Ausstellung in der Finne-Brauerei
Illustrator Olaf Preiß: Der mit dem Stift tanzt

Münster -

Dort wo Olaf Preiß ist, wird auch jemand gezeichnet – häufig ohne es zu merken. Denn der Illustrator hat seinen Stift immer dabei und hält die Münsteraner in Alltagssituationen damit fest.

Sonntag, 10.12.2017, 11:00 Uhr aktualisiert: 10.12.2017, 12:43 Uhr
Olaf Preiß an seinem Zeichentisch in seinem Büro am Hansaviertel. Hier arbeitet er oder koloriert die in seiner Freizeit entstandenen Skizzen nach. Bis Weihnachten sind einige seiner Illustrationen in der Finne-Brauerei zu sehen.
Olaf Preiß an seinem Zeichentisch in seinem Büro am Hansaviertel. Hier arbeitet er oder koloriert die in seiner Freizeit entstandenen Skizzen nach. Bis Weihnachten sind einige seiner Illustrationen in der Finne-Brauerei zu sehen. Foto: Björn Meyer

Wie viele Münsteraner er schon auf Papier gebracht habe? Olaf Preiß zieht die Augenbrauen hoch und schaut an die Wand vor ihm. „Also hier hängen ja schon etwa 25“, sagt er, als handele es sich dabei bereits um einen Großteil, während er auf die Bilder seiner Ausstellung in der Finne-Brauerei blickt. Dann muss er lachen: „Vielleicht sind es 1000, vielleicht auch 3000. Ich weiß es nicht.“ Sicher ist nur: Dort wo Olaf Preiß ist, wird auch jemand gezeichnet – häufig ohne es zu merken.

„Ich habe immer etwas zum Zeichnen dabei“, sagt Preiß und zeigt auf sein prall gefülltes Federmäppchen und den Zeichenblock vor ihm. Und so entstehen Bilder von Münsteranern in Alltagssituationen. Auf dem Wochenmarkt etwa, ganz häufig aber auch in Café- oder Kneipensituationen sowie auf Konzerten. Denn zur Musik malen, dass liebt der gebürtige Bielefelder, der seit fast 20 Jahren in Münster lebt. „Wenn die Musik schneller ist, dann zeichne ich schneller, ist sie langsamer, werde auch ich langsamer. Das ist für mich wie tanzen“, sagt Preiß.

Die nächste „Beute“ wartet schon

Tagsüber arbeitet er als Illustrator und zeichnet alles, was seine Kunden wünschen. „Das können ganz verschiedene Sachen sein“, macht Preiß deutlich. Nach Feierabend aber frönt er seiner privaten Leidenschaft. Sein Stil? „Dynamisch, spontan und“, Preiß stutzt kurz, „häufig skizzenhaft, denn dann muss ich schon wieder die nächste Beute erlegen“, sagt der 45-Jährige mit einem feinen Grinsen. Sein erstes Ziel sind dabei Menschen. Sind die nicht da, sucht er sich Tiere. „Ich brauche dieses Figürliche“, sagt Preiß, der auch als Dozent an der Schule für Modemacher in Münster arbeitet.

Das Aussehen spielt übrigens nur bedingt eine Rolle dabei, wen Preiß aus einer Menge auswählt und auf Papier bannt. „Schön oder hässlich, das sind für mich keine Kriterien. Ich suche eher nach Charakter, wenn man es in ein Wort fassen will“, sagt er und fügt hinzu: „Vielen Leuten wünsche ich, dass sie andere, verschiedene Perspektiven einnehmen, um zu sehen, wie vielfältig Menschen sind.“

Illustrationen von Olaf Preiß

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  • In seiner Freizeit greift Olaf Preiß immer wieder zum Stift und zeichnet Münsteraner in Alltagssituationen.

    Foto: Olaf Preiß
  • Die Szene eines Gastes, der trotz offensichtlicher Zuneigung sich nicht traute, die Bardame anzusprechen, beobachtete Preiß in der Gaststätte Ideal.

    Foto: Olaf Preiß
  • Was zunächst skizzenhaft beginnt,...

    Foto: Olaf Preiß
  • ...wird später teilweise noch nachkoloriert.

    Foto: Olaf Preiß
  • In der Finne-Brauerei sind einige der Illustrationen noch bis Weihnachten ausgestellt.

    Foto: Olaf Preiß

Der Künstler, der als Kind mit dem Zeichnen anfing, macht aber auch Unerfahrenen Mut. Es gehe vor allem darum, sich den Druck zu nehmen. „Die Leute glauben immer, sie müssten ein exaktes Bild erstellen. Doch das ist Quatsch“, sagt Preiß und wirbt dafür, sich zu entspannen und alles so simpel „herunterzukochen“, wie es eben gehe.

Zur Not mit Kaffee

Und auch bei seinen persönlichen Skizzen nimmt er es nicht zu genau. Meistens verwende er dafür nur Blei- oder Buntstifte, manchmal werde das Ganze aber auch mal mit Pinsel und Aquarell verfeinert. „Und wenn ich das nicht dabei habe, dann bestelle ich mir einfach einen Kaffee und nehme den. Das ist an manchen Orten eh besser als ihn zu trinken“, scherzt Preiß, der im Kreuzviertel wohnt.

Meistens übrigens bekämen es die Menschen nicht mit, wenn er sie male. Fliege er doch einmal auf, dann seien die Reaktionen zu „99,99 Prozent positiv“. Kein Wunder, kommt doch die Wertschätzung der Auswahl bei Olaf Preiß einer speziellen Geste gleich: der Aufforderung zum Tanz – zur Musik voller Striche und Farben.

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