77. Krippenausstellung in Telgte
Heilige Familie aus Patronen

Telgte -

„Friede auf Erden“: Das Motto der diesjährigen Krippenausstellung in Telgte liegt auf der Hand. Künstler und krippenschaffende Laien liefern dazu eindrucksvolle und sinnfällige Krippendarstellungen. Die kurioseste Arbeit: Eine Darstellung der Heiligen Familie aus 10 000 Patronenhülsen.

Freitag, 01.12.2017, 14:45 Uhr aktualisiert: 04.12.2017, 07:39 Uhr
Aus rund 10 000 Patronen zweier Tontaubenschießanlagen hat die Grafikerin Leonie Große aus Everswinkel eine Heilige Familie zusammengesetzt.
Aus rund 10 000 Patronen zweier Tontaubenschießanlagen hat die Grafikerin Leonie Große aus Everswinkel eine Heilige Familie zusammengesetzt. Foto: Wilfried Gerharz

Was steht für Frieden? Die Weihnachtsbotschaft mit der Heiligen Familie. Was steht für Krieg? Schießpatronen. Gegensätzlicher und kräftiger als derzeit in der Telgter Krippenausstellung kann man diese Gegenpole kaum zusammenbringen. Deshalb zählt die Arbeit „10 000 Schuss“ der aus Everswinkel stammenden Grafikerin Leonie Große zu den sinnfälligsten Arbeiten der 77. Telgter Krippenausstellung. Aus rund 10 000 Patronenhülsen unterschiedlicher Größe, die dicht an dicht auf die vorher aus Papier modellierten Körper geklebt wurden, hat die Künstlerin die Heilige Familie gestaltet. Patronen als Inbegriff des Krieges wurden hier in ein Bild des Friedens umgewandelt. Diese haben zuvor zum Glück kein Unheil angerichtet. Sie stammen von zwei Tontauben-Schießständen.

„Friede auf Erden“: Das diesjährige Leitthema der Krippenschau, die gut 130 Arbeiten von Künstlern und krippenschaffenden Laien umfasst und zugleich Neuerwerbungen des Museums zeigt, bot sich laut Museumsdirektorin Dr. Anja Schöne an. Es wird Münster und das Münsterland im kommenden Jahr des 101. Katholikentages, der unter dem Leitwort „Suche Frieden“ steht, weiter begleiten und auch in Ausstellungen vom Landesmuseum bis zum Stadtmuseum Münster einfließen.

Nicht alle Exponate halten sich exakt an das vorangestellte Thema, doch mit dem Wunsch nach Frieden haben die im Kleihues-Bau sowie im ursprünglichen Heimathaus gezeigten Darstellungen allesamt zu tun. Denn die Geburt des Erlösers ist ja die Friedensbotschaft für die Welt, und diese erreicht Menschen in allen Lebenslagen.

In diesem Sinne verlegt Rudi Bannwarth aus Ettlingen das Weihnachtsgeschehen in eine Baustelle, wie wir sie alltäglich sehen. Josef mit Warnweste, Maria in Alltagskleidung mit dem Jesuskind auf dem Arm. Auf dem Müllcontainer steht „Glaube, Liebe, Hoffnung“, als seien die drei göttlichen Tugenden bereits entsorgt worden. Ochs und Esel schauen aus einer Baubude ins Freie, auf der Sprüche wie „Gier frisst Hirn“ und „Ich war fremd, und ihr habt mich abgeschoben!“ stehen. Mahnende Worte an eine Gesellschaft, die es zu Weihnachten gerne gemütlich hat und die Türen vor den Heimatlosen dieser Welt zusperrt.

77. Krippenausstellung in Telgte

Das diesjährige Thema der Krippenausstellung „Friede auf Erden“ stammt aus der Weihnachtsgeschichte nach Lukas. Das himmlische Heer lobt Gott und spricht: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“

Begleitend zur Ausstellung wird die Veranstaltungsreihe „Friedensgespräche“ stattfinden. Die Ausstellung ist als Vorschau auf das Thema des Katholikentages gedacht, der 2018 unter dem Motto „Suche Frieden“ in Münster stattfinden wird. Die 77. Telgter Krippenausstellung ist bis zum 28. Januar 2018 geöffnet. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11-18 Uhr, am 1. Weihnachtstag und Neujahr von 14-18 Uhr, am 2. Weihnachtstag 11-18 Uhr, am 24. und 31. Dezember geschlossen, Katalog zur Ausstellung.

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Um das Miteinander zwischen Menschen aller Völker und Rassen geht es auch auf der „Domplatte“ in Köln, die Hans Rothfeld aus Wadersloh aus Buchenholz gefertigt hat. Vor der Dom-Silhouette sieht man Menschen vieler Nationalitäten, die Flaggen mit dem Wort „Frieden“ in der jeweiligen Landessprache zeigen. Der Künstler wollte das höchst unfriedliche Geschehen aus der Silvesternacht 2015 umdeuten in eine neue Vision des Friedens und des Miteinanders.

Es gibt kaum eine jährliche Telgter Krippenausstellung, in der man nicht neue künstlerische Ausdrucksformen und Material-Experimente entdecken könnte. So haben Sandra Höricht aus Telgte und Gisela Funke aus Herrenberg je eine Krippe durch Schneiden und Falzen in die Seiten zweier aufgeschlagener Bücher hineingeformt. Günther Lakenbrink aus Oelde schuf seine mit 22 Kilo äußerst schwergewichtige Krippe aus Stahlprofilen. Wir sehen Maria, Josef und das Kind aus teilweise verformten Schraubenschlüsseln. Als Stern von Bethlehem dient ein vergoldetes Kreissägeblatt.

Keine Krippenschau in Telgte ohne die immer wieder zeitlos schönen Schnitzarbeiten der westfälischen Bildhauer Claudia und Willi Potthoff sowie Hans-Bernhard Vielstädte aus Herze­brock-Clarholz. Auch Bernhard Tewes aus Ahlen ist wieder mit einer – diesmal etwas kleinformatiger ausgefallenen – Weihnachtspyramide dabei.

Unter den Arbeiten von Gruppen und Kindern fällt zum Beispiel das Projekt zweier vierter Klassen der Telgter Mariengrundschule ins Auge. Die Schülerinnen und Schüler suchten in Telgte mögliche Friedensorte auf und setzen dort die Weihnachtsgeschichte pantomimisch-fotografisch in Szene. Kurzum: Die Telgter Schau lohnt sich.

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