Klaus Homann nahm Abschied von der „Gaudeamus“-Leitung
Dirigent wechselt nach Jahrzehnten zu den Sängern

Münster -

Am Anfang waren es Gospels. Chorleiter Klaus Homann lud zum Mitsingen ein – und viele, viele Sängerinnen und Sänger kamen, weil sie großen Spaß daran hatten, die mal schwungvollen, mal melancholischen Melodien lebendig werden zu lassen. So, wie sie in der afroamerikanischen Kirchenmusik traditionell gesungen werden.

Montag, 11.12.2017, 23:03 Uhr aktualisiert: 11.12.2017, 23:10 Uhr
Klaus Homann stand nach 50 Jahren zum letzten Mal auf dem Dirigentenplatz. Mit „Gaudea­mus“ verabschiedete er sich vom Publikum.
Klaus Homann stand nach 50 Jahren zum letzten Mal auf dem Dirigentenplatz. Mit „Gaudea­mus“ verabschiedete er sich vom Publikum. Foto: Christoph Schulte im Walde

Homanns Projekt war erfolgreich und der noch junge Gospel-Chor an der Auferstehungskirche hoch motiviert. Weshalb nicht auch einmal etwas aus dem „klassischen“ Repertoire versuchen, was Barockes zum Beispiel? Und siehe da: Bei vielen Chormitgliedern hatte es „gefunkt“, behutsam hielt der Schatz geistlicher Musik etwa von Johann Sebastian Bach oder Adam Gumpelzhaimer Einzug ins Repertoire des Chores, für den schnell der Name „Gaudeamus“ gefunden war.

Das ist knappe 20 Jahre her. Und Anlass zur Freude hatte „Gaudeamus“ bei all seinen Aktivitäten in dieser zurückliegenden Zeit genug. Auch am Sonntag beim Konzert in der Auferstehungskirche. Wobei sich da zur Freude auch ein klein wenig Wehmut beimischte. Denn mit seinem Adventskonzert in der prall gefüllten Kirche verabschiedete sich Klaus Homann mit einem anspruchsvollen Programm als Chorleiter von seinem Ensemble und vom Publikum.

Adam Gumpelzhaimers „Lobt Gott getrost mit Singen“ erinnerte an die Anfänge des Chores – und mit Bachs „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ kam ein Juwel aus dem Kantaten-Oeuvre des Thomaskantors zur Aufführung, dem sich die „Gaudis“, wie Homann seinen Chor liebevoll nennt, in jeder Hinsicht gewachsen zeigten. Keine Spur rhythmischer Irritationen dank klarer Zeichengebung des Dirigenten, keine Ecken und Kanten im Gesamtklang, der sich ausgewogen und rund mischte. Auch später in Mendelssohns „Verleih uns Frieden“ und Carl Loewes „Lobet den Herrn“. Tadellos agierte der instrumentale Partner des Chores, die „Dieci Amici“ mit Streichern, Oboen, Fagott und Orgel, die nicht nur transparenten Bach-Klang schufen, sondern sich auch mit Telemann und Mozart solistisch hören ließen. Jahrelange Wegbegleiter von Klaus Homann sind Sopranistin Maria Tölle und Bassist Reinhard Kohl, denen schöne Soli und Duette in Bachs Kantate gelangen, unterstützt von Niels Miegel mit angenehm timbrierten Tenor.

Nun also Abschied von der Auferstehungskirche nach über zwei Jahrzehnten, wobei sich Klaus Homann bereits seit einem halben Jahrhundert um den Wohlklang menschlicher Stimmen kümmert, dies an wechselnden Orten. So ist etwa seine Zeit in Mecklenbecks St.-Anna-Gemeinde unvergessen. Erhalten bleibt der ehemalige Dirigent den „Gaudis“ als Sänger, zukünftig dann unter Leitung von Brigitte Stumpf-Gieselmann. Homanns Nachfolgerin präsentierte sich am Ende des Programms mit dem Schlusschor aus Bachs „Nun komm, der Heiden Heiland“ – ein gelungenes Debut!

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5352152?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker