ARD-Chefredakteur in Münster
Launische Äußerungen beim „Theo-Talk“: Mehr Relevanz zur besten Sendezeit

Münster -

Heribert Faßbender stand einst Rainald Beckers Karriere als Sportredakteur im Weg. Heute ist Becker Chefredakteur der ARD. Jetzt war er zu Gast in Münster.

Donnerstag, 14.12.2017, 10:00 Uhr aktualisiert: 14.12.2017, 10:09 Uhr
Rainald Becker 
Rainald Becker  Foto: Björn Meyer

Sein Vater hatte ihn wegen „anhaltender Erfolglosigkeit“ vom Gymnasium abgemeldet. Der darauf folgende Beruf als Kfz-Mechaniker sei auf die Dauer auch nicht das Seine gewesen. Und die angestrebte Karriere als Sportredakteur habe einen ebenso plötzlichen wie erheblichen Knick bekommen – „einfach weil mir niemand gesagt hatte, dass man Heribert Faßbender besser nicht kritisiert, schon gar nicht in großer Runde“, erinnert sich Rainald Becker.

Trotzdem ist aus dem gebürtigen Krefelder – salopp gesagt – noch etwas geworden. Als Berichterstatter im Ausland war er unter anderem Zeitzeuge des Golfkriegs, und er berichtete in Südafrika zu der Zeit, als Nelson Mandela dort auf freien Fuß kam. „Ich war beruflich in beinahe allen Ländern Afrikas“, sagt Journalist Becker, der seit 2016 Chefredakteur der ARD und verantwortlich für die Bereiche Politik, Gesellschaft und Kultur ist. Am Dienstagabend war er zu Gast beim „Theo-Talk“, einer Veranstaltung der Katholisch-Theologischen Fakultät.

"Schwachsinnige" Soaps

Im prall gefüllten Hörsaal an der Johannisstraße äußerte sich Becker beachtenswert launisch zu unterschiedlichen Themen. Dabei kamen auch die Ereignisse am Wahlabend, als Becker während der Berliner Runde hart von CSU-Politiker Joachim Herrmann angegangen worden war, zur Sprache. Becker deutete an, dass Herrmann auch abseits der Kameras zunächst nicht von ihm abgelassen habe. „Ich habe ihm dann gesagt, dass er nur von seinem eigenen Versagen ablenkt“, fand Becker klare Worte für die Kritik Herrmanns, die öffentlich-rechtlichen Sender seien mitschuldig am Aufstieg der AfD.

Den Rundfunkbeitrag bezeichnete Becker am Dienstag als „Demokratieabgabe“, denn: „Was ist denn das Gegenszenario? Ein Programm abhängig von Werbeschaltenden“, so Becker, der zudem sein Ziel umriss, in Zukunft mit mehr politisch relevantem Inhalt in die „Prime-Time“ zu kommen. „Dafür aber muss man dicke Bretter bohren, denn Formate wie die mit Florian Silbereisen sind zwar merkwürdig, aber erfolgreich.“ Die im ARD-Programm ausgestrahlten Soaps bezeichnete Becker dabei sogar als „schwachsinnig“.

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