Zweites Erbdrostenhof-Konzert in Münster
Mit Sahnehäubchen

Münster -

Auch das darf einmal sein: ein Konzert mit Musik ohne große Kompliziertheit. Mit Stücken, die gefällig ins Ohr gehen und Wärme verbreiten. So geschehen am Montag im Erbdrostenhof.

Dienstag, 28.11.2017, 17:33 Uhr aktualisiert: 03.12.2017, 16:30 Uhr
Die vier Akteure: Carsten Bender, Annette Wehnert, Lisa Schäfer und Gregor Hollmann (v. l.).
Die vier Akteure: Carsten Bender, Annette Wehnert, Lisa Schäfer und Gregor Hollmann (v. l.). Foto: cws

Denn ebenso elegant und unbekümmert wie Muzio Clementis Duett für zwei Cembali zog dort das vierhändige Pendant aus der Feder von Johann Christian Bach vorüber. Lisa Schäfer und Gregor Hollmann sorgten für den guten Ton, immer in schönstem Einvernehmen. Den beiden Cembalisten hinzu gesellte sich Geigerin Annette Schäfer, die gemeinsam mit Gregor Hollmann eine Ausgrabung aus Archiven in Kassel und Schwerin präsentierte: eine Sonate, deren Schöpfer Christian Kalkbrenner bis heute ein unbeschriebenes Blatt ist. Für Cembalisten ein dankbares Werk, denn das Tasteninstrument steht hier klar im Vordergrund, während die Violine sich weitgehend auf das Begleiten beschränkt. Genau umgedreht war es in der c-Moll-Sonate von Franz Benda. Fast wie improvisiert wirkte deren einleitendes Adagio, dann aber ging‘s zur Sache. Und Annette Wehnert nutzte die Gelegenheit zur Entfaltung, erst recht in ihrem Solo, dem „Assaggio“ genannten Viersätzer, den der Schwede Johan Helmich Roman mit voller barocker Pracht ausgestattet hatte. Gebrochene Akkorde, hurtige Läufe – das war anspruchsvolle Literatur auf hohem Niveau.

Lisa Schäfer bekam ihr souverän gestaltetes Solo dann in Form von Clementis F-Dur-Sonate, seinem Opus 1 aus dem Jahr 1771. Als gute Idee erwies es sich, dem ersten und zweiten Satz Verse von Anton Mathias Sprickmann anzufügen: Verse über „Die Liebe“. Schauspieler Carsten Bender rezitierte einfühlsam und erinnerte mit weiteren Zeilen Sprickmanns an den ersten Theaterdichter Westfalens, an einen offenbar sehr erfolgreichen, der für das 1775 gegründete Theater in Münster dramatische Szenen lieferte. Die von Bender vorgetragene Textauswahl gab dem Programm den Charakter eines besinnlichen Abends in einem herrschaftlichen Salon.

Spätbarock, Rokoko, „empfindsamer Stil“ – das alles kannte auch der Abbé Georg Joseph Vogler, wie seine Sonate für zwei Cembali verriet. Doch gewann man den Eindruck, er gäbe mit quirliger Bewegung und stampfenden Ton-Repetitionen einen kleinen Vorschein auf den dann für Rossini so charakteristischen Stil. Kurios auch für die Zugabe: Johann Sebastian Bach. Eine Solo-Sonate für Violine, eingerichtet abwechselnd für Cembali und für Violine, die sich unsichtbar aus der Höhe vernehmen ließ. Das Sahnehäubchen.

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