Vulkanausbruch auf Bali
Rauchwolken vernebeln Urlaubsfreude

Münster/Bali -

Eigentlich wollte Dr. Thomas Happe, Arzt aus Hiltrup, auf Bali ein paar schöne Tage mit seiner Frau verbringen. Doch dann fing der Vulkan Agung an zu brodeln.

Samstag, 02.12.2017, 09:04 Uhr aktualisiert: 02.12.2017, 10:11 Uhr
Nur sieben Kilometer vom Vulkan entfernt waren Thomas Happe und seine Frau in ihrem Hotel, als der Vulkan auf Bali ausbrach.
Nur sieben Kilometer vom Vulkan entfernt waren Thomas Happe und seine Frau in ihrem Hotel, als der Vulkan auf Bali ausbrach. Foto: Thomas Happe

Es ziehen dunkle Aschewolken am Nachthimmel auf. Ein lautes Donnern ist zu hören. Als Dr. Thomas Happe sich am Abend zuvor schlafen legt, ist die Welt noch in Ordnung. Ein paar Stunden später spuckt der Vulkan Agung auf Bali bedrohliche Staubwolken in die Luft. Aus seinem Krater sieht man eine rote Feuersbrunst emporsteigen. Der Arzt aus Hiltrup wollte eigentlich nur einen schönen Urlaub mit seiner Frau machen, aber am vierten Tag seiner Reise weicht die Urlaubsfreude der Sorge.

„Man weiß nie, was er als Nächstes macht."

„Gegen drei Uhr nachts war ein lautes Grummeln zu hören. Auch die Tiere haben mit lautem Bellen und Krähen scheinbar auf das Ereignis reagiert“, erzählt er. Das Ehepaar wohnt in einem Hotel im romantischen Küstenort Amed, sieben Kilometer vom Vulkan entfernt. Beunruhigt beobachten sie den Vulkan. „Man weiß nie, was er als Nächstes macht. Vielleicht gibt es ein Erdbeben oder Magmaströme, die sich ins Dorf ergießen.“ Am nächsten Morgen merkt er schnell, dass die Balinesen sehr entspannt mit der Situation umgehen. Sie sind die latente Bedrohung durch Eruptionen gewöhnt.

Die Einheimischen gehen auf den Markt, beackern das Feld. Nur die Fischer schauen schon jetzt in die Röhre: Die Fischschwärme sind verschwunden.

Ganz langsam bekommt Bali die katastrophalen Folgen des nächtlichen Ausbruchs zu spüren. Die Touristen verlassen die Insel – wenn denn ein Flieger geht. Die Hotels leeren sich. Davon sind wiederum Restaurants, Bootsmänner und Taxifahrer betroffen. Viele stehen am Rande ihrer Existenz. Plötzlich steht das kleine Paradies Bali im Fokus der Öffentlichkeit. Happe sieht Reporter aus aller Welt, die ihre Zelte in der Nähe seines Hotels aufgeschlagen haben. „Meine Frau und ich haben versucht, zum Flughafen zu kommen, falls die Lage kritischer werden würde.“

Paradies im Fokus der Öffentlichkeit

Das ist aber nur über eine einzige Straße möglich. Falls es doch zu Lavaströmen kommen sollte, wären die Urlauber eingeschlossen. „Nicht zu wissen, ob man von der Insel runter kommt oder womöglich in ein ­balinesisches Auffanglager muss, ist kein schönes Gefühl“, sagt Happe. Dennoch hat er sich die ganze Zeit über nie wirklich unsicher oder bedroht gefühlt.

Am Donnerstag kann der Flieger des Ehepaars dann als einer von wenigen planmäßig abheben. Dabei wirft Thomas Happe noch einen letzten Blick auf die entfernte Aschesäule. Er und seine Frau können die Insel unbeschadet wieder verlassen – mit der Erinnerung an den schaurig-schönen Agung am Horizont. Zurück bleiben die Balinesen, die trotz allem positiv denken. Sie vertrauen auf die Regierung und ihre Hindu-Götter, sagt er.

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