Vater spendet elfjährigem Kind seine Niere
Das Leben ein zweites Mal geschenkt

Münster -

Der elfjährigen Marleen ist dank der Nierenspende ihres Vaters die jahrelange harte Wartezeit an der Dialyse erspart geblieben. Die Familie muss aber trotzdem einige unerwartete Hürden nehmen.

Dienstag, 28.11.2017, 18:15 Uhr aktualisiert: 28.11.2017, 21:26 Uhr
Sie alle haben nur noch eine Niere: Marco Thias hat seiner Tochter Marleen mit seiner Nierenspende die oft jahrelange Wartezeit an der Dialyse erspart. Den Nieren-Gendefekt hat Marleen von Mutter Silvia geerbt.
Sie alle haben nur noch eine Niere: Marco Thias hat seiner Tochter Marleen mit seiner Nierenspende die oft jahrelange Wartezeit an der Dialyse erspart. Den Nieren-Gendefekt hat Marleen von Mutter Silvia geerbt. Foto: Matthias Ahlke

Marleen kann seit dem vergangenen Jahr einen zweiten Geburtstag im Jahr feiern: den 23. Februar. Es ist der Tag, an dem sie die Niere ihres Vaters erhielt. Die Elfjährige, die an einem erb­lich bedingten Nierendefekt leidet, kann jetzt ein weitgehend normales Leben führen. „Ich habe es als meine Aufgabe angesehen, eine Niere zu spenden, als Marleens Blutwerte immer schlechter wurden“, sagt Marco Thias rückblickend.

Dass die Familie die Strapazen gemeistert hat und auch nach der Transplantation weitere Hürden nehmen kann, verdankt sie nicht nur den Ärzten und Pflegern, sondern auch dem Förderverein „Hilfe für das nierenkranke Kind“.

Seit ihrem dritten Lebensjahr musste Marleen Medikamente nehmen, darunter Blutdruck senkende Mittel, und nach einer strengen Diät leben. „Ich durfte nur 25 Gramm Eiweiß am Tag essen, also morgens keine Milch, kein Nutella, keine Wurst und auch mittags nur ganz wenig Fleisch“, erzählt die Elfjährige, die gelernt hat, selbstdiszipliniert mit der Krankheit umzugehen. „Auch in der Schule im offenen Ganztag wussten alle Bescheid, was ich essen darf und was nicht.“

In Fällen wie dem von Marleen versucht der Förderverein im direkten Gespräch mit Kitas, Schulen und wenn nötig auch mit Arbeitgebern der Eltern Verständnis für die besondere Situation zu wecken, erläutert Vereinsvorsitzende Prof. Dr. Monika Bulla. Marco Thias pflichtet ihr bei: „Sehr geholfen hat uns auch die individuelle Ernährungsberatung.“ Trotz aller Auflagen, Sorgen und schlaflosen Nächte „haben wir versucht, ein möglichst normales Leben zu führen“. Bis die Nieren irgendwann trotz der Diät und trotz aller Medikamente versagten und die Dialyse unumgänglich wurde. Marleen gehört zu jenen 64 Kindern, bei denen im Zeitraum zwischen 2009 und 2016 in Münster eine Transplantion vorgenommen wurden – immerhin 28 von ihnen durch eine komplikationsärmere Lebendspende, resümiert Bulla.

Auch ein Jahr nach der Transplantation müssen Marleens Blutwerte monatlich überprüft werden, um Anzeichen einer Abstoßung rechtzeitig festzustellen, sagt ihre Mutter: „Die Angst bleibt.“ Dank der Investition des Fördervereins in ein Spezialgerät kann der Nierenfunktionswert innerhalb von Minuten gemessen werden. Bulla: „Damit wird den Patienten und ihren Familien die bange Zeit des Wartens verkürzt“ und die immer gegenwärtige Sorge um eine Abstoßung gemildert.

Stress bereiten Familie Thias derzeit aber nicht Marleens Blutwerte, sondern die Reaktionen des Arbeitgebers ihres Vaters. Marco Thias kann es immer noch nicht fassen: „Nach der Transplantation legte man mir einen Aufhebungsvertrag vor.“

Mangelndes Verständnis und Vorbehalte, was die gesundheitliche Leistungsfähigkeit nach solchen operativen Eingriffen angeht, erlebt der Förderverein immer wieder. In sehr schwierigen Fällen „bieten wir mitunter auch rechtlichen Beistand an“, erklärt Bulla.

Doch ohne Spenden kann der gemeinnützige Verein all diese Leistungen nicht erbringen.

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