Niederdeutsche Bühne
„Das sind richtig gute Spieler“

Münster -

Als Regisseur gibt Cornelius Demming bei der Niederdeutschen Bühne sein Debüt. Im Interview hat er über diesen Ausflug in das Münsterländer Platt gesprochen.

Samstag, 02.12.2017, 14:00 Uhr
Cornelius Demming führt jetzt zum ersten Mal Regie bei dem neuen Stück „Dat Geld ligg up de Bank“, das die Niederdeutsche Bühne im Theater Münster zeigt.
Cornelius Demming führt jetzt zum ersten Mal Regie bei dem neuen Stück „Dat Geld ligg up de Bank“, das die Niederdeutsche Bühne im Theater Münster zeigt. Foto: Cornelius Demming

Als Regisseur gibt Cornelius Demming jetzt mit dem neuen Stück „Dat Geld ligg up de Bank“ bei der Niederdeutschen Bühne im Theater Münster sein Debüt. Der 34-Jährige leitet seit zwei Jahren hauptberuflich das Gastspieltheater in Marl. Er ist aber mit dem ­Plattdeutschen seit seiner Kindheit vertraut und sammelte als Dramaturg Er­fahrungen in Wuppertal, ­Bochum und Zwickau. Redakteurin Ga­briele Hillmoth sprach mit Cornelius Demming über den Ausflug ins Münsterländer Platt.

Demming ist ein Name, der in Münster für die Niederdeutsche Bühne steht. Sind Sie verwandt mit Hannes Demming?

Demming: Ich werde oft darauf angesprochen, aber das ist wirklich Zufall. Wir sind weder verwandt noch verschwägert. Aber wir kennen uns: Das erste Mal sind wir uns 2009 bei einer ­Produktion der Freilicht­bühne in Billerbeck begegnet. Damals inszenierte Hannes Demming zum Liudger-Jubiläum ein Stück des Benediktiners Gregor Schwake in Gerleve in niederdeutscher Sprache. Hannes Demming hatte das Stück „Liudger – Biskop van Mönster“ ins Hochdeutsche übertragen.

Was haben Sie mit der Freilichtbühne Billerbeck zu tun?

Demming: Ich bin im Nachbarort Nottuln auf­gewachsen. Durch einen Aufruf für neue Spieler kam ich zur Freilichtbühne und spielte 1993 als Neunjähriger bei „Die kleine Hexe“ mit.

War das der Beginn Ihrer Theaterkarriere?

Demming: Ja, sozu­sagen . . .! Mich faszinierte damals schon die Regie-Arbeit. So kam es, dass ich nach dem Abitur Germanistik und Theaterwissenschaft studiert habe. Währenddessen habe ich unter anderem am Schauspielhaus in Bochum gearbeitet. Der Kontakt zur Freilichtbühne ­Billerbeck ist erhalten geblieben; irgendwann stand ich nicht mehr auf der Bühne, sondern wechselte als Regie-Assistent auf die andere Seite.

Haben Sie dort mit den Laiendarstellern schon Stücke inszeniert?

Demming: Ja, mittlerweile sind es schon einige. Zuletzt war es „Der Zauberer von Oz“ auf der großen Naturbühne und „Elling“ als eine kleine Studioproduktion.

Als Ihnen die Regie für das neue Stück der Niederdeutschen Bühne angetragen wurde, haben Sie da lange überlegen müssen?

Demming: Nein. Ich habe mich sehr geehrt gefühlt und wahnsinnig über die Anfrage gefreut.

Sie selbst sind des Plattdeutschen nicht mächtig – war das kein Hinderungsgrund?

Demming: Als Germanist bin ich mit den Varietäten, dem Wandel und der Geschichte unserer Sprache vertraut. Wörter und Grammatik kann ich nachvollziehen. Seit August habe ich die mundartlichen Texte fast jeden Abend gehört. Und je öfter ich sie höre, umso vertrauter und verständlicher sind sie natürlich für mich. Aber letztlich muss ich ja auf der Bühne kein Plattdeutsch sprechen. Wenn ich es bei den Proben mal versucht habe, sorgte das nur für Lacher. Ich kann zwar die Aussprache nicht beurteilen, an den Betonungen und Sinnhaftigkeiten kann ich aber trotzdem arbeiten.

Was ist das Spannende an der Arbeit mit der Niederdeutschen Bühne?

Demming: Die Darsteller sind alles Amateure, die in ihrer Freizeit Theater spielen. Das sind richtig gute Spieler, die wirklich was können! Für sie und für mich geht natürlich der Hauptjob vor. Wir proben abends und am Wochenende. Und das alles findet in der professionellen Maschinerie des Theaters Münster mit Bühnen- und Kostümbildnerin usw. statt. Und da ich mich als Theatermacher sowohl in der Profi- als auch in der Amateurwelt bewege, ist diese Kombination ziemlich aufregend.

Fehlt dem Ensemble nicht der Nachwuchs?

Demming: Sicherlich könnten sich mehr junge Menschen für die Niederdeutsche Bühne begeistern, sowohl als Spieler denn auch als Zuschauer. Aber es gibt ja junge Menschen bei der NDB, vor und hinter der Bühne. Ich kann aber allen Interessierten, die bisher zögerten, nur zum Mitmachen raten. Das Plattdeutsche ist so charmant, manchmal urkomisch und mit seiner Nähe zum Englischen weniger provinziell, als man vielleicht denkt. Und Theaterspielen ist immer gut, für das Gehirn, die Gesundheit und den Spaß.

Denken Sie daran, die Inszenierung an Ihr Theater nach Marl zu holen?

Demming: In Marl kann kaum jemand etwas mit dem Münsterländer Platt anfangen; hier müssten wir das Stück im sympathischen Dialekt des Ruhrpotts aufführen.

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