Plädoyers im Verfahren um versuchten Totschlag
Ehefrau im Streit fast erstochen

Münster -

Für sieben Jahre soll der albanische Familienvater ins Gefängnis, der Anfang Mai in Roxel mit einem langen Küchenmesser seine Ehefrau fast erstochen hätte. Das forderte die Staatsanwaltschaft am Freitag in ihrem Plädoyer am Landgericht.

Freitag, 17.11.2017, 18:30 Uhr aktualisiert: 17.11.2017, 19:31 Uhr
 Am Freitag, dem dritten Verhandlungstag, wurden die Schlussanträge gestellt.
 Am Freitag, dem dritten Verhandlungstag, wurden die Schlussanträge gestellt. Foto: Klaus Möllers

Der 43-Jährige befindet sich seit seiner Festnahme kurz nach der Tat in Haft. Bis zur Rechtskraft eines Urteils solle er dort bleiben, um einer Flucht vorzubeugen, hieß es von Seiten der Anklage. Die Ehefrau ist als Opfer Nebenklägerin im Verfahren – ihre Anwältin sprach sich am Freitag für acht Jahre Gefängnis für den Mann aus.

Der Lkw-Fahrer hatte sich am Tattag früh morgens, als die Familie das Frühstück vorbereitete, einmal mehr mit seiner Frau gestritten und in der Küche mit einem Messer drei Mal auf sie eingestochen – in den Hinterkopf, in die Brust und in eine Wange, in der das Messer dann stecken blieb.

Die Staatsanwaltschaft nannte Details, durch die das Drama, das sich in der Wohnung an der Bredeheide abspielte, anschaulich wurde. Demnach zog sich die Frau das Messer selbst aus der Wange und brach bald darauf zusammen. Der Sohn (13) und die Tochter (18) des Paares bekamen die Auseinandersetzung teilweise mit.

Als „Zufall“ bezeichnete ein Rechtsmediziner den Umstand, dass die Ehefrau keine tödlichen Verletzungen erlitten habe. Der 43-Jährige hatte beim Prozessauftakt gesagt, dass er gewusst habe, dass seine Frau hätte sterben können, er sie aber „nicht töten wollte“.

Schon in Albanien habe ihr Mann sie häufig geschlagen, hatte die Frau als Zeugin ausgesagt. In den Wochen vor der Tat sei es „wieder schlimmer“ geworden. Dies auch, weil er unter der Situation einer möglichen Abschiebung der Familie und unter Geldsorgen gelitten habe. Die Familie ist in Deutschland bloß geduldet.

Einer der beiden Anwälte des 43-Jährigen erklärte in seinem Plädoyer, dass es für den Angeklagte „Usus sei, dass in Albanien der Mann das Sagen hat“. In Deutschland habe er sich „zurückgenommen, weil das hier nicht so ablaufe“. Der Verteidiger plädierte für eine Haftstrafe „die fünf Jahre nicht übersteigt“. Sein Mandant habe den Messerangriff nach den ersten Stichen beendet. Die Staatsanwaltschaft hingegen geht davon aus, dass die Frau und der Sohn ihn von weiteren Attacken abhielten.

Das Urteil wird am 1. Dezember verkündet.

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