Kurzsichtigkeit bei Kindern
Draußen spielen hilft den Augen

Münster -

Tablet statt Spielplatz, Smartphone statt Kicken im Garten: Kinder und Jugendliche verbringen immer mehr Zeit mit den neuen Medien. Das schadet den Augen jedoch enorm.

Donnerstag, 30.11.2017, 20:00 Uhr
Zu viel am Smartphone hängen schadet den Augen: Vor allem bei Kindern und Jugendlichen wird Kurzsichtigkeit immer mehr zum Problem.
Zu viel am Smartphone hängen schadet den Augen: Vor allem bei Kindern und Jugendlichen wird Kurzsichtigkeit immer mehr zum Problem. Foto: dpa

Smartphone, Tablet und Computer – vor allem Kinder und Jugendliche sind nur schwer von ihnen zu trennen. Doch das hat Folgen für die Augen, wie Privatdozentin Dr. Julia Biermann, Oberärztin der Klinik für Augenheilkunde am Uniklinikum Münster sagt: „Wir beobachten, dass weltweit die Anzahl der Kurzsichtigkeit bei jungen Menschen zunimmt.“

Die Häufigkeit der Kurzsichtigkeit ist in den südostasiatischen Metropolen von circa 20 Prozent nach dem zweiten Weltkrieg auf aktuell über 80 Prozent angestiegen. Das berichtet das Wissenschaftsmagazin „Nature“. Auch in Europa gibt es eine „deutliche Zunahme“, wie Biermann erklärt. Die Häufigkeit bei 25-Jährigen sei auf 46 Prozent gestiegen.

Zwei Dinge sind dafür laut Biermann ausschlaggebend: „Zu viel Naharbeit und die Lichtbedingungen.“ Denn diese Faktoren beeinflussen das Längenwachstum des Auges. Wird das Auge zu lang, kann kein scharfes Bild auf die Netzhaut geworfen werden. „Dann sind Betroffene auf optische Hilfsmittel angewiesen, um in der Ferne scharf zu sehen“, erklärt die Augenärztin.

„Maßnahmen zur Prävention sind wichtig“, sagt Biermann. Ihre Empfehlung: „Alle Kinder sollten mindestens zwei Stunden am Tag dem natürlichen Tageslicht ausgesetzt sein.“ Denn nicht nur der Nahbereich, auch die Lichtverhältnisse sind für die Entwicklung des Auges wichtig. Und wer draußen spiele, schaue auch mehr in die Ferne, sagt Biermann. Auch für Erwachsene gilt: „Pausen vom Sehen im Nahbereich machen.“

Neuerdings wird versucht, das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit durch verdünnten Augentropfen mit dem Wirkstoff Atropin zu reduzieren. Doch Julia Biermann sagt: „In Deutschland werden der Erfolg und die Nebenwirkungen noch untersucht.“

Die Augenärztin sagt außerdem: „Das Problem ist nicht das Medium, sondern der Arbeitsabstand und die Gebrauchsdauer. Letztere ist natürlich bei modernen Medien länger.“

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