Gabriele Voetz ist Lesepatin
Unendlich viele Geschichten

Münster -

Am Freitag ist bundesweiter Vorlesetag. Für Gabriele Voetz hat das nur eine geringe Bedeutung, denn die Pensionärin liest auch so regelmäßig vor. Sie ist Lesepatin an der Overbergschule und vermittelt Lesepaten im ganzen Stadtgebiet.

Freitag, 17.11.2017, 08:00 Uhr
Ein Klassiker: Das kleine Gespenst kennt fast jeder. „Aber wir lesen hier nicht nur alten Kram“, sagt Gabriele Voetz augenzwinkernd.
Ein Klassiker: Das kleine Gespenst kennt fast jeder. „Aber wir lesen hier nicht nur alten Kram“, sagt Gabriele Voetz augenzwinkernd. Foto: Björn Meyer

Jahrzehntelang hat sich Gabriele Voetz mit Naturwissenschaften beschäftigt. An der Realschule in Ennigerloh unterrichtete sie Biologie und Chemie. Heute, im Alter von über 70 Jahren, bringt sie Kindern noch immer etwas bei, allerdings keine Formeln, Stoffe oder Prozesse. Heute zeigt sie Kindern eine neue Welt, oder besser gesagt ganz viele neue Welten, denn Gabriele Voetz betätigt sich als Lesepatin.

„Ich bin damals durch die Stiftung ,Bürger für Münster’ dazu gekommen“, sagt die gesprächige Dame, selbst Mutter von zwei Söhnen. Dabei hatte sie sich nach ihrem Ruhestand zunächst bei einem Mentorenprogramm für Jugendliche betätigt. „Doch die Mädels, die ich da betreut habe, die waren so tough, die brauchten mich gar nicht“, erinnert sich Voetz.

Ansprechpartnerin für Lesepaten

Kurzentschlossen suchte sie sich eine andere Möglichkeit der ehrenamtlichen Beschäftigung. „Ich bin einfach zur Overbergschule gegangen und habe den ersten Mann gefragt, der mir über den Weg gelaufen ist, wie ich denn Lesepatin werden könnte“, sagt Voetz mit einem Schmunzeln. Ihr erstes Glück war, dass erwähnter Mann Schulleiter Georg Sistemich war. Ihr zweites Glück, dass Sistemich sie mit offenen Armen empfing. Wenngleich er heute auch sagt, dass es durchaus organisatorische Startschwierigkeiten mit dem Projekt gegeben habe.

Mittlerweile läuft alles – über Gabriele Voetz. „Sie ist Gold wert“, sagt Sistemich über die Frau, die auch bei der Stiftung ,Bürger für Münster’ mittlerweile Ansprechpartnerin für die Lesepaten ist. An 13 Schulen im Stadtgebiet werden diese derzeit eingesetzt. Wichtig dabei: Die Lesepaten lesen nicht vor ganzen Klassenverbänden, sondern meistens nur für ein oder zwei Kinder. „Das ist auch ein Zeichen von Wertschätzung. Die Kinder merken: Ich bin es wert, dass man für mich liest.“

Vorlesen als eine Kommunikationssituation

Vorlesen, dass sei trotz aller digitalen Fortschritte, längst nicht aus der Mode gekommen: „Das sehe ich auch an meinem Sohn, der lebt in England und lässt sich immer deutsche Kinderbücher von mir schicken – für meine Enkel“, freut sich Gabriele Voetz.

Wer Interesse daran hat, auch als Lesepate zu fungieren, der kann sich unter ✆ 9 87 64 83 bei der Stiftung Bürger für Münster melden.

Richtig vorlesen

Nicht nur Lesepaten, auch Millionen Eltern lesen täglich vor. Aber wie macht man es richtig? „Gestik und Mimik können der Veranschaulichung der Geschichte dienen“, schreibt das Netzwerk Vorlesen. Im Mittelpunkt solle aber stets die Geschichte stehen. Zudem gelte es auf Pausen, Sprechtempo und Blickkontakt zu achten. Und noch einen dritten Tipp hat das Netzwerk: „Betrachten Sie das Vorlesen als eine Kommunikationssituation, als einen Dialog zwischen Ihnen und den Kindern. Kinder möchten gerne ihre Fragen und Gedanken einbringen. Haben Sie Geduld und betrachten Sie Zwischenfragen oder Kommentare nicht als Störung, sondern als Anregung.“

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