Engagierte Debatte
Piene-Kunstwerk: Skandal oder nur eine Petitesse?

Münster -

Die Wellen schlugen zuletzt hoch. Geht es um einen Skandal oder nur um eine Petitesse? Oder ist eine vernünftige Diskussion um Kunst und die Form der Selbstdarstellung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe durch das LWL-Logo angeraten? 

Freitag, 17.11.2017, 20:31 Uhr aktualisiert: 17.11.2017, 20:48 Uhr
Rund 200 interessierte Kulturfreunde verfolgten im Landesmuseum die Debatte um das Logo im Kunstwerk „Silberne Frequenz“ von Otto Piene.
Rund 200 interessierte Kulturfreunde verfolgten im Landesmuseum die Debatte um das Logo im Kunstwerk „Silberne Frequenz“ von Otto Piene. Foto: Oliver Werner

Trotz der Emotionen lief die Debatte über das Kunstwerk „Silberne Frequenz“ von Otto Piene (1928-2014) am Freitagabend doch ruhig ab. Sie hatte allerdings anderthalb Stunden lang Schlagseite.

Denn bis dahin legten Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Parzinger, Landesdirektor Matthias Löb und weitere Befürworter des Status quo geballt alle Argumente auf den Tisch, die für eine Bewahrung des Kunstwerkes im jetzigen Zustand stehen. Erst dann kamen mit Prof. Erich Franz, dem früheren stellvertretenden Direktor des Landesmuseums, und Prof. Gerd Blum von der Kunstakademie Münster die ersten Kritiker zu Wort.

Freilich: Die „No-Logo-Fraktion“, die – mit deutlicher Befeuerung durch Prof. Kasper König – im Internet gegen das Logo im Kunstwerk aufbegehrt, nutzte die Chance nicht, sich auf dem Podium zu beteiligen. Man hatte dem LWL zuvor mangelnde Kooperation und Offenheit bei der Vorbereitung der Veranstaltung vorgeworfen. Also demonstrierte nur eine Handvoll Logo-Gegner mit Galerist Thomas Goeken am Fürstenberghaus.

Juristisch eindeutig

Barbara Rüschoff-Parzinger deklinierte in einer ersten halben Stunde per Power­point-Präsentation das Prozedere mit Piene durch. Da gab es zwischen 2008 und 2014 keinen Zweifel daran, dass der Künstler mit der Planung seiner neuen Silbernen Frequenz unter Einbeziehung des Logos einverstanden war und das alles „prima“ fand. Der Kunstrechtler Prof. Peter Raue bilanzierte: „Juristisch ist der Fall von langweiliger Eindeutigkeit.“ Man dürfe also das Kunstwerk nicht verändern.

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Was die Politiker, wie Dieter Gebhard als Vorsitzender der Landschaftsversammlung betonte, auch gar nicht wollen, weil sie die jetzige Lösung begleiteten und absegneten. Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold wittert in der Debatte „Stellvertreter-Konflikte“. Sein früherer Vertreter Erich Franz jedoch empfindet das Logo als „Störung“ des Licht-Kunstwerks. Prof. Blum sprach bei aller Wertschätzung des LWL in seiner kulturpolitischen Arbeit von einem „notgedrungenen Kompromiss“ mit dem Künstler Piene. Er kenne in seinem künstlerischen Umfeld niemanden, der dieses Werk mit dem Logo „ästhetisch überzeugend findet“.

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