Ibiza-Fan und Filmemacher
Franz-Josef Görtz ist ein Urgestein im Ludgeriviertel

Münster -

Franz-Josef Görtz ist im Ludgeri-Viertel aufgewachsen. Der Kaufmann, der jetzt 90 geworden ist, war Sprecher der Kaufmannschaft, drehte als Hobby Filme über Münster, fuhr Ballon und war ein leidenschaftlicher Turner.

Samstag, 09.12.2017, 13:00 Uhr
Ibiza-Fan und Filmemacher: Franz-Josef Görtz ist ein Urgestein im Ludgeriviertel
Franz-Josef Görtz Foto: Matthias Ahlke

Einer kennt das Ludgeri-Viertel wie seine Westentasche: Franz-Josef Görtz. Der Münsteraner ist 90 Jahre alt geworden. Er ist fit, geht jeden Tag schwimmen, liebt Ibiza und weiß eine Menge über sein Viertel zu erzählen: als Kaufmann, als langjähriger Sprecher der Bürgergemeinschaft Ludgeri-Viertel, als Kunstmäzen, als Restaurator des ältesten Gadem in dieser Stadt, als Ballonpilot, als Turner, als Skifahrer und als Filmemacher.

Eines Tages schrieb ihn der englische Fernsehsender BBC an und fragte, ob er nicht am ersten Ballonrennen in London teilnehmen könne. Görtz war als Kameramann gefragt. Er flog nach London und stieg in einen Ballon.

Das war nicht das erste Mal, dass der Münsteraner in die Luft ging. Schätzungsweise 50 Starts verzeichnete er mit einem Gasballon. Franz-Josef Görtz hatte selbst den Luftfahrerschein erworben. Spektakulär sei eine Fahrt 1963 von einem Hochplateau in der Schweiz bis nach Innsbruck gewesen. In 7000 bis 8000 Meter Höhe seien sie gefahren. Franz-Josef Görtz drehte die „Luftreise über die Alpen“.

Eine Film-Leidenschaft

Die Filmerei war eine der Leidenschaften von Görtz, der dem Schmalfilm-Klub in Münster angehörte. Sein 30 Minuten langer Film „Münster ist eine Reise wert“ wurde später von der Stadt für Werbezwecke aufgekauft. „Ich habe so getan, als hätte ich aus einem Ballon heraus gefilmt“, sagt Görtz, der aber in einem Flugzeug gesessen hat, das von Hornheide aus über die Stadt flog. „Von imponierenden und meisterlichen Aufnahmen“ war damals bei einem Wettbewerb für Amateurfilmer die Rede.

Franz-Josef Görtz bekam den ersten Preis für den Blick auf Aasee, Schloss und Zoo. Schon damals war der Münsteraner seiner Zeit voraus, als er filmerisch der Frage nachging: Erstickt Münster im Verkehr? „Diesen Film habe ich auf Anregung von Theo Breider gedreht“, der den Mühlenhof gegründet hat. Görtz stand für die Aufnahmen auf einem Omnibus.

Lokale Verbundenheit

Der Münsteraner ist bis heute fit geblieben, nicht zuletzt aufgrund seines Turnsportes – bevorzugt am Reck und auf dem Boden. Salto und Flick-Flack waren für ihn kein Problem. Görtz ist heute Ehrenmitglied bei der TG Münster. Er gehört dem Zooverein an und den Freunden der Kunstakademie. Görtz selbst sammelt mit Vorliebe afrikanische Kunst. Am meisten freue es ihn, sagt der Jubilar, dass er mit 90 Jahren noch gefragt sei. Gemeinsam mit seinen Söhnen kümmert er sich unter anderem um die Königspassage.

Franz-Josef Görtz ist seit dem Jahr 1933 mit dem Ludgeri-Viertel verbunden. „Die Ferien verbrachten wir früher auf der Geist.“ Er besuchte die Ludgerischule, dann bis zum Krieg das Paulinum. Franz-Josef Görtz, der im Krieg seinen Zwillingsbruder und seinen älteren Bruder verlor, übernahm später das Modistengeschäft von seiner Mutter Anni Görtz, geborene Wulf.

So entstand der Geschäftsname Görtz-Wulf. Nach dem Krieg absolvierte Franz-Josef Görtz eine kaufmännische Ausbildung und studierte an der Textilfachschule Schloss Hohenstein. 1954, nach dem Tod des Vaters Wilhelm Görtz, kehrte er nach Münster zurück. Ehefrau Charlotte Görtz erlernte das Modistenhandwerk. Beide bauten den modischen Betrieb aus. Brautschleier, Hüte und Mode aus Paris waren angesagt.

Kritischer Blick

1976 erwarb Franz-Josef Görtz den ehemaligen Fürstenberger Hof an der Königsstraße und baute die Immobilie zur Königspassage aus. Das Boulevard-Theater entstand dort im Keller.

Görtz war 40 Jahre Sprecher der Kaufmannschaft im Ludgeri-Viertel. Damals wurde die Fußgängerzone mit erheblicher Anliegerbeteiligung eingerichtet und später erneuert. „1,2 Millionen D-Mark trugen die Anlieger 1989 zur neuen Straßenbeleuchtung bei.“

Heute gehe er sehr kritisch über die Ludgeristraße, sagt Franz-Josef Görtz und kritisiere die verklebten Laternen, beschmierten Sitzbänke und die teilweise geringe Initiative der Anlieger.

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