#MeToo-Kampagne
Uma Thurman befeuert Sexismus-Debatte

Münster -

Einen Tag vor dem Internationalen Tag der Gewalt gegen Frauen (25. November) hat US-Schaupspielerin Uma Thurman die #MeToo-Kampagne neu befeuert. In einem Post auf Instagram rechnete sie mit Film-Produzent Harvey Weinstein ab. Der Frauennotruf in Münster stellt unterdessen ein Erstarken von Mythen rund um das Thema sexualisierte Gewalt fest.

Samstag, 25.11.2017, 09:30 Uhr aktualisiert: 25.11.2017, 12:12 Uhr
#MeToo-Kampagne: Uma Thurman befeuert Sexismus-Debatte
Schauspielerin Uma Thurman wünschte bei Instagram allen ein frohes Thanksgiving - außer einem: Hollywood-Filmproduzenten Harvey Weinstein. Foto: dpa

So wie viele Prominente hat „Pulp Fiction“-Star Uma Thurman am Freitag ihren Fans einen schönen Feiertag gewünscht. In den USA ist Thanksgiving das wichtigste Familienfest des Jahres. „Frohes Thanksgiving“, schrieb die 47-Jährige auf dem Mikro-Blogging-Dienst Instagram - um dann eine wütende Nachricht an Harvey Weinstein hinterherzuschieben. „Außer für dich, Harvey, und all deine gemeinen Mitverschwörer. Ich bin froh, dass es langsam vorangeht - du bist keine Gewehrkugel wert." Weinstein wird von inzwischen mehr als hundert Frauen beschuldigt, sie belästigt oder vergewaltigt zu haben.

#MeToo hat gerade erst begonnen

Der Skandal wühlt nicht nur die Unterhaltungsbranche in den USA auf. Unter dem Hashtag #MeToo berichten seit Oktober Millionen Frauen weltweit von sexueller Belästigung in den sozialen Medien. Die Chefin der UN-Gleichstellungsorganisation UN Women Phumzile Mlambo-Ngcuka geht davon aus, dass noch viel mehr Frauen mit ihren Vorwürfen an die Öffentlichkeit gehen werden.

Auch von Uma Thurman ist noch mehr zu erwarten. Mit "stay tuned" ("Bleibt dran") schloss sie ihren Post ab. Sie sei noch zu aufgebracht, um sich korrekt und fair zu äußern.

Viele schweigen weiter

Gerlinde Gröger vom Frauennotruf Münster kann die Zurückhaltung sehr gut nachvollziehen: "Tatsächlich schweigen viele über Jahre." Die Netzkampagne #MeToo sei zwar für einige ein geeignetes Sprachrohr, andere würden aber weiterhin nicht über ihre Erfahrungen mit sexueller Gewalt sprechen wollen, prognostiziert sie.

Denn sexuelle Gewalt ist "eine beschämende Form von Gewalt", so Gröger. Zudem werde den Opfern häufig nicht geglaubt und eine Mitschuld unterstellt. Während früher der Mythos herrschte, das Opfer hätte aufgrund seines vermeintlich aufreizenden Kleidungsstiles zum Fehlverhalten des Täters eingeladen, werde heute oft behauptet, die Frau würde sich am Mann nur rächen wollen. "Im Moment wird verstärkt die Falschanschuldigung ins Feld geführt", sagt Gröger. Die Angst vor Anschuldigungen habe zugenommen.

Dabei ist es für Männer wahrscheinlicher, selbst Opfer sexualisierter Gewalt zu werden, als Opfer einer Falschbeschuldigung, wie Journalistin Teresa Bücker kürzlich in der Maischberger-Sendung "Sexuelle Nötigungen, Lügen, Vorurteile - Stehen Männer jetzt unter Generalverdacht?" erklärte. Solche Mythen gilt es zu entlarven, so Gröger. Erst dann werde eine sachliche Debatte möglich.

Erst nach über zwanzig Minuten schafft es Teresa Bücker, das Thema in diese Richtung zu lenken und betont, etliche internationale Studien würden zeigen, dass das Risiko für einen Mann im Laufe seines Lebens Opfer einer Falschbeschuldigung zu werden, extrem gering sei. Anschließend führt sie die Diskussion zur tatsächlich stattfindenden sexuellen Gewalt zurück. Zum einen würden 80 bis 85 Prozent der Vergewaltigungen nie zur Anzeige kommen, weil die Frauen Angst hätten, dass ihnen nicht geglaubt werde, so Bücker. Zum anderen sei es für Männer tatsächlich wahrscheinlicher, selbst Opfer sexualisierter Gewalt zu werden, als Opfer einer Falschbeschuldigung.

Nora Burgard-Arp

Was man selbst tun kann

Zudem könne sich jeder im Alltag gegen Gewalt gegen Frauen einsetzen. "Da, wo ich Gewalt wahrnehme, muss ich aufstehen, Solidarität zeigen und klar Position beziehen", sagt Gerlinde Gröger. Das bedeute im Berufsalltag zum Beispiel, bei sexistischen Witzen nicht zu lachen und darauf hinzuweisen, dass eine Grenze überschritten wird. Zu den Betroffenen zu stehen, ihnen Glauben zu schenken und die Tat nicht zu bagatellisieren oder zu entschuldigen.

Ausführliche Verhaltensregeln helfen

Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung empfiehlt weiterhin verbindliche Betriebsvereinbarungen, die ausführliche Verhaltensregeln und ein transparentes Beschwerdeverfahren beschreiben, als wichtiges Instrument gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. "Die sollte man für alle sichtbar machen und am besten schon in Bewerbungsgesprächen bei Neueinstellungen ansprechen", ergänzt Gröger.

Ziel dessen sei nicht, das Miteinander einzuschränken, "sondern Belästigung zu unterlassen", ganz schlicht und einfach. Und das gehe ausschließlich, "wenn die Männer sich ändern".

Aktion in Münster

Am Montag (27. November) setzt der Frauennotruf Münster ein Zeichen gegen Gewalt gegen Frauen vor dem historischen Rathaus auf dem Prinzipalmarkt. Ab 17 Uhr werden dort so viele Teelichter angezündet, wie Frauen sich Hilfe suchend an die Beratungsstelle in Jahr 2016 gewandt haben.

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