Abriss der alten Umgehungsstraßen-Brücke
Stunde der überdimensionalen „Spechte“

Münster -

(Aktualisiert) 500 laute Schläge gegen den Beton in der Minute und das 19 Stunden lang, ehe 2.500 Tonnen Stahl und Beton fein zerkleinert am Boden liegen: Am Wochenende schlug in Münsters Osten die große Stunde der überdimensionalen „Spechte“. Die alte Brücke der Umgehung B 51 über der Warendorfer Straße wurde abgebrochen.

Sonntag, 03.12.2017, 19:00 Uhr aktualisiert: 04.12.2017, 07:44 Uhr
Abbruch Brücke Umgehung B 51/ Warendorfer Straße in Münster.
Abbruch Brücke Umgehung B 51/ Warendorfer Straße in Münster. Foto: Helmut Etzkorn

Und für Hermann Holthenrich, Chef über zehn gleichzeitig agierende Bagger, ist es ein Wettlauf mit der Zeit. „Montag fünf Uhr kommt die erste Regionalbahn, dann müssen die Schienen wieder frei sein“, sagt er. Und wenn die fünf bis 40 Tonnen schweren Bagger mit ihren Scheren und Meißeln an der Auslegerspitze sich im Takt Zentimeter für Zentimeter durch den widerspenstigen Brückenbeton knabbern, ist das für Holthenrich „so etwas, wie Musik in meinen Ohren“.

Ab Freitagabend war die Warendorfer Straße komplett gesperrt und es dauerte bis tief in die Nacht, ehe die Abbrecher überhaupt ans Werk gehen konnten. „Die Schienen dürfen auf keinen Fall durch herabfallende Trümmerteile beschädigt werden, sonst haben wir ein Riesenproblem“, so Sandra Beermann vom Landesbetrieb Straßenbau. Am Sonntagabend meldete Straßen-NRW, dass die Warendorfer Straße noch Sonntag um 23 Uhr für den Verkehr wieder freigeben wird.

Schutz durch mehrere Tonnen Sand

Mit Flies, Baggermatten und einer 30 Zentimeter hohen Sandschicht wurde das Gleisbett abgedeckt, die Leitungen neben den Schienen mussten abmontiert und tiefer gelegt werden. Auch auf der Fahrbahndecke der Warendorfer Straße wurden mehrere Tonnen Sand geschüttet, damit der Asphalt weder durch Betonbrocken noch durch die stählernen Raupenfahrwerke der Bagger beschädigt wird.

Brückenabriss in Münster

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  • Foto: Helmut Etzkorn
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Dann ging es an die 68 Meter lange Brücke. Weil so ein Tragebauwerk unter Spannung steht, muss parallel von beiden Seiten ab der Lager und an einer Kante abgebrochen werden. „Wenn wir irgendwo unkontrolliert beginnen, kann die ganze Brücke in Schieflage geraten und unkontrolliert brechen. Das wollen wir nicht“, so Beermann. Zwei Pfeilerachsen mit je sechs 70 Zentimeter dicken Betonstützen müssen vorsichtig flachgelegt werden, insgesamt sind für den eigentlichen Abbruch 29 Stunden eingeplant.

Das Wetter spielt mit

13 Mann erledigen das, nahezu ohne Pause. Weil der Stahl in den Spannbetonbrücken hochfest ist, kann er nur mühsam durchtrennt werden. „Eine besondere Herausforderung bei diesem Brückentyp“, so Holthenrich. Das Wetter spielte mit. Es regnete nicht und der Nebel minderte die Ausbreitung der Staubwolken. Am Montagmorgen soll der Verkehr wieder rollen, Holthenrich ist optimistisch: „Wir sind gut im Zeitplan, vielleicht schaffen wir sogar noch einen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt.“

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In einem Jahr soll die neue Umgehungsbrücke neben der bereits fertig gestellten, ersten Brücke über die Warendorfer Straße stehen. Zwei Brücken nebeneinander sind nötig, weil die Umgehung vierspurig ausgebaut wird. Insgesamt kosten Abbruch und Neubau rund 3,5 Millionen Euro  Auf der Umleitungsstrecke kam es am Samstag besonders auf der Wolbecker Straße stadteinwärts zu längeren Staus.

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