„Kunst als Zufluchtsort“
Kindheit im Wartezustand

Münster -

Ganz persönliche Erinnerungen haben Flüchtlingskinder in Glas verpackt: „Vom Fundstück zum Kunststück“ heißt das Projekt, dessen Ergebnis seit Mittwoch im LVM-Kristall präsentiert wird. Die Ausstellungseröffnung war Teil der Veranstaltung „Kunst als Zufluchtsort“ der LVM-Kulturwelt. Der Nachmittag stand ganz im Zeichen geflüchteter Kinder.

Donnerstag, 30.11.2017, 22:00 Uhr
„Vom Fundstück zum Kunststück“ heißt die Aktion, in der die Flüchtlingskinder Erinnerungen an ihre Heimat als Flaschenpost festgehalten haben.
„Vom Fundstück zum Kunststück“ heißt die Aktion, in der die Flüchtlingskinder Erinnerungen an ihre Heimat als Flaschenpost festgehalten haben. Foto: cw

Mit vielen Bildern über die Lebensumstände dieser Kinder hat die Unicef-Ortsgruppe Münster die Veranstaltung eingeleitet. Der Alltag der Mädchen und Jungen ist oft geprägt von Tristesse. Sie warten monatelang, manchmal jahrelang auf ein neues Zuhause, müssen oft umziehen, finden keinen Halt.

Davon können auch die Brüder Mojtaba und Masoud Sadinam, vor 21 Jahren aus dem Iran geflüchtet, ein Lied singen. Sie lasen aus ihrem Buch „Unerwünscht“ und berichteten von ihren ersten Erlebnissen auf deutschem Boden. Und die waren nicht immer rosig. Endlich in Deutschland angekommen, mussten sie von Unterkunft zu Unterkunft ziehen, bis sie in Münster landeten. Viele Gerichtsverhandlungen hat es gebraucht, bis sie eine Aufenthaltsgenehmigung bekamen. Ganze zehn Jahre hat das gedauert. Keine einfache Zeit für die Brüder, die heute die deutsche Staatsbürgerschaft und in Frankfurt eine kleine Firma gegründet haben.

An dem Nachmittag wurde auch die Ausstellung „Vom Fundstück zum Kunststück“ unter der Leitung von Gintare Skroblyte eröffnet. Dafür haben Flüchtlingskinder der Waldschule in Kinderhaus ihre Erinnerungen an die Heimat als Flaschenpost festgehalten. Die 15-jährige Sadya Sadaa aus dem Irak steckte ein Foto vom Zuckerfest, dem Fest des Fastenbrechens, in ihre Flasche. „Das Fest war immer sehr schön. Wir haben gebetet, gefeiert, und die Kinder haben von ihren Eltern Geld bekommen“, sagt Sadya, die seit zwei Jahren in Deutschland lebt. Auch Abdul Alzeen hat schöne Erinnerungen in seiner Flasche festgehalten. „Auf dem Bild sieht man eine Landschaft in Syrien, bevor der Bürgerkrieg ausgebrochen ist“, erinnert sich der 15-Jährige aus Aleppo.

Außerdem ist eine Ausstellung des syrischen Fotografen Jacques Toffi zu sehen. Die Fotos zeigen beeindruckende Menschen und Geschichten aus Syrien, unmittelbar bevor der Krieg ausgebrochen ist.

Zum Thema

Die Fotoausstellung von Jacqes Toffi und die Flaschen sind noch bis zum 20. Dezember (Mittwoch) im LVM-Kristall, Kolde-Ring 21, zu sehen.

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