Uni-Forscher finden Siegelabdrücke in der Türkei
Einblicke in Zeit des Römischen Reiches

Münster -

Forscher der Universität Münster haben in der Südosttürkei einen großen Fund an Siegelabdrücken gemacht. „Die einzigartige Artefaktgruppe aus mehr als 1000 Stücken, die aus dem städtischen Archiv der antiken Stadt Doliche stammen, gibt viele Einblicke in die griechisch-römische Götterwelt“, erklärte der Altertumswissenschaftler und Grabungsleiter Engelbert Winter jetzt in Münster.

Freitag, 08.12.2017, 22:00 Uhr
Siegelabdrücke aus dem Archiv von Doliche
Siegelabdrücke aus dem Archiv von Doliche Foto: wwu

Forscher der Universität Münster haben in der Südosttürkei einen großen Fund an Siegelabdrücken gemacht. „Die einzigartige Artefaktgruppe aus mehr als 1000 Stücken, die aus dem städtischen Archiv der antiken Stadt Doliche stammen, gibt viele Einblicke in die griechisch-römische Götterwelt“, erklärte der Altertumswissenschaftler und Grabungsleiter Engelbert Winter jetzt in Münster.

Viele Fundstücke lassen sich dem Forscher zufolge den offiziellen Siegeln der Stadt zurechnen. „Dass die Verwaltung Hunderte Dokumente mit den Götterbildern besiegelte, zeigt, wie stark die religiösen Vorstellungen den Alltag prägten“, so Winter. Neben den Abbildungen der „Stadtgöttin“ Tyche fänden sich Darstellungen des römischen Kaisers Augustus und der Göttin Dea Roma.

Zentrales Motiv sei aber der wichtigste Gott der Stadt, Iuppiter Dolichenus. „Sein Kult breitete sich im zweiten und dritten Jahrhundert nach Christus in weite Teile der Mittelmeerwelt hinein bis nach Britannien aus“, so Winter. Hunderte Siegel zeigten den Handschlag zwischen Gott und Kaiser. Winter: „Damit wurde die tiefe Verbundenheit des Gottes mit dem römischen Staat zum Ausdruck gebracht.“

Sein Grabungsteam erforscht das Heiligtum des Soldatengottes Iuppiter Dolichenus seit 17 Jahren, wie es hieß. In diesem Jahr wurde in einem Gebäudekomplex unter einem um 400 nach Christus zu datierenden Mosaik ein noch älterer Mosaikboden freigelegt, wie Winter erläuterte.

Die Forschungsstelle Asia Minor der Universität Münster gräbt unter der Leitung von Winter vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ seit 2001 mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Haupt­heiligtum des Iuppiter Dolichenus. Um das Grabungsareal nahe der antiken Stadt Doliche einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wird an einem Archäologischen Park gearbeitet.

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