Interview: Wohnsituation von Studierenden
„Kopf braucht Dach“

Münster -

Münsters Wohnungsmarkt ist stark nachgefragt, vor allem Studenten bekommen das zu spüren. Das Studierendenwerk plant deshalb neue Wohnheime – und wirbt für mehr finanzielle Mittel vom Staat.

Samstag, 25.11.2017, 14:00 Uhr aktualisiert: 25.11.2017, 15:07 Uhr
Frank Olivier fordert mehr Zuschüsse für die soziale Infrastruktur.
Frank Olivier fordert mehr Zuschüsse für die soziale Infrastruktur. Foto: Oliver Werner

Wohnraum ist in Münster ein knappes Gut. Das bekommen vor allem die Studierenden zu spüren. Das Studierendenwerk beteiligt sich deshalb an der bundesweiten Kampagne „Kopf braucht Dach“ des Deutschen Studentenwerks. Frank Olivier, Geschäftsführer des Studierendenwerks Münster, sprach mit unserem Redaktionsmitglied Anna Spliethoff über die Bedeutung der Aktion.

Was genau steckt hinter der Kampagne?

Frank Olivier: Die wurde vom Dachverband der Studierendenwerke erarbeitet. Gemeinsam wollen wir auf Bundes-, Landes und Kommunalebene verstärkt Werbung für mehr Mittel zur Sanierung und zum Neubau von studentischen Wohnheimen machen.

Wieso ist die Kampagne zu diesem Zeitpunkt wichtig?

Olivier: Weil wir immer mehr Studierende haben. Hier in Münster liegen wir zurzeit bei fast 59 000 Studierenden. Die Zahl der Wohnungen, die wir als Studierendenwerk zur Verfügung stellen, ist nicht ausreichend, um da eine Versorgung sicherzustellen.

Wieso gibt es so wenig staatlich geförderte Wohnheimplätze?

Olivier: In erster Linie liegt es an den Mitteln, die da zur Verfügung gestellt werden – oder besser gesagt, nicht zur Verfügung gestellt werden. In der Vergangenheit gab es natürlich Mittel, aber die sind in erster Linie in Sanierungen geflossen. Da gab es auch Notwendigkeiten, wir hatten in Münster sehr viele Wohnungen, die aus den 1970er Jahren stammten. Aktuell sanieren wir die Wohnanlage am Heekweg und planen im nächsten Jahr die Sanierung am Gescherweg.

Es fehlen also einfach die Mittel?

Olivier: Genau. Und es fehlen auch die günstigen Grundstücke. Ein Engpass ist in erster Linie immer das Grundstück. Wir können mit den aktuellen Marktpreisen nicht mithalten. Wenn wir die zahlen würden, wären die Mieten der Studierenden so hoch, dass sie nicht mehr attraktiv wären.

Wie wichtig ist es für den Hochschulstandort Münster, dass es günstige Wohnheimplätze gibt?

Olivier: Münster ist eine ganz bekannte Hochschulstadt. Es ist extrem wichtig, dass die Zuschüsse von Bund und Land nicht nur in Forschung und Lehre fließen, sondern verstärkt auch in die soziale Infrastruktur. Dadurch könnte in Münster mehr Wohnraum für Studierende zur Verfügung gestellt werden. Wir fordern schon lange einen sogenannten Hochschulsozialpakt.

Woran merken Sie, dass die Infrastruktur wichtig ist?

Olivier: Die Konkurrenz wird immer größer. Es gibt im Ruhrgebiet Standorte, wie zum Beispiel Duisburg/Essen, wo man noch leicht günstigeren Wohnraum bekommen kann. Wir haben aktuell eine Warteliste von 2000 Studierenden. Unsere Notunterkünfte sind noch besetzt. Vor allem die International-Studierenden haben große Schwierigkeiten.

2000 Studierende auf der Warteliste – ist das in jedem Semester so?

Olivier: Es ist in diesem Jahr mehr. Wir merken, dass wir auf die 59 000 Studierenden zugehen, und wir merken, dass der Wohnungsmarkt in Münster zu ist. Das ist nicht nur das Problem der Studierenden, Wohnraum ist in Münster überall knapp.

Die Stadt ist selbst immer auf der Suche nach Grundstücken für Wohnraum. Wird das studentische Wohnen genug berücksichtigt?

Olivier: Wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Stadt. Es gibt einen Arbeitskreis, koordiniert von der Stadt, auch die WWU und die FH sind beteiligt. Da diskutieren wir die Problematik. Wir versuchen, das gemeinsam zu lösen. Man muss sagen, dass seitens der Stadt alles versucht wird. Unsere Bitte ist immer, wenn Bauland generiert wird, Möglichkeiten für studentisches Wohnen zu schaffen. Wir würden gern an der Oxford- oder der York-Kaserne partizipieren. Wir können mit den normalen Preisen nicht mithalten. Deshalb wünschen wir uns auch von der Kommune einen sozialverträglichen Preis.

Die Versorgungsquote mit Wohnheimplätzen ist relativ niedrig. Reicht die Kampagne für eine Kehrtwende?

Olivier: Das ist ein Anfang, ein Baustein. Wir sind in Nordrhein-Westfalen mit 5600 Wohnheimplätzen absolut an der Spitze. Wir haben jetzt eine Quote von 9,3 Prozent, die lag auch mal höher. Aber zum einen ist die Gesamtheit der Studierenden größer geworden und zum anderen sind die Wohnungen gemäß der Standards im studentischen Wohnen etwas größer geworden.

Wie geht es weiter?

Olivier: Wir wollen mit der Kampagne das Thema bekannter machen. Ich stelle mir vor, dass wir die Kampagne auch im politischen Umfeld vorstellen. Da wollen wir Werbung machen, damit wir günstige Grundstücke bekommen. Wir selber planen aktuell Bauvorhaben, um die Wohnungsnot zu lindern.

Wie sehen die aus?

Olivier: Neben den Sanierungen planen wir an der Busso-Peus-Straße ein Neubauprojekt. Dort haben wir neben der bestehenden Wohnanlage noch eine Grundstücksfläche frei. 120 Wohnheimplätze sollen entstehen, um die Situation ein bisschen zu verbessern. Und wir planen ein Vorhaben mit 240 Plätzen, allerdings sind wir da noch in den Grundstücksverhandlungen. Der dritte Baustein ist eine mögliche Verdichtung bestehender Wohnanlagen. Ob sich dies realisieren lässt, wird noch intern geprüft.

Die Sozialbeiträge werden steigen. Wie viel der Mehreinnahmen soll in den Wohnungsbau fließen?

Olivier: Von den knapp 14 Euro werden drei Viertel in den Neubau fließen. Das hatten wir sehr konstruktiv mit den Studierenden besprochen. Die Studierenden haben uns da solidarisch unterstützt. Das war ein hervorragendes Signal.

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