Mendelssohns „Lobgesang“ in der Erlöserkirche
Hybrid aus Sinfonie und Oratorium

Münster -

„Alles, was Odem hat, lobe den Herrn“. Was Felix Mendelssohn als eine seiner schönsten Eingebungen in Noten fasste, tönt zunächst im Blech, geistert anmutig durch die Streicher, bis endlich – in den Chor-Passagen seiner zweiten Symphonie („Lobgesang“) – der „Odem“ der großen Sängerschaft mobilisiert wird. Und der eher kleine Heinrich-Schütz-Chor begeisterte damit am Sonntag in „seiner“ Erlöserkirche das Publikum. Denn deren Akustik ist dafür maßgeschneidert.

Montag, 27.11.2017, 17:33 Uhr aktualisiert: 03.12.2017, 16:30 Uhr
Dirigent  Ludwig Wegesin mit den Solisten der Aufführung in der Erlöserkirche: Götz Phillip Körner, Stephanie Lesch und Anne Klare (v. l.)
Dirigent  Ludwig Wegesin mit den Solisten der Aufführung in der Erlöserkirche: Götz Phillip Körner, Stephanie Lesch und Anne Klare (v. l.) Foto: zin

Damit der Odem inspiriert von der hölzernen Decke widerhallen konnte, bedurfte es guter Mitstreiter, und Dirigent Ludwig Wegesin hatte solche aufgeboten. Allen voran das Kurion-Orchester, das nicht nur seinem guten Ruf in kammerorchestralen Angelegenheiten gerecht wurde, sondern an diesem Abend eine schlicht begeisternde romantische Klangfülle einbrachte. Ob Horn oder Posaune, ob Holzbläser oder die sehr süffige Cellogruppe – das in „Barockstärke“ besetzte Ensemble zeigte Lust am Schwelgen. Und die übertrug sich auf das Publikum.

Und auf den Chor nicht minder. Solange es nicht im Fortissimo zu hoch hinauf ging, war ein geschlossener Klang zu genießen, der Mendelssohns Melodien schön gestaltete. Fehlte einmal das Orchesterfundament (beim Choral „Nun danket alle Gott“), lief es ein wenig aus dem Ruder. Macht nichts – so rhythmisch beweglich und doch präzise, wie Ludwig Wegesin das alles zusammenhielt.

Noch immer wird der „Lobgesang“ nicht so häufig angestimmt, wie er es verdient hätte. Offiziell komponiert zu Ehren Gutenbergs, ist es doch die Ehre Gottes, die Mendelssohn besingen wollte.

Und dabei die Chor- und Orchesterteile umgekehrt proportional zu Beethovens Neunter anlegte: Eine große Chorsymphonie mit orches-tralem Vorspiel. Ein Hybrid aus Sinfonie und Oratorium.

Für die Solistinnen Anne Klare (Sopran) und Stephanie Lesch (Mezzosopran) hält das Werk ein inniges Duett bereit, das sehr einnehmend gesungen wurde. „Ich harrete des Herrn, und er neigte sich zu mir“. Für den Tenor schrieb Mendelssohn jene Passagen, die sich in düster-dramatischen Wolken dem Zweifel hingeben: „Stricke des Todes hatten uns umfangen“. Goetz Phillip Körner setzte das toll um, ohne in Opernpathos zu verfallen.

Das letzte Wort aber gebührte dem Heinrich-Schütz-Chor: „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!“

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