„LWL“-Logo im Piene-Kunstwerk
Zwischen Kunstwerk und Behörden-Logo: Kontroverse Diskussion im Landesmuseum

Münster -

Vier Stunden Debatte um ein LWL-Logo und ein Kunstwerk. Alle Zwistigkeiten konnten allerdings nicht ausgeräumt werden. Landesdirektor Löb zeigte sich am Ende sichtlich ermüdet.

Sonntag, 19.11.2017, 15:23 Uhr aktualisiert: 19.11.2017, 16:20 Uhr
Zankapfel: Das LWL-Logo  im Piene-Kunstwerk.
Zankapfel: Das LWL-Logo  im Piene-Kunstwerk. Foto: Oliver Werner

Drängen der „No!Logo“-Initiative haltlos

„In der Sache ist alles gesagt“, schloss Landesdirektor Matthias Löb am Freitagabend eine knapp vierstündige Podiumsdiskussion im Landesmuseum, bei der die Kontroverse um das in Otto Pienes „Silberner Frequenz“ untergebrachte LWL-Logo alles dominierte. Unter dem Titel „Wann ist es zu viel? Kunst im öffentlichen Raum“, hatten Vertreter des Landschaftsverbands die Gelegenheit ergriffen, den Schriftverkehr mit dem Künstler offenzulegen, um den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Zweifellos hatte der 2014 verstorbene Lichtkünstler sich bereit erklärt, das Logo bei seiner Installation an der Museumsfassade zu integrieren. Schon urheberrechtlich sei so das Drängen der „No!Logo“-Initiative auf Entfernung des Schriftkürzels nicht haltbar, verdeutlichte der Berliner Jurist Prof. Peter Raue trocken.

Emotionale Diskussion

Derweil blieb die Diskussion durchaus emotional. Die Künstlerin Silke Rehberg sah ein „Menetekel“, indem eine „Verwaltungsstruktur sich über ein Kunstwerk hängt“. Dr. Söke Dinkla vom Duisburger Lehmbruck-Museum und der Bielefelder Kulturdezernent Dr. Udo Witthaus betonten dagegen Otto Pienes „offenen Werkbegriff“, der ja auch die Programmierung der Kugeln durch andere zulasse. Ein Gast im Publikum sah im Werk die „Fortsetzung einer Schlacht, als das Museum neu gebaut wurde“ und bewertete das Logo als „erratischen Block“.

Kunst verweist auf ganz bestimmte Orte

Auch die fundamentale Frage, warum der Landschaftsverband überhaupt die Logo-Platzierung für notwendig erachtete, kam auf. Der Architekt Stefan Rethfeld erinnerte daran, dass Kunstwerke so stark und dezidiert auf ganz bestimmte Orte verweisen können, dass diese anderer, expliziter Markierungen gar nicht mehr bedürfen. Beispiel: die „Giant Pool Balls“, mittlerweile münstersche Wahrzeichen.

Kunst am Bau ist immer ein Kompromiss.

Prof. Peter Raue

Über Otto Pienes Handlungsmöglichkeiten wurde immer wieder spekuliert, so dass LWL-Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Parzinger schließlich mahnte, „ein wenig sensibler und respektvoller mit dem Künstler umzugehen“. Sie verwehrte sich vehement gegen das Bild, der Landschaftsverband habe den Künstler unter Druck gesetzt. „Ich nehme mit, dass es uns nicht gelungen ist, das auszuräumen.“

Prof. Peter Raue, der den wesentlichen Unterschied der Piene-Arbeit zu freier Kunst in der Diskussion deutlich zu kurz gekommen sah, betonte: „Kunst am Bau ist immer ein Kompromiss!“

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