Kantorei an der Apostelkirche sang Bachs h-Moll-Messe
Transparent musiziertes Wunderwerk

Münster -

Nur wenige Stücke der Musikliteratur wurden so kategorisch vom Nimbus unanfechtbarer Transzendenz heimgesucht wie Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe. Als Inbegriff der Hochkultur stieg sie in der öffentlichen Wertschätzung vom gelehrten Meister- zum von göttlicher Inspiration erleuchteten Wunderwerk. Als Klaus Vetter den Einsatz für das Barockorchester „Le Chardon“ und die Kantorei an der Apostelkirche gab, war es so still wie in einer Mitternachtsandacht.

Sonntag, 03.12.2017, 16:30 Uhr
Klaus Vetter bot mit der Kantorei an der Apostelkirche und dem Orchester „Le Chardon“ eine Großtat.
Klaus Vetter bot mit der Kantorei an der Apostelkirche und dem Orchester „Le Chardon“ eine Großtat. Foto: Günter Moseler

Doch schon die chorischen Anrufungen des „Kyrie“ besaßen Schärfe und Vehemenz, die jeden Glaubenszweifel abzuweisen schienen. Das punktierte Kopfmotiv ließ Vetter im Orchesterritornell federnd leicht ausspielen, als sollte der unnahbare Gestus der Musik durch Leichtherzigkeit an Höhe und Tiefe zugleich gewinnen. Der an der Historischen Aufführungspraxis geschulte Zugriff bewirkte nicht selten eine Intimität des Ausdrucks, die sich musikalischer Monumentalität entzog. Auffällig die sorgfältige Phrasierung, die sich in der fünfstimmigen Chorfuge fortsetzte. Instrumentale und vokale Transparenz ließen die dynamische Modernität der hyperkomplexen Kontrapunktik hervortreten – man hörte kein museales Heiligtum, sondern Musik von heute.

Diesen Eindruck verstärkten die Gesangssolisten: Im Duett „Christe eleison“ bewiesen Fanie Antonelou (Sopran) und Johanna Rademacher (Alt) in elysischen Parallelkantilenen wie tückischen Stimmkreuzungen rhythmische Agilität und dynamische Akkuratesse. Der für Nils Giebelhausen eingesprungene Tenor Max Ciolek harmonierte im Duett „Domine deus“ tadellos mit Antonelou und sang die figurativen Auf- und Abschwünge seiner „Benedictus“-Arie mit Anmut und Eleganz. Bass Markus Flaig stemmte die rustikalen Partien seiner Arie „Et in Spiritum Sanctum“ mit christopherscher Kraft, besaß aber auch die kantable Fülle dunklen Wohllauts.

Es war aber der Chor, dessen Intensität im statuarischen dritten „Kyrie eleison“ oder mystischen „Crucifixus“ nachhaltig beeindruckte, wie auch seine athletische Verve in den großen Jubelchören: im stolzen „Gloria in excelsis Deo“, dem todesmutig gefetzten „Cum Sancto Spiritu“ oder im „Sanctus“ mit rasanten Skalen-Sprints im ekstatischen Abschluss „Pleni sunt coeli“. Ovationen für die Großtat Vetters und seiner Musiker.

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