Do., 30.11.2017

Geschenk an Münster Gerhard Richter in der Dominikanerkirche: „Der richtige Ort für das Pendel“

Gerhard Richter besuchte am Donnerstag die Dominikanerkirche, von der er beim ersten Anblick begeistert war.

Gerhard Richter besuchte am Donnerstag die Dominikanerkirche, von der er beim ersten Anblick begeistert war. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Gerhard Richter schaut immer wieder nach oben, in die Kuppel der münsterischen Dominikanerkirche. Dort soll sie ab Frühsommer 2018 hängen, seine Installation mit einem Foucault‘schen Pendel, das die Erdrotation abbildet. 

Von Martin Kalitschke und Johannes Loy

Richter ist am Donnerstag persönlich nach Münster gekommen, um sein Kunstwerk vorzustellen. Dutzende Journalisten drängen sich vor dem 85-Jährigen, der als bedeutendster lebender Künstler weltweit gilt. „Als ich dieses schöne Bauwerk sah, war ich sofort begeistert und überzeugt, dass das der richtige Ort für das Pendel ist“, sagt Richter. Er wird die Installation der Stadt schenken – „weil ich es mir leisten kann“, wie er mit einem bescheidenen Lächeln einräumt. In der Tat: Werke von ihm werden schon mal für 40 Millionen Euro versteigert.

Installation soll im Frühsommer eingeweiht werden

In einem halben Jahr soll die Installation bereits eingeweiht werden. Zum Pendel unter der Kuppel kommen vier von Richter gestaltete graue Tafeln, in denen sich Pendel und Besucher spiegeln. Für Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe ist dieses Geschenk „eine unschätzbare Ergänzung für den Kunst- und Kulturstandort Münster“. Keine Frage: Das Pendel-Projekt wird die erst vor wenigen Tagen profanierte Dominikanerkirche an der Salzstraße in die Reihe bedeutender Kunststätten katapultieren.

Fotostrecke: Gerhard Richter in der Dominikanerkirche

Fenster im Kölner Dom

Dabei ist die Dominikanerkirche, wie nicht nur Kunstexperten wissen, nicht die erste Kirche, der sich Gerhard Richter künstlerisch widmet. Vor gut zehn Jahren, im August 2007, wurde das von ihm entworfene Südquerhausfenster des Kölner Doms eingeweiht. Auf einer Fensterfläche von 106 Quadratmetern wurden exakt 11.263 Farbquadrate in 72 Farben mit den Maßen 9,6 mal 9,6 Zentimeter nach dem Zufallsprinzip angeordnet. Das Fenster wurde am 25. August 2007 im Rahmen eines Gottesdienstes eingeweiht. Kardinal Joachim Meisner kritisierte das abstrakte Werk massiv, musste sich allerdings in diesem Fall dem Kölner Domkapitel und dessen künstlerischem Sachverstand beugen.

Seit Jahrzehnten pflegt Gerhard Richter enge Beziehungen zu dem münsterischen Drucker und Galeristen Mike Karstens. Dieser war auch Schöpfer des Computerprogramms, das die Anordnung der Fensterscheiben im Kölner Dom nach dem Zufallsprinzip steuerte. Karstens zeigte erst 2014 eine Werkschau von Gerhard Richter. Alle wichtigen Schaffensphasen des Künstlers waren in der Galerie am Kreativkai am Hafen dokumentiert. „Strontium“, „September“ oder eben die Fenster im Kölner Dom. Entwürfe, Studien, Korrespondenzen warfen ein Licht auf das Denken und den Arbeitsprozess Richters.

Fotostrecke: Gerhard Richter - einer der weltweit bedeutendsten Maler

Weltweit Nummer eins

Vor wenigen Wochen erst erschien der aktuelle Kunstkompass 2017. Gerhard Richter wird darin weiterhin als wichtigster Künstler geführt. Vier der zehn einflussreichsten Künstler der Welt sind laut Kunstkompass Deutsche. Außer Richter und Rosemarie Trockel (Platz 3) sind unter den ersten zehn noch Georg Baselitz (Platz 4) und Anselm Kiefer (Platz 6).

Gerhard Richter

Gerhard Richter, 1932 in Dresden geboren, zählt als Maler, Bildhauer und Fotograf zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart. Er war von 1971 bis 1993 Professor für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine Werke sind auf dem Kunstmarkt die teuersten eines lebenden Künstlers. Seit Jahren führt Richter auf dem jährlich erscheinenden Kunstkompass die Riege der einflussreichsten Künstler an.

1964 hatte Richter seine erste Einzelausstellung in München. In den 1970er und 1980er Jahren stieg seine Bedeutung national, in den 1990er Jahren auch international sprunghaft an, so dass ihm in den Jahren 1993/1994 eine umfassende Retrospektive mit Stationen in Paris, Bonn, Stockholm und Madrid gewidmet wurde. 2002 feierte ihn das Museum of Modern Art, New York, anlässlich seines 70. Geburtstags mit einer umfassenden Retrospektive. Diese war mit 188 Exponaten die größte dort jemals gezeigte Schau eines lebenden Künstlers. 2004 wurden die Gerhard-Richter-Räume im Dresdner Albertinum eröffnet. Dort werden 41 Werke als Dauerleihgabe ausgestellt.

Die britische Tageszeitung „The Guardian“ machte sich das Zitat eines Frankfurter Galeristen zu eigen, der Richter als erfolgreichsten Maler der Gegenwart und als „Picasso des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. 2015 wurde ein „Abstraktes Bild“ Richters für die Rekordsumme von 41 Millionen Euro versteigert. Gerhard Richter hat den Hype auf dem Kunstmarkt mehrfach scharf kritisiert.

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