Sieben Jahre Haft für Messerangriff
43-Jähriger fügte seiner Frau schwere Stichverletzungen zu

Münster -

Der Streit eines Ehepaares um die Haushaltsausgaben endete bei einer albanischen Familie im Mai in einer Bluttat. Jetzt wurde der 43-jährige Täter zu einer langen Haftstrafe verurteilt.

Freitag, 01.12.2017, 18:40 Uhr aktualisiert: 01.12.2017, 19:33 Uhr
Der Angeklagte sitzt hier, kurz vor der Urteilsverkündung, zwischen seinem Anwalt und einem Dolmetscher.
Der Angeklagte sitzt hier, kurz vor der Urteilsverkündung, zwischen seinem Anwalt und einem Dolmetscher. Foto: klm

Wegen versuchten Totschlags verurteilte das Landgericht den Lkw-Fahrer am Freitag zu sieben Jahren Gefängnis. Damit entsprach sie der Forderung der Staatsanwaltschaft. Das Opfer war Nebenklägerin im Prozess – ihre Anwältin hatte eine Haftstrafe von acht Jahren für den Mann beantragt, der Verteidiger „maximal fünf“.

Offenbar kam es zu dem Gewaltexzess durch Streit zwischen den Eheleuten, der mit der Lebenssituation als Migranten zu tun hatte. Der Angeklagte hatte seine spätere Frau in Albanien kennengelernt, als sie „15 oder 16 Jahre alt“ war, zeichnete die Vorsitzende Richterin die Familiengeschichte nach. Zwei Jahre später heiratete das Paar. Die Frau sei vom Angeklagten immer wieder „angeschrien, beleidigt und mit den Händen ins Gesicht geschlagen“ worden. Bei einem Streit habe er „ihr gedroht, sie zu erschießen“.

Auch der heute 13 Jahre alten Tochter und dem mittlerweile 18 Jahre alten Sohn des Paares gegenüber sei der Vater „übergriffig geworden, indem er sie schon beim kleinsten Fehlverhalten züchtigte“, erklärte die Richterin. Einer der Verteidiger hatte in seinem Plädoyer gesagt, die Familie habe anscheinend „nach dem albanischen Modell“ gelebt, in der der Mann „das Sagen“ habe. Widerspruch war offenbar nicht erwünscht.

Die Familie zog erst nach Griechenland, doch die Ehefrau wurde festgenommen, weil sie keine Aufenthaltsgenehmigung besaß. Man kehrte zurück nach Albanien und beantragte 2015 in Deutschland Asyl. Der Antrag wurde abgelehnt. Weil die Familie nicht viel Geld zur Verfügung hatte, gab es zwischen den Eltern wieder häufiger Streit, wie die Richterin ausführlich darlegte.

Kurz vor der Gewalttat stritt man demnach wegen einer Nachzahlung des Sozialamtes und ob diese nun für eine Mietnachzahlung oder andere Haushaltsausgaben eingesetzt werden solle. „Um zu schlichten, wollte die Frau eine Flüchtlingsbetreuerin hinzuholen“, so die Richterin. Die sollte klären, welche Entscheidung richtig sei. Wegen des Vorschlags alleine schon habe der Angeklagte seiner Frau gedroht, sie umzubringen. Später griff er dann zum Messer.

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