Pro und Contra
Hochsicherheitszone im Advent

Münster -

Lkw riegeln die Straßen ab, Polizeibeamte mit Schusswaffen: Die Weihnachtsmärkte sind gesichert wie nie zuvor. Ist dieser Aufwand angemessen – oder übertrieben?

Samstag, 02.12.2017, 11:00 Uhr aktualisiert: 02.12.2017, 14:28 Uhr
Polizei Münster auf dem Prinzipalmarkt. Foto: Ahlke
Die Polizei Münster auf dem Prinzipalmarkt. Foto: Matthias Ahlke

Pro: Lieber sicher als trauern

Von Klaus Möllers

Greift die Polizei bei einer Gefahrenlage erst einmal nicht ein und wartet ab, gibt es Kritik. Erst recht, wenn Menschen zu Schaden kommen. Greift die Polizei vorausschauend ein, um Taten zu verhindern, gibt es ebenfalls Menschen, die meinen, es per Ferndiagnose besser zu wissen. Weil sie es natürlich selbst besser gemacht hätten – das alte Leid. Also handelt die Staatsgewalt, die von der Gesellschaft für die Sicherheit eingesetzt wird, so, wie sie es aus eigner Einschätzung heraus für effektiv hält. Das ist sehr gut.

Die Sperren in der City würden Amokfahrer aufhalten und könnten wegen ihres Gewichts nicht eben so beiseitegeschoben werden. Ein Rammfahrer wäre erst einmal gestoppt. Und die Polizei ist bewaffnet, könnte einen Täter schnell aus dem Fahrzeug ziehen. Sollte jemand mit einer versteckten Waffe den Weg zu den Weihnachtsmärkten suchen, wären Einsatzkräfte schnell dort, falls er entdeckt würde. Hier zeigt sich ein Vorteil der Präsenz vor Ort: Videoüberwachung im öffentlichen Raum etwa hält Szenen für „hinterher“ fest. Aber eine Tat verhindern kann sie nicht. Sie schreckt „nur“ ab.    

Contra: Angst statt Sicherheit

Von Helmut P. Etzkorn

Polizisten mit Maschinengewehr, quer­gestellte Lastwagen und fast an jeder Ecke ein Polizeifahrzeug mit uniformierten Beamten. Der Weihnachtsmarkt wirkt schon ein wenig so wie ein Hochsicherheitstrakt, und dennoch könnte der ganze Aufwand keinen Amokfahrer ernsthaft daran hindern, mit einem schweren Lastzug in die Menschenmassen zu rasen. Die Mietfahrzeuge an den Sperrstellen würden einfach beiseitegestoßen, und dann wäre die Bahn wohl frei.

Mehr Polizei ist gut, weil Taschendiebe abgeschreckt werden und die vielen Besucher ein paar mehr Ansprechpartner haben, wenn sie Auskünfte oder Hilfe brauchen. Auch ein Prinzipalmarkt in der hektischen Einkaufszeit des Jahres ist angenehmer zum Flanieren, wenn dort keine Busse und Taxen durchkommen. Aber ernsthaft zu glauben, man könne so ein Attentat verhindern, ist irrig. Rucksack, Drohne, Satteltasche oder Koffer bieten ausreichend Möglichkeiten, Brisantes in die Menge zu schleusen. Der Aufwand an Sicherheit schürt bei manchen Angst, und genau das ist ja das Ziel derjenigen, die unseren freiheitlichen Staat aus den Angeln heben wollen.

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