regelmäßig zu kritischen Situationen kommt, Verständnis für den Durchgangsverkehr vor ihrer Haustür: „Das Kopfsteinpflaster ist extrem schlecht“, urteilt sie. Zudem würden die Zweiräder, führen sie doch mal auf der Straße, mehr Lärm verursachen als die Autos. Irgendein Teil sei halt immer lose.

Unmut über mangelnde Rücksichtnahme

Wenige Meter weiter auf der gegenüberliegenden Straßenseite wohnen Daniela Thoenes und Mathias Fleischmann. „Ich bin gerade in Elternzeit. Seitdem ich hier mit dem Kinderwagen unterwegs bin, fällt mir das Verhalten der Radfahrer ex­trem auf“, sagt Thoenes. Auch seine Frau berichtet, dass viele der Radfahrer mit hohem Tempo über den Radweg fahren. Dennoch stellt sie klar: „Das Kopfsteinpflaster soll bleiben, es verleiht der Straße ihr besonderes Flair.“

Kontrollen wiederum fänden zwar statt, allerdings meist nicht in den Morgenstunden, wenn das Problem am größten sei. 15 Euro, so lässt die Polizei wissen, kostet das Vergehen.

Kommentar: Kontrolle gut, Ideen besser

Die Lage an der Kronprinzenstraße ist ein für die Anwohner ärgerlicher Missstand. Zusätzliche Kontrollen würden einerseits vielleicht helfen, wären aber andererseits in Anbetracht der Qualität des Straßenbelags ein gefundenes Fressen für diejenigen, die hinter Verkehrskontrollen stets Wegelagerei vermuten. Fest steht indes: Die derzeitige Situation ist der fahrradfreundlichen Stadt Münster, die doch Vorbild für so viele sein will, unwürdig. Björn Meyer

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Die Stadt bleibt passiv

Bei der Stadt weiß man um das Problem, doch ändern wird sich wohl erstmal nichts daran. „Das Natursteinpflaster auf der Kronprinzenstraße ist von Grund auf unruhig“, sagt Christian Sahorn vom städtischen Tiefbauamt. Hinzu komme, dass der Zustand eben nicht optimal sei. Mit baulichen Maßnahmen sei dennoch frühestens in ein paar Jahren zu rechnen, so Sahorn. Der Grund sind fehlende Finanzmittel. Den Charakter der Straße, also das Pflaster, gelte es dann zu erhalten.

Bei der Bürgerbefragung zum Südpark war vor Kurzem, wie berichtet, die Idee aufgekommen, den Fußgängerweg links neben dem Abi-Südpark für Fahrräder freizugeben. Der allerdings, auch das gehört zur Situation vor Ort, führt direkt an einem hoch frequentierten Spielplatz vorbei.

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