„Kein Zimmer frei“ im Boulevard Münster
Wenn der Hotel-Kritiker kommt

Münster -

Ein kleines Hotel, irgendwo in Großbritannien: Über der Rezeption prangt ein plüschiger Elchkopf (Bühne: Elke Ober), im Sessel am Eingang gönnt sich Francis, stellvertretende Chefin des Hauses, ein Mittagsschläfchen, als plötzlich das Telefon klingelt. In Sekundenschnelle ist es mit der Ruhe vorbei: Ein Journalist hat sich angemeldet; er soll über das Hotel eine Kolumne schreiben. Wer dieser Kritiker ist, wie er heißt, weiß allerdings niemand. Und so entspinnt sich eine wilde Jagd auf VIP-Gäste, die keine sind; dass das kleine Hotel hoffnungslos überbucht ist, macht es nicht besser.

Sonntag, 10.12.2017, 15:54 Uhr aktualisiert: 12.12.2017, 18:18 Uhr
Da ist was los im Hotel – und es ist „Kein Zimmer frei“. Im Stück von Derek Benfield spielen (v.l.) Marc Zabinski, Angelika Ober, Magnus Heithoff, Wolfgang Linnenbrügger, Sylvia Agnes Muc und Michaela Fleischer.
Da ist was los im Hotel – und es ist „Kein Zimmer frei“. Im Stück von Derek Benfield spielen (v.l.) Marc Zabinski, Angelika Ober, Magnus Heithoff, Wolfgang Linnenbrügger, Sylvia Agnes Muc und Michaela Fleischer. Foto: Peter Pittermann

Vor allem Henry (prägnant: Marc Zabinski) kommt in arge Bedrängnis, hatte er doch auf ein heimliches Wochenende mit seiner Judy (püppchenhaft-naiv: Michaela Fleischer) gehofft. Als sein „Täubchen“ ihn unfreiwillig in der Hochzeitssuite mit der harschen, einer Domina ähnlichen Angela (Sylvia Agnes Muc) erwischt, ist es mit der Romantik vorbei. Das Chaos wird perfekt, als Judys bärbeißiger Ehemann Edgar (Magnus Heithoff) auftritt, der selbst etwas zu verbergen hat. Und mittendrin Francis, die mit der ganzen Situation überfordert ist, hält sie hier doch nur „die Stellung“, weil ihre Schwester – rechtmäßige Chefin dieses Etablissements – sich derzeit im spanischen Benidorm vergnügt.

„Kein Zimmer frei“, diese Verwechslungskomödie aus der Feder Derek Benfields, ist für Angelika Ober, Leiterin des „Boulevard Münster“, eine besondere Produktion, denn als 86. Premiere läutet dieses Stück das 20-jährige Bestehen ihres Privattheaters ein. Entsprechend hat sich Ober die Hauptrolle der Francis geschenkt, die sie mit rustikalem Charme füllt. Unter der Regie von Roland Heitz gelingt die Charakterzeichnung einer herzhaft zupackenden Figur, die ihren Gästen die Koffer mit Gewalt entreißt, wenn sie sich ihrem Service nicht schnell genug ergeben, bauernschlau die Hand aufhält, um sich „schmieren“ zu lassen, oder panikartig Schutz bei Henry sucht, der für die unfreiwillige Hotelchefin – selbst ängstlich wie ein Hase – gutmütig in die Bresche springt. Mit militärischer Attitude tritt Judys Ehemann Edgar, auf, der Henry als heimlichen Liebhaber in arge Bedrängnis bringt. Urkomisch, wenn Letzterer in gestreifter Unterhose im Foyer steht und panikartig in die Hose der Chefin schlüpft, während diese in Strumpfhosen und mit einer Rohrzange bewaffnet das absurde Lügenkonstrukt tapfer zu vertuschen sucht. Und dann wäre da noch der seltsame Mr. Johnson (komisch: Wolfgang Linnenbrügger), den alle für einen tatterigen Rentner halten, seine Identität enthüllt sich erst am Ende.

Großer Applaus für das Ensemble und eine Boulevard-Chefin, die, wie Regisseur Heitz betonte, die Herzen ihres Publikums in 20 Jahren buchstäblich „er-Ober-t“ hat. 

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