Di., 05.12.2017

„Autopilot“: Musik aus Münster Die Psychologie des Rap

Als „Peat Miles“ ist der studierte Psychologe René Michel musikalisch unterwegs. Er rappt, seit er 13 Jahre alt ist.

Als „Peat Miles“ ist der studierte Psychologe René Michel musikalisch unterwegs. Er rappt, seit er 13 Jahre alt ist. Foto: Sebastian Haiduk

Münster - 

Psychologie-Studium und Rap-Musik: Was nach totalen Gegensätzen klingt, sind für René Michel Beruf und Hobby. Als „Peat Miles“ hat er jetzt sein erstes Soloalbum veröffentlicht.

Von Anna Spliethoff

Psychologie ist sein Spezialgebiet. Vor allem die Hirnforschung hat es ihm angetan. Nach Bachelor und Master soll für René Michel jetzt auch noch der Doktortitel folgen. Und in der Freizeit? Da ist der gebürtige Remscheider und Wahl-Münsteraner als Rapper aktiv. Als „Peat Miles“ hat er gerade eine CD veröffentlicht.

Psychologie und Rap – wie passt das zusammen? „Das ist eine seltene Kombination“, gibt der 26-Jährige zu. Doch für ihn schließt sich das nicht aus. Denn sein Anspruch an seine eigenen Texte ist hoch: „Ich möchte Emotionen oder eine Aussage transportieren oder eine Geschichte erzählen.“

Album "Autopilot"

Und es gebe auch eine Gemeinsamkeit: „In der Wissenschaft muss man genauso wie in der Musik sehr genau arbeiten.“ Außerdem müsse man bei beidem über einen langen Zeitraum an einem Projekt arbeiten können. So hat die Produktion des Albums „Autopilot“ insgesamt zwei Jahre gedauert.

Zur Rap-Musik kam René Michel eher durch Zufall. Seine Cousins waren als Teenager vom amerikanischen Hip-Hop angetan. „Mir war schon früh klar, dass ich auch in so eine Richtung gehen möchte“, sagt René Michel. Und das, obwohl seine Familie gar nicht musisch sei. Er habe nie ein Instrument gelernt und sich das Rappen selbst beigebracht. Er war 13, als er mit einigen Klassenkameraden angefangen hat zu rappen: „Da waren wir noch nicht einmal im Stimmbruch.“

Mehr künstlerische Freiheit

Kurz danach wurde es ernster, zusammen mit seinem heutigen Produzenten „Timaha“ und seinem Bruder Daniel gründete er das Trio „DSK“. Oft standen sie in Remscheid auf der Bühne – unter anderem als Support für Eko Fresh. Nach über zehn Jahren entschieden sich die Musiker aber für eigene Projekte. „Wir haben lange Musik mit einer gemeinsamen Vision gemacht“, erklärt René Michel. „Aber es war auch immer Kompromiss-Musik.“ Jetzt habe er mehr künstlerische Freiheit.

Die zeigt sich in seinem ersten Album, das an Cro, Casper oder Prinz Pi erinnert. Die Texte zu allen fünf Songs hat René Michel selbst geschrieben. Das gehöre sich im Rap und Hip-Hop so, sagt der 26-Jährige. Die Musik liefern seine ehemaligen DSK-Kollegen. Bei Rap und Gesang unterstützen ihn Marc Zufall, Sängerin Pia-Sophie und „Philow“. Für René Michel ist es wichtig, Musik nicht alleine zu machen: „Im stillen Kämmerlein wäre es nicht so spannend.“

Rappen auf Münsters Bühnen

Ideen für seine Texte, die alle auf Deutsch sind, kommen dem 26-Jährigen in verschiedenen Situationen. Oft schicke ihm sein Produzent „Timaha“ Instrumentale zu. „Wenn ich die höre, kommen mir oft schon ganz viele Ideen“, sagt der Remscheider.

Doch manchmal sei es auch andersherum: „Im Zug fallen mir oft einzelne Zeilen ein, zu denen ich dann Musik brauche.“ Nach der CD, die am 17. November auf den Markt gekommen ist, möchte René Michel im kommenden Jahr auch live seine Lieder präsentieren. Nach Remscheid möchte er jetzt auch auf Münsters Bühnen rappen.

Musikalisches Tagebuch

Der studierte Psychologe sagt, Musik wäre für ihn weder Therapie noch bloßer Zeitvertreib: „Wenn ich meine Lieder der letzten zehn Jahre höre, ist das mein musikalisches Tagebuch.“ Er höre noch immer, wie er sich beim Schreiben der Texte gefühlt und was ihn bewegt habe.

Hauptsächlich ist das Rappen für René Michel aber ein Hobby. Wenn daraus mehr werden würde, „wäre das schön“, gibt er zu. Doch er weiß auch: „Man kann nicht von heute auf morgen als kleiner Fisch etwas werden.“



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