Fotofachgeschäft Doppheide & Kollow schließt
Viele Promis vor der Kamera

Münster -

Der Mietvertrag läuft aus, Inhaber Karlheinz Schmalzried ist 70 und denkt an seinen Ruhestand. Die beiden Azubis haben ihre Ausbildung beendet, Zeit, meint der Fotofachhändler, um das Geschäft an der Bahnhofstraße aufzugeben.

Freitag, 08.12.2017, 09:00 Uhr
Der Mietvertrag läuft aus, Karlheinz Schmalzried gibt Ende des Monats das Fachgeschäft Doppheide & Kollow an der Bahnhofstraße auf, das schon mehr als 80 Jahre besteht.
Der Mietvertrag läuft aus, Karlheinz Schmalzried gibt Ende des Monats das Fachgeschäft Doppheide & Kollow an der Bahnhofstraße auf, das schon mehr als 80 Jahre besteht. Foto: Matthias Ahlke

Karlheinz Schmalzried hat viele Promis vor der Kamera gehabt: Wim Wenders, Wolfgang Niedecken, Götz Alsmann, Otto, Ben Becker, Til Schweiger und Veronica Ferres – ihre Fotos schmücken die Wände von Doppheide & Kollow an der Bahnhofstraße in Münster. Ende des Jahres ist die Ära des münsterischen Fotofachgeschäftes vorbei. Ein Dinosaurier der Branche geht, trauert ein Kenner der Szene. Der Mietvertrag läuft aus, sagt Inhaber Karlheinz Schmalzried. Er ist 70 Jahre alt und denkt jetzt an seinen Ruhestand.

Als er vor 44 Jahren in dem münsterischen Betrieb startete, brummte das Fotogeschäft. Kunden standen in Zweier- und Dreierreihen vor der Theke, um Filme abzugeben, Negative durchzusehen und Fotos zu bestellen. Viele Münsteraner haben an der Bahnhofstraße ihre Fotoapparate gekauft.

Ära an der Bahnhofstraße endet

1/6
  • Das traditionelle Fotofachgeschäft Doppheide & Kollow an der Bahnhofstraße schließt Ende des Jahres 2017 Foto: Schmalzried
  • Das traditionelle Fotofachgeschäft Doppheide & Kollow an der Bahnhofstraße schließt Ende des Jahres 2017 Foto: Matthias Ahlke
  • Das traditionelle Fotofachgeschäft Doppheide & Kollow an der Bahnhofstraße schließt Ende des Jahres 2017 Foto: Schmalzried
  • Das traditionelle Fotofachgeschäft Doppheide & Kollow an der Bahnhofstraße schließt Ende des Jahres 2017 Foto: Schmalzried
  • Das traditionelle Fotofachgeschäft Doppheide & Kollow an der Bahnhofstraße schließt Ende des Jahres 2017 Foto: Schmalzried
  • Das traditionelle Fotofachgeschäft Doppheide & Kollow an der Bahnhofstraße schließt Ende des Jahres 2017 Foto: Schmalzred

Auch Schmalzried hat damals für seine erste Leica-Kamera sparen müssen und darum nachts am Düsseldorfer Bahnhof Bananen ausgeladen. Sein Foto-Hobby machte er später zum Beruf. Er kam aus Düsseldorf, hatte ein kaufmännisches und technisches Studium absolviert und leitete am Rhein eine Fotofachabteilung, als er von Doppheide & Kollow als Geschäftsführer für die Filiale in Münster abgeworben wurde. Seit 2002 betreibt der 70-Jährige das Geschäft in eigener Regie.

Bis dahin reiste der Fotograf alle zwei Jahre für sechs Wochen im Auftrag eines Foto-Unternehmens nach Asien, um dort Porträts von Menschen aufzunehmen. Es kam ihm auf den „goldenen Moment“ an. Schmalzried inszenierte mit der Werbegemeinschaft im Bahnhofsviertel die Aktion „Gesicht zeigen“. Er war damals auch der Hausfotograf für das Roland-Theater im Bahnhofsviertel. Wenn Gäste kamen, stand Schmalzried mit der Kamera in der ersten Reihe. Mit Schauspieler Ben Becker zog er um die Häuser, Götz George sei dagegen schwierig gewesen, erinnert er sich.

600 Filme pro Tag entwickelt

Der Fotohändler denkt an Zeiten zurück, als die Arbeitswoche mit einer Fegeaktion begann. Damals drückten sich Passanten beim sonntäglichen Schaufensterbummel die Nase platt und sahen sich die neuesten Kameras an. „Hunderte Zigarettenkippen lagen montags vor den Fenstern.“

Der gebürtige Schwabe Schmalzried beschäftigte bis zu 19 Mitarbeiter. Mindestens 600 Filme wurden bei ihnen in Glanzzeiten pro Tag teilweise bis nachts entwickelt. Heute spricht der Fotohändler von 20 Filmen pro Woche. Stammkunden saßen damals neben Ehefrau Birgit Schmalzried, wenn diese die Fotos per Hand entwickelte, und wünschten sich mehr oder weniger Farbe. Dieser Service in einem der ältesten Fachgeschäfte an der Bahnhofstraße gehört bald der Vergangenheit an.

„Die digitale Welt war der Killer des Fotohandels“, zieht Karlheinz Schmalzried Bilanz. Wehmut schwingt nach 45 Jahren mit. Der 70-Jährige ist überzeugt, dass sein Geschäft so lange überlebt habe, weil er mit einem besonderen Fotopapier glänzen konnte.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5341994?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker