Bahnreisende harren in Münster aus
Kurzfristig Endstation

Münster -

Sturmtief Herwart ist weitgehend an Münster vorbeigezogen. dennoch waren die Folgen des Sturms zu spüren – am Hauptbahnhof.

Sonntag, 29.10.2017, 16:50 Uhr aktualisiert: 29.10.2017, 17:43 Uhr
Wer von Münster per Zug Richtung Norden wollte, hatte gestern Nachmittag schlechte Karten.
Wer von Münster per Zug Richtung Norden wollte, hatte gestern Nachmittag schlechte Karten. Foto: Björn Meyer

Immer wieder geht der Blick von Jochen Schmidt hoch Richtung der großen Anzeigetafel im Hauptbahnhof. Doch die ersehnte Nachricht von einem Zug in seine Richtung bleibt vorerst aus. Der 34-Jährige ist damit am Sonntagnachmittag einer von vielen, die in Münster zwischenzeitlich stranden, weil der Bahnverkehr im Norden weitgehend ausgesetzt ist.

Ich lasse mir die Laune nicht verderben.

Jochen Schmidt

„Ich will nach Lübeck“, sagt Schmidt. Dort besucht der angehende Hörakustiker die Berufsschule. Doch so lange nicht klar sei, ob er dort wirklich ankomme, wolle er nicht weiterfahren. „Ich will mir nicht noch irgendwo eine Unterkunft suchen müssen, so dicke habe ich es als Auszubildender nicht“, sagt Schmidt. Zur Not fahre er lieber wieder von Münster nach Lingen zurück, mit seinem Chef und der Schule habe er schon Kontakt aufgenommen. Trotz der Unannehmlichkeiten, Schmidt betont mit einem Lächeln: „Ich lasse mir die Laune nicht verderben, das kann halt passieren.“

Relativ entspannt reagieren auch viele der Reisenden, die es sich parallel in einem von der Bahn eingerichteten „Hotelzug“, bequem gemacht haben. Der dient dazu, zumindest eine warme und bequeme Sitzgelegenheit während der Wartezeit zu haben. Auch Luisa Schlauderer, Alexandra Gergele, Natalie Bauer und Natascha Stanojevic sitzen gegen 14.30 Uhr in dem Zug. „Eigentlich wollten wir längst in Hamburg sein“, sagt die 19-jährige Stanojevic. Sie hat die anderen drei 17- und 18-Jährigen Azubis während der Reise kennengelernt. Not schweißt eben zusammen. Denn statt Durchfahrt mit dem ICE, standen plötzliche unfreiwillige Besucher der Bahnhöfe in Hamm, Duisburg und Münster an.

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Wie es jetzt weiter geht? „Wissen wir nicht“, sagt Alexandra Gergele, doch nur Sekunden später tritt ein Bahnmitarbeiter an die jungen Frauen heran. Er teilt mit, dass man mit einer Regionalbahn nach Osnabrück komme. Von dort gehe es weiter nach Bremen – eventuell jedenfalls. Dort müssten die Vier dann weitersehen. Viel übrig bleibt dem Quartett nicht.

Schnell packen die Frauen ihre Sachen zusammen und wechseln das Gleis. „Wir hoffen, dass wir von Bremen notfalls auf Kosten der Bahn ein Taxi nehmen können“, sagt Gergele, bevor es los geht – zum nächsten Bahnhof.

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