Bargeldloses Bezahlen
Virtuelle Mauer aufgebaut

Münster -

Das Online-Zahlungssystem Paypal hat seine Grenzen. Das musste Georg Schaaf feststellen, der bei einer Überweisung nach Griechenland ein falsches Wort eingegeben hatte und auf Widerstand stieß.

Mittwoch, 06.12.2017, 09:00 Uhr
Georg Schaaf wollte über das Zahlungssystem Paypal eine Überweisung an einen Empfänger nach Griechenland senden und lief dabei gegen eine virtuelle Mauer.
Georg Schaaf wollte über das Zahlungssystem Paypal eine Überweisung an einen Empfänger nach Griechenland senden und lief dabei gegen eine virtuelle Mauer. Foto: privat

„Paypal ist das neue Geld“ – so verheißt es die aktuelle Werbung, mit welcher der Internet-Bezahldienst seine Kunden lockt. Nur zahlen kann man damit nicht immer. Die Erfahrung machte auch Georg Schaaf aus Münster, als er eine Überweisung über Paypal tätigen wollte. Als Schaaf den geringen Betrag von 20 Euro an einen Empfänger in Griechenland senden wollte, lief er gegen eine virtuelle Mauer. Die für ihn verblüffende Begründung des Unternehmens lautete: „Sicherheitsrisiko“.

Stoppworte führen zu Stornierungen

Was war passiert? Schaaf hatte in der Betreffzeile das Wort „Syrien“ auf Englisch (Syria) eingegeben – das reichte für eine Stornierung. „Offenbar hat Paypals Software ‚Stoppworte’ eingebaut, die bei Eingabe Alarm geben und einen Abbruch des Zahlvorgangs auslösen“, sagt Georg Schaaf, der als freier Lektor in Münster arbeitet.

Seit einiger Zeit treibt ihn auch das Thema „Flucht und Erinnerung“ um, zu welchem er bereits Lesungen organisierte. Für einen solchen Abend, der in Gießen stattfinden soll, beabsichtigt Schaaf, einen Kurzfilm des Lyrikers und Übersetzers Jazra Khaleed zu zeigen (der auch Elfriede Jelinek ins Griechische übersetzt hat). Dieser Kurzfilm – 2016 in Münster beim „Zebra Poetry“ Filmfestival zu sehen – beruht auf Khaleeds Gedicht „Gone is Syria, gone“. Diesen Titel hatte Schaaf arglos in die Betreffzeile getippt, als er Khaleed die erbetene „Anerkennungs-Spende“ für dessen Sieben-Minuten-Film überweisen wollte. Die virtuellen Warnleuchten gingen prompt an. „Worte sind eben schärfer als Waffen“, lächelt Schaaf – der den Beginn des Antikriegs-Gedichts so ins Deutsche übersetzt hat: „Fort ist Syrien, fort. Sie hat ihre Kopftücher, ihre Straßen und Ruinen genommen, hat ihre Toten auf den Rücken gebunden und ging fort“.

Der Münsteraner verweist auf einen ähnlichen Fall, der im Vorjahr von der FAZ berichtet wurde. Damals setzte die Betreffzeile „Damascus“ Paypals Warn-Algorithmen in Gang. Es handelte sich aber nur um die „virtuelle“ Waffe eines Computerspielers – einen Dolch, den er für das Spiel „Counter Strike, Global Offensive“ online kaufen wollte. Und dieser „Internet-Dolch“ bestand aus „Damascus Steel“.

Gesetzlicher Hintergrund

Bei diesem Vorgehen hält sich Paypal als amerikanisches Unternehmen allerdings nur an die Gesetze. Das amerikanische Amt für Kontrolle für Auslandsvermögen (OFAC) verhängt Handelssanktionen, die auch für Paypal bindend sind. Ganz gleich, in welchem Land eine Zahlung getätigt wird, muss sie bei verdächtigen Wörtern genauer geprüft werden. Auch „Nordkorea“ oder „Kuba“ sind als Betreff nicht anzuraten.

Im Falle des erwähnten „Counter Strike“-Spielers war das gesperrte Konto schnell wieder freigegeben. Und auch Georg Schaaf konnte Paypal von der Harmlosigkeit seiner Überweisung überzeugen, die mittlerweile an Jazra Khaleed (ein Künstlername) gegangen ist. Was die Zukunft des „neuen Geldes“ angeht, so werden derlei Probleme sicher noch zunehmen. Vom Thema des „gläsernen Bürgers“ gar nicht zu reden . . .

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