Folge „MünsterLeaks“
Alles Betrug: Neuer „Wilsberg“ dreht sich um Offshore-Konten

Münster -

Wie Reiche bei der Steuer tricksen, haben die Paradise Papers gerade gezeigt. Im neuen „Wilsberg“-Krimi im ZDF geht es um Offshore-Konten der Münsteraner Hautevolee. Der Finanzbeamte Ekki Talkötter ist ihnen auf der Spur.

Samstag, 02.12.2017, 12:30 Uhr aktualisiert: 03.12.2017, 17:24 Uhr
Folge „MünsterLeaks“: Alles Betrug: Neuer „Wilsberg“ dreht sich um Offshore-Konten
Wilsberg (l., Leonard Lansink) und Ekki (Oliver Korittke) sind Steuersündern auf der Spur. Foto: ZDF/Thomas Kost

Eben noch hat der Finanzbeamte Ekki Talkötter (Oliver Korittke) entspannt Frühstückspause am Schreibtisch gemacht - da wird er auf einmal mit schwierigen Fragen konfrontiert. In der neuen Folge des ZDF-Krimis „Wilsberg“ am Samstag (2. Dezember, 20.15 Uhr) bietet ein Unbekannter dem Finanzamt in Münster eine CD mit Daten von Steuersündern an. Angeblich soll auf dem Datenträger die Crème de la Crème der Münsteraner Society zu finden sein. Ekki soll die Echtheit der Daten überprüfen. Der Unbekannte will zwei Millionen Euro dafür. Und schnell sieht Ekki sich mit grundsätzlichen Problemen konfrontiert: Darf die Stadt solche Informationen überhaupt kaufen oder unterstützt sie damit Kriminelle?

In der neuen „Wilsberg“-Folge - der 56. inzwischen - mit dem Titel „MünsterLeaks“ dreht sich alles ums Thema Steuergerechtigkeit. So sieht es zunächst zumindest aus. Als das Gerücht von der Steuersünder-CD in der Stadt die Runde macht, zeigt sich unmittelbar darauf ein Unternehmer bei Ekki selbst an. Doch ehe Ekki ihn vernehmen kann, ist der Mann tot.

Währenddessen hat Privatdetektiv Wilsberg (Leonard Lansink) ganz andere Sorgen: Kommissarin Springer (Rita Russek) braucht einen Praktikumsplatz für ihre Patentochter Merle (Janina Fautz). Und ehe Wilsberg sich versieht, ist die aufmüpfige Teenagerin bei ihm im Antiquariat als Hospitantin einquartiert. Wie gut, dass er durch einen neuen Fall schnell Ablenkung hat: In einer Packung Hackfleisch wurde ein menschlicher Finger gefunden.

Brisantes Thema, überkomplexer Plot

Nur wenige Wochen nach der Veröffentlichung der Paradise Papers kommt der neue „Wilsberg“-Krimi mit einem brisanten Thema daher. Anfang November hatten deutsche und internationale Medien mit den von ihnen Paradise Papers getauften Dokumenten Personendaten zu Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen veröffentlicht. Dem vorausgegangen waren etwa die Panama Papers im Frühjahr 2016. Bei den Unterlagen geht es um Millionen von Daten zu Steuertricksereien.

Die zeitliche Nähe des Krimis zu den Paradise Papers mag Zufall sein - und natürlich ist die Geschichte im Krimi etwas anders: Während die Paradise Papers vor allem legale Steuerschlupflöcher anprangern, geht es im „Wilsberg“-Krimi um eindeutig illegale Machenschaften.

Cameo-Auftritt

Entertainer Adam Riese aus Münster hat darin einen Kurzauftritt. In der 24. Minute sagt Leonard Lansink alias Wilsberg den Satz: „Macht pro Bett 300 Euro – nach Adam Riese.“ Woraufhin Roland Jankowsky als Overbeck zurückfragt: „Wer ist Adam Riese?“ Im nächsten Moment betritt der Entertainer grüßend den Raum: „Morgen!“ Wilsberg-Produzent Anton Moho verriet nach der Kino-Premiere augenzwinkernd, man habe die Ausstrahlung nur deshalb für den 2. Dezember vorgesehen, weil tags darauf die nächste Adam-Riese-Show stattfindet (am 3. Dezember um 19 Uhr in der Cloud auf dem Germania-Campus). Die nächsten Wilsberg-Folgen, „Alle Jahre wieder“ und „Morderney“, werden am 23. Dezember sowie am 6. Januar ausgestrahlt. Die Formulierung „Das macht nach Adam Riese . . .“ geht übrigens auf den Mathematiker Adam Ries zurück, der vor 500 Jahren mit seinen berühmten Rechenbüchern dazu beitrug, dass die römischen Zahlen durch die bis heute gültigen arabischen Zahlen ersetzt wurden.

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Adam Riese

Adam Riese Foto: Cengiz Sentürk

Die Voraussetzungen wären also da gewesen, aus dem neuen „Wilsberg“ ein Highlight der beliebten Krimiserie zu machen. Aber so ist es am Ende nicht: Die Geschichte, die sich die Drehbuchautoren Markus B. Altmeyer und Britta Burneleit ausgedacht haben, ist so komplex, dass der Zuschauer zwischendurch Probleme hat, zu folgen. Fast scheint es so, als sollten die komplizierten Steuervermeidungsstrategien der Superreichen sich erzählerisch in einem überkomplexen Plot widerspiegeln.

Und als wäre das Thema Steuertricks nicht schon groß genug, kommen noch die menschenverachtenden Praktiken eines münsterländischen Schlachterei-Geschäftsführers hinzu. Um die losen Enden miteinander zu verknüpfen, gerät dann vieles holzschnittartig und klischeehaft. Fast komisch wirkt etwa der Monolog einer betrogenen Ehefrau, so wenig glaubwürdig sind ihre Sätze. An der schauspielerischen Leistung liegt es dabei nicht.

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Neues Highlight in der Serie

Trotz der an manchen Stellen holprigen Geschichte wird der Film an vielen Stellen für eingefleischte Wilsberg-Fans trotzdem zum Genuss - und das liegt an den Charakteren. Es macht wie immer Spaß, Wilsberg, Ekki und Polizist Overbeck (Roland Jankowsky) bei der Arbeit zuzusehen. Und mit der aufgeweckten Patentochter Merle hat die Serie durchaus ein neues Highlight. Wenn sie Wilsberg vorlaut Vorwürfe macht und von ihm forsch Bezahlung fordert, hat der Film Witz - und das Zuschauen macht richtig Spaß.

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