Abbiegeunfälle
So wollen Unfallforscher Radfahrer vor Lastwagen-Unfällen schützen

Münster -

Besonders tragisch verlaufen auch in Münster häufig Unfälle zwischen Radlern und abbiegenden Lastwagen. Die Unfallforscher fordern deshalb, alle Lastwagen mit einem so genannten Abbiegeassistenten und einer Notbremsfunktion auszurüsten.

Donnerstag, 26.10.2017, 20:00 Uhr
Abbiegeunfälle: So wollen Unfallforscher Radfahrer vor Lastwagen-Unfällen schützen
Live-Crashtest auf dem Wolbecker Forschungsgelände: Der Radfahrer ist parallel zum Lastwagen unterwegs und will weiter geradeaus fahren. Dabei wird er vom Fahrer des abbiegenden Sattelzuges übersehen. Der Zusammenprall mit dem Lkw hätte im Ernstfall wohl tödliche Folgen für den Radler gehabt. Foto: Helmutz Etzkorn

Es sind wenige Sekunden, die über Leben und Tod entscheiden. Der schwere Lastwagen biegt am Donnerstagmittag auf der Crashtest-Versuchsstrecke in Wolbeck mit langsamer Geschwindigkeit rechts ab. Neben der Zugmaschine des Sattelaufliegers fährt ein Radler, er will weiter geradeaus. Der Lkw-Fahrer kann den Radler im „toten Winkel“ trotz zahlreicher Spiegel an Bord nicht erkennen.

Sekundenbruchteile nach der ersten Berührung stürzt der Radfahrer zu Boden und wird von dem Lastwagen erfasst. Zwischen Vorderachse und Radkasten wird er eingeklemmt. „Im Ernstfall hätte der Radfahrer das wohl nicht überlebt“, sagt der renommierte Unfallforscher Siegfried Brockmann nach dem Test mit einem so genannten „Dummy“.

Mehr Sicherheit durch Abbiegeassistenten

Die Unfallforscher der Versicherer haben sich in den vergangenen Monaten mit besonders schwer und tragisch verlaufenen Unfällen zwischen Lastwagen und Radfahrern, die sich meist innerorts an Kreuzungen ereignet haben, beschäftigt. „Trotz Ampel und Radfahrerfurt passiert das immer wieder“, so Brockmann.

60 Prozent aller schweren Unfälle dieser Art könnten nach Überzeugung der Unfallforscher verhindert werden, wenn die Lastwagen einen so genannten Abbiegeassistenten an Bord gehabt hätten. Das kleine elektronische Gerät warnt mit einem unüberhörbaren Piepton, wenn sich ein Radler neben dem Fahrzeug beim Abbiegen befindet und kostet weniger als 1000 Euro. Weil es aber noch nicht gesetzlich für Neufahrzeuge vorgeschrieben ist, verzichten viele Spediteure aus Kostengründen auf das Nachrüsten. Brockmann: „Noch sinnvoller ist es, den Assistenten mit einer Notbremsfunktion zu koppeln.“

Einsatz moderner Technik

Weil ungefähr die Hälfte aller schweren Lastwagenunfälle mit Bau- und Entsorgungsfahrzeugen passiert, müssten nach Meinung der Unfallforscher auch diese Autos mit dem Assistenten ausgestattet werden. Als Übergangslösung könnte sich Brockmann eine Kamera-Monitor-Lösung im Cockpit des Lasters vorstellen, die dem Fahrer zumindest ein noch besseres Sichtfeld zur Seite bietet.

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Nach Überzeugung der Unfallforscher könnte durch den Einsatz moderner Technik jährlich mindestens 30 Radfahrern in Deutschland das Leben gerettet werden. Die Versicherer fordern auch, Lenk- und Ruhezeiten bei Lkw-Fahrern künftig besser zu kontrolliert.

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