Auktionsrekord für Gemälde von da Vinci
Münster leidet unter Leonardo

Münster -

400 Millionen Euro für ein Bild! Die Direktoren von Picasso- und Landesmuseum sind nicht begeistert vom neuen Auktions-Rekord. Weil Gemälde immer teurer werden, müssen ihre Häuser immer höhere Versicherungsprämien bei Sonderausstellungen bezahlen, klagen sie.

Freitag, 17.11.2017, 13:00 Uhr aktualisiert: 17.11.2017, 14:08 Uhr
450 Millionen Dollar erbrachte Leonardo da Vincis „Salvator Mundi“ bei einer Auktion.
450 Millionen Dollar erbrachte Leonardo da Vincis „Salvator Mundi“ bei einer Auktion. Foto: dpa

Leonardo da Vincis Gemälde „Salvator Mundi“ ist seit Donnerstag das teuerste Bild aller Zeiten. Für 450 Millionen Dollar (fast 400 Millionen Euro) ist es in New York an einen unbekannten Bieter versteigert worden. „Ein absoluter Quantensprung“, sagt Dr. Hermann Arnhold, Direktor des LWL-Landesmuseum. Kaum überrascht ist Markus Müller, Direktor des Picasso-Museums: „Ich habe mit einem solchen Preis gerechnet.“

Mit dem neuen Rekord geht der seit Jahren andauernde Boom auf dem Kunstmarkt weiter. Werke von Pablo Picasso, Francis Bacon oder Jean-Michael Basquiat erzielen immer neue Höchstpreise – sehr zum Leidwesen der Ausstellungsmacher rund um den Globus. „Teure Kunstwerke kann man nicht mehr in Sonderausstellungen zeigen“, klagt Arnhold. Denn je wertvoller ein Gemälde ist, umso höher fällt die Versicherungsprämie aus.

Picasso-Museum ächzt unter Versicherungsprämien

Die Werke von Henry Moore, die das Landesmuseum kürzlich präsentierte, hatten laut Arnhold einen Versicherungswert von 600 Millionen Euro, als Versicherungsprämie musste das Museum daraufhin 600.000 Euro überweisen. „Der Gesamtetat für eine solche Ausstellung liegt bei gerade mal 1,8 Millionen Euro.“

Auch das Picasso-Museum ächzt immer mehr unter den Versicherungsprämien. „Der Versicherungswert unserer Giacometti-Ausstellung lag bei einer halben Milliarde Euro“, berichtet Markus Müller. Dafür habe sein Haus eine sechsstellige Versicherungsprämie bezahlen müssen. „Über die materielle Schiene erlangt die Kunstwelt immer mehr Bedeutung“, sagt Müller. „Doch sie schießt sich dabei zugleich ins Knie. Mittlerweile ist es für Museen kaum noch möglich, Meisterwerke für Sonderausstellungen auszuleihen.“

Kein Ende des Booms

Die eigene Sammlung des Picasso-Museums ist in ihrer Geschlossenheit wertvoll – ein herausragendes, womöglich viele Millionen Euro teures Meisterwerk hat das Haus jedoch nicht. Anders sieht es im Landesmuseum aus, ihm gehören wertvolle Werke von August Macke, Pierre Soulages, Max Ernst und Ai Weiwei, zudem hängen hier Leihgaben von Andy Warhol und Gerhard Richter. „In unserem Bestand befinden sich 300 000 Kunstwerke, der Versicherungswert liegt im Milliardenbereich“, sagt Hermann Arnhold. Wobei schwer zu sagen sei, welches der Kunstwerke das teuerste ist. Das Museum müsste das auf dem Markt, also bei einer Auktion, testen – doch das wird es natürlich nicht tun.

Sowohl Arnhold als auch Müller rechnen nicht damit, dass der Boom so schnell zu Ende gehen wird – ganz im Gegenteil. Vor ein paar Jahren war Arnhold einem Kunsthändler begegnet, der für einen Milliardär aus Texas auf Bilderjagd war. „Er hatte 250 Millionen Euro zur Verfügung – pro Jahr“, sagt Arnhold. „Auf der Welt gibt es immer mehr Milliardäre, die Preise werden weiter steigen“, ist er überzeugt. Auf 600, vielleicht sogar 700 Millionen Euro pro Bild? „Wieso nicht? Wir werden sehen.“

Museumsmacher wie Müller und Arnhold sind zum Zuschauen verdammt. Die Häuser, die sie vertreten, können kaum noch bei den großen Auktionen mithalten. Dafür müssen ihre Museen die Folgen des scheinbar endlosen Booms ausbaden. 


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