Spannendes Kammerspiel: Frank Behnkes Inszenierung des Stückes „Falsch“
Aufklärung in Bruckstücken

Münster -

Für Kat ist es eine Gefängniszelle, in der sie sich befinden, für ihre Schwester Sis eher eine Art Warteraum. Diese unterschiedliche Wahrnehmung habe etwas mit der jeweiligen Rezeptionsbereitschaft zu tun, erfährt man später. Also damit, ob man die Wirklichkeit an sich heranlässt oder ob man sich ihr verschließt, weil sie so schrecklich ist, dass man gar nicht anders kann, als sich etwas vorzumachen. Etwa, wenn man einen Menschen totgefahren hat.

Donnerstag, 30.11.2017, 17:42 Uhr aktualisiert: 03.12.2017, 16:30 Uhr
Gefangen im Spinnennetz: (v. l.) der Zeuge (Bálint Tóth) und die Schwestern (Ulrike Knobloch, Carola von Seckendorff)
Gefangen im Spinnennetz: (v. l.) der Zeuge (Bálint Tóth) und die Schwestern (Ulrike Knobloch, Carola von Seckendorff) Foto: Berg

„Falsch“ von Lot Vekemans ist ein raffiniertes Vexierspiel um zwei Schwestern, die einen Autounfall hatten. Sis, die am Steuer saß, behauptet, gegen die Leitplanke gefahren zu sein. Ein Zeuge sagt, dass es ein Mensch war. Kat, die schlafend auf dem Rücksitz lag, weiß von nichts. Das ist der eine Themenkomplex.

Der andere kreist um das Verhältnis der beiden Schwestern. Sis ist eine erfolgreiche Moderatorin, aber in einer billigen TV-Show. Kat ist eine ernsthafte Schauspielerin, aber auf dem absteigenden Ast, woher vermutlich auch ihr Alkoholproblem rührt. Als Geschwister mögen sie sich. Oder doch nicht? Zeitweise sieht es eher nach einer Abrechnung aus, bei der verdeckte Animositäten ans Licht kommen. Als dann der Zeuge auftaucht, halten sie wieder zusammen.

Frank Behnkes deutsche Erstaufführung im U2 erweist sich als spannendes Kammerspiel. Carola von Seckendorff und Ulrike Knobloch in der Rolle der Schwestern verhalten sich so, dass der Zuschauer immer nur Bruchstücke erfährt, die er selbst zu einer möglichen Wahrheit zusammensetzen muss. Ähnlich ambivalent ist die Rolle von Bálint Tóth angelegt. Zwar trägt er als Zeuge einiges zur Aufklärung bei, gleichzeitig wirft er aber weitere Fragen auf. Denn offensichtlich hat der ehemalige Zellbiologe, der jetzt als Aussteiger in einem alten Wohnwagen lebt, ebenfalls Probleme mit der Wirklichkeit.

Zu dem Puzzle aus Wahrheit und Lüge passt die Bühne bestens. Agiert wird in einem Raum, der aussieht wie aus Bruchsteinen zusammengefügt. Gleichzeitig kann er aber auch als riesiges Spinnennetz wahrgenommen werden, in dem sich die Protagonisten verfangen haben. Zudem gibt es keine Trennung zwischen den Schauplätzen, sodass der Zeuge in der Wahrnehmung des Zuschauers immer präsent ist, auch wenn er in der jeweiligen Szene nicht vorkommt.

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