Rückkehr nach Münster
Ehepaar Wiechers kehrt nach drei Jahrzehnten in die alte Heimat zurück

Münster -

Maria und Rüdiger Wiechers sind nach mehr als 30 Jahren im Rhein-Main-Gebiet wieder in die Heimat zurückkehrt. Das Ehepaar ist überzeugt: Manchmal sehen die Münsteraner die Schönheiten ihrer Stadt nicht mehr.

Donnerstag, 23.11.2017, 11:00 Uhr
Maria und Rüdiger Wiechers sind begeisterte Münsteraner, haben aber noch einen Koffer in Bad Vilbel stehen. Die Neuzugezogenen lieben den Prinzipalmarkt und das Zusammenspiel von alter und moderner Architektur.
Maria und Rüdiger Wiechers sind begeisterte Münsteraner, haben aber noch einen Koffer in Bad Vilbel stehen. Die Neuzugezogenen lieben den Prinzipalmarkt und das Zusammenspiel von alter und moderner Architektur. Foto: Oliver Werner

In Bad Vilbel haben Maria und Rüdiger Wiechers viele Spuren hinterlassen. Es sind feine Zeichen in der Stadtentwicklung von Bad Vilbel und markante Skulpturen in Bronze gegossen. Den Schritt zurück in die alte Heimat haben sie nach 33 Jahren wohl überlegt und mit Bedacht gewählt, sagt das Ehepaar. Es stellt fest: „Manchmal wissen die Münsteraner wohl gar nicht, wie schön ihre Stadt ist.“

Manchmal wissen die Münsteraner wohl gar nicht, wie schön ihre Stadt ist.

Maria und Rüdiger Wiechers

„Die Hessen sind offen, freundlich und aufgeschlossen“, sagt das Ehepaar. Trotzdem zog es die Wiechers wieder nach Münster. „Für uns ist der Umzug ein Gewinn“, sagt Maria Wiechers. Liebe gute Freunde lebten im Frankfurter Raum und in Münster, hinzu kämen in der Heimat enge familiäre Bindungen. Und weil es in Hessen so schön wie in Münster sei, hat das Ehepaar Wiechers auch noch einen Koffer in Bad Vilbel stehen.

Die Stadt mit anderen Augen sehen

Dorthin zog es das Ehepaar nach dem beruflichen Wechsel ins Rhein-Main-Gebiet. Wer 33 Jahre nicht in Münster gelebt hat, sagt Rüdiger Wiechers, der sieht die Stadt mit anderen Augen. Momentan eroberten sie sich die alte Heimat Stück für Stück zurück. „Viele sehen nicht mehr die Schönheiten dieser Stadt“, betont der 74-Jährige. Seine Frau stimmt ihm zu.

Lieblingsort: Aasee

Ihr Lieblingsort ist der Aasee, verrät sie. Die 71-Jährige hadert nur etwas mit den Fahrradfahrern, die sie in Münster als „sehr selbstbewusst“ beschreibt. „Da muss man sehen, dass man klar kommt.“ In Frankfurt und Bad Vilbel sei das Fahrrad kein großes Thema, in Münster können auch die Wiechers nicht mehr ohne Leeze. „Obschon man hier höllisch aufpassen muss“, so Maria Wiechers.

Trend zum Zweitrad

Der Trend beim Münsteraner geht bekanntlich zum Zweitrad, diesem Trend haben sich die Zugezogenen schon unterworfen. Sie satteln für die Stadt ihre Hollandräder und nutzen für eine Landpartie ihre E-Bikes. Das offensive Fahrverhalten mancher Radfahrer sei jedoch erst einmal gewöhnungsbedürftig, meinen die Neuankömmlinge.

Mobilitäts-Mix beeindruckt

Darüber hinaus sind sie aber voll des Lobes für den Busverkehr, haben ihren Faible vor allem für Nachtbusse entdeckt. „Das gibt es im Rhein-Main-Gebiet nicht“, staunt Rüdiger Wiechers. Ihn beeindruckt ohnehin der Mobilitäts-Mix aus Fahrrad, Bus und Auto. Der 74-Jährige, der Ehrenstadtrat von Bad Vilbel ist und sich dort für Wirtschaft und Stadtentwicklung eingesetzt hat, schaut bei allem Lob für die Heimat auch kritisch auf Münster.

Mehr Wohnraum "für alle Schichten"

Er denkt dabei an die Wohnungssuche, die er als ungemein schwer beschreibt. „Dabei haben Münster und das Umland beneidenswerte Wohnlagen.“ Aufgrund der Wachstumsperspektiven werde mehr Wohnraum benötigt. „Für alle Schichten“, fordert der 74-Jährige. „Hier muss etwas geschehen.“ Rüdiger Wiechers, der „unter Lamberti“ geboren wurde und dessen Elternhaus am Alten Fischmarkt steht, denkt dabei an Möglichkeiten des Wohnens beispielsweise am Kanal. „Wohnen am Fluss“ sei in Frankfurt initiiert worden, Vergleichbares wäre auch in Münster am Kanal möglich, meint er. Nur Münster müsse endlich handeln und nicht nur über Dinge reden, meint der Banker aus Hessen.

Die Stadt Münster muss sich weiter entwickeln und darf sich nicht ausruhen.

Rüdiger Wiechers

Manchmal bekomme er auch das Gefühl, dass Münster zu erfolgsverwöhnt sei und den Blick auf die Zukunft verlieren würde. „Die Stadt Münster muss sich weiter entwickeln und darf sich nicht ausruhen“, appelliert der Kommunalpolitiker aus dem Hessischen, der mit seiner Frau die westfälischen Wurzeln wieder ausgräbt. Münster habe den Vorteil, dass die Stadtväter nach dem Krieg alles richtig gemacht und die Stadt wieder aufgebaut hätten. Wiechers loben die Verknüpfung von alter und moderner Architektur. „Darin sollte man nicht nachlassen.“

Kunst fehlt

Das Ehepaar weiß den Bummel unter den Bögen zu schätzen und schreibt der Kaufmannschaft ins Buch, dass die Individualität der Geschäfte nicht verloren gehen dürfe: „Das macht die Stadt aus. Die Menschen wollen nicht alle im Internet einkaufen“, behauptet der 74-Jährige, aber dafür müsste Münster an seiner Aufenthaltsqualität feilen. Maria Wiechers vermisst innerstädtische Sitzbänke. Die Stadt und vor allem auch der Bahnhofsbereich könnten ihrer Meinung nach noch Kunst vertragen. sagt die Bildhauerin mit ihrem geschulten Blick. Maria Wiechers schuf viele Skulpturen für den öffentlichen Raum im Rhein-Main-Gebiet, darunter einen Bücherturm für eine Mediathekbrücke.

Voller Tatendrang

Die Neubürger sind voller Tatendrang. Beide gründeten vor zehn Jahren die gemeinnützige Stiftung „Städte für Menschen“. Maria und Rüdiger Wiechers möchten ihre Idee, die Stadt für Menschen noch lebenswerter zu machen, auch in Münster einbringen. Sie legen ihr Augenmerk auf soziale, kulturelle und städtebaulichen Projekte. „Da gibt es bestimmt auch in Münster genug zu tun“, sagt das Ehepaar. 

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