Erfolgreiches Pilotprojekt
Postbote kommt mit dem E-Trolley

Münster -

Obwohl Postzusteller Jochen Wieland inzwischen stark mobilitätseingeschränkt ist, kann er weiter die Briefe bringen. Mit einem elektrischen Spezialfahrzeug rollt er durch sein Revier. Die Post will den Elektro-Trolley nun bundesweit einsetzen.

Freitag, 08.12.2017, 07:30 Uhr aktualisiert: 08.12.2017, 08:15 Uhr
Jochen Wieland ist im Hansa- und Hafenviertel auf Tour. Sein E-Trolley ist bislang einzigartig, bald soll das Spezialfahrzeug für mobilitätseingeschränkte Postboten bundesweit rollen.
Jochen Wieland ist im Hansa- und Hafenviertel auf Tour. Sein E-Trolley ist bislang einzigartig, bald soll das Spezialfahrzeug für mobilitätseingeschränkte Postboten bundesweit rollen. Foto: hpe

Vor zwei Jahren war es zunächst nur ein Experiment. Und nicht nur Postzusteller Jochen Wieland (53) war skeptisch, ob es überhaupt klappen würde. Für den schwerbehinderten Briefboten, der sein Revier im Hafen- und Hansaviertel hat, wurde beim schweizerischen Elektrofahrzeug-Spezialisten Kyburz ein E-Trolley in Auftrag gegeben, der Wieland den täglichen Fußweg von neun Kilometern weitgehend ersparen sollte.

Nach drei Jahrzehnten im Zustelldienst machten bei dem Münsteraner die Knie nicht mehr mit, weitere Behinderungen kamen hinzu. Und der Bezirk wuchs im gleichen Zeitraum von 900 auf 2000 Haushalte. „Wir wollten dem bewährten Mitarbeiter weiter die Chance geben, für uns aktiv zu bleiben“, so Post-Pressesprecher Rainer Ernzer. Mit finanzieller Unterstützung des Integrationsamtes wurde ein für Wieland maßgeschneidertes Elektromobil entwickelt. Im Heckbereich steht er auf einem Trittbrett und steuert das Fahrzeug im Schritttempo. Vorn sind die Posttaschen.

Vom Roller überzeugt

Längst ist er ein beliebtes Smartphone-Motiv geworden. „Fast wöchentlich tauchen im Netz neue Filme von mir auf“, schmunzelt Wieland. Und weil er aufrecht stehend wie auf einem antiken Streitwagen von Briefkasten zu Briefkasten rollt, nennen ihn die Kollegen inzwischen „den Römer“. Besonders Jugendliche wollen gern mal eine Runde mit oder ohne Wieland auf dem Elektrofahrzeug drehen. Weil es ein Dienstfahrzeug ist, geht das aber nicht.

Bordsteine sind kein Problem, und in Kurven muss Wieland etwas in Seitenlage gehen. Die Batterien für den Elektromotor halten drei Tage, in kalten Wochen muss der E-Trolley allerdings häufiger ans Netz.

2000 Kilometer sind inzwischen in Münster ohne technische Probleme unfallfrei absolviert, und damit ist die Testphase jetzt beendet.

Die Post ist vom Roller überzeugt. „Wir werden das Modell nun bundesweit immer dann anschaffen, wenn Zusteller aufgrund von Mobilitätseinschränkungen so ein Spezialfahrzeug benötigen“, so Ernzer.

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